Review

Am 20. Juli 2017 startet hierzulande das Science-Fiction-Spektakel „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ von Filmemacher Luc Besson („Léon – Der Profi“, „Das fünfte Element“), der hier Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion ist. Für die – mit Produktionskosten in Höhe von etwa 180 Millionen US-Dollar – mutmaßlich teuerste europäische Film-Produktion aller Zeiten konnte Besson etliche Hollywood-Stars engagieren, darunter etwa für die beiden Hauptrollen Valérian und Laureline Dane DeHaan („The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“, “ A Cure for Wellness“) und Cara Delevingne („Suicide Squad“) und für weitere Rollen Clive Owen, Ethan Hawke sowie Rihanna.

Eine europäische Kinoproduktion dieser Größenordnung ist der perfekte Anlass für Carlsen Comics, um die Vorlage für den Blockbuster noch einmal in kompakter Version zu veröffentlichen, und eine ebenso gute Gelegenheit für die geneigten Comic-Leser, in die Welt dieser klassischen französischen Science-Fiction-Comic-Serie einzutauchen.

Die „Valerian & Veronique: Filmausgabe“ umfasst die Originalbände 2 „Im Reich der tausend Planeten(1978) sowie 6 „Botschafter der Schatten“ (1980). Während der Originaltitel der Comic-Serie von Autor Pierre Christin und Zeichner Jean-Claude Mézières „Valérian et Laureline“ lautet, hört die Protagonistin bei uns seit dem ersten Erscheinen in den 1970er Jahren traditionell auf den Namen Veronique, ohne dass die Gründe dafür bekannt wären. Um einen Gleichlauf mit Bessons Blockbuster zu gewährleisten, heißt die Figur in dieser Ausgabe aber ebenfalls Laureline; Langzeit-Leser müssen sich also umstellen.

Valerian und Laureline sind Agenten des „Raum-Zeit-Service“, der von Galaxity aus, der Hauptstadt der Zukunft, seine Unternehmungen durchführt. Die Erfindung des Raum-Zeit-Sprungs ermöglicht es den Titelhelden, sich ohne Schwierigkeiten an jeden Ort des Universums, in die Vergangenheit und in die Zukunft zu versetzen.

In der ersten Hälfte der Filmausgabe, also „Im Reich der tausend Planeten, verschlägt es Valerian und Laureline zum Mittelpunkt des Reiches der Tausend Planeten Syrtis Magnificus, wo eine bedeutende Zivilisation lebt, die nicht von der Erde beeinflusst worden ist. Die beiden Agenten des „Raum-Zeit-Service“ sollen dort herausfinden, ob Syrtis und seine Bewohner für die Erde gefährlich werden können. Bereits kurz nach ihrer Ankunft stoßen sie jedoch auf  die mysteriösen „Kundigen“ und werden verfolgt. Gemeinsam mit einigen Verbündeten stellen sich Valerian und Laureline den Unterdrückern entgegen.

In „Botschafter der Schatten“ reisen die Protagonisten zum Planeten Central City:

Dieser Name steht für tausend verschiedene Formen von tausend verschiedenen Welten. Eine künstliche Konstruktion mit unzähligen Raumschiffhäfen, ein Organismus, in dem sich die unglaubliche Vielfalt des Universums konzentriert…

Valerian und Laureline begleiten den Botschafter der Erde auf seiner Mission, denn die Erde führt zum ersten Mal den Vorsitz im Rat von Central City. Kurz nach ihrer Ankunft dort werden Valerian und der Botschafter jedoch entführt und Laureline begibt sich auf eine aufreibende Suche, bei der sie auf allerlei phantastische und schrullige Wesen trifft, wobei sie von einem kleinen schweineähnlichen Tierchen namens „Grunztier-Transmutator“ begleitet wird. 

Pierre Christin (Copyright: Rita Scaglia, DARGAUD, 2005)

Wer hinsichtlich dieser klassischen Comic-Serie noch jungfräulich ist, wird schnell feststellen, dass diese beiden Ausgaben schon einige Jährchen auf dem Buckel haben. Im Vergleich zu moderneren Serien sind die Abenteuer von Valerian und Laureline sehr textlas­tig und gerade zu Beginn sind die Zeichnungen von Jean-Claude Mézières, gemessen an aktuellen Maßstäben, recht schlicht; obwohl die Welten und wunderlichen Wesen durchaus von Liebe zum Detail zeugen.

Die Texte von Pierre Christin sind in „Im Reich der tausend Planeten teilweise auch recht hölzern. Anders dagegen die zweite Hälfte mit „Botschafter der Schatten“, in der Laurelines Abenteuer und ihre mysteriösen Begegnungen überhaupt nicht altbacken, sondern vielmehr zeitlos wirken und verdeutlichen, warum die Comic-Serie Stilelemente und Figuren im Science-Fiction-Genre geprägt hat.

Wer den klassischen Wurzeln des Blockbusters „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ auf den Grund gehen will, kann getrost einen Blick auf die „Valerian & Veronique: Filmausgabe“ werfen.

Buchtrailer

Inhalt

Luc Besson verfilmt „Valerian“! Diese Nachricht schlug hohe Wellen in der Filmbranche, war die Serie doch in vielerlei Hinsicht auch Vorbild für „Star Wars“. Im Juli 2017 ist es so weit und der Film kommt in die Kinos. Der Film wird „Die Stadt der tausend Planeten“ heißen und diese Ausgabe versammelt die beiden Abenteuer, die dem Film zugrunde liegen: „Das Reich der 1.000 Planeten“ und „Botschafter der Schatten“.

(Quelle: Carlsen)

Autor & Zeichner

Pierre Christin
geboren 1938 in Paris, Hochschullehrer, Schriftsteller und Journalist, gehört zu den profiliertesten und engagiertesten Comic-Autoren Europas. Nach dem Studium der Politik, Sozial- und Literaturwissenschaften ging er als Dozent für Französisch an die Universität von Salt Lake City. Dort besuchte ihn 1965 sein Jugendfreund Jean-Claude Mézières, der damals schon seit zehn Jahren als Zeichner arbeitete. Mézières überredete ihn, ein Comic-Szenario zu schreiben. So entstand die Kurzgeschichte „Le Rhum du Punch“, die 1966 in „Pilote“ veröffentlicht wurde. Nach dieser ersten Publikation entwickelte Christin unter dem Pseudonym Linus im Jahr darauf für Mézières die Serie „Valerian und Veronique“, die sich bereits nach wenigen Episoden zum bedeutendsten europäischen Science-Fiction-Comic entwickelte. Seit dem Erscheinungsjahr der ersten Folge hat Christin einen Lehrstuhl für Journalistik an der Universität zu Bordeaux inne. Neben „Valerian und Veronique“ wurde Christin vor allem durch die sozialkritische „Legende von heute“ berühmt, die er – abgesehen von der ersten, von Jaques Tardi 1972 gestalteten Episode – für Enki Bilal schrieb. Aus seinem erfolgreichen Gesamtwerk ragen außerdem mehrere in sich abgeschlossene Alben für Annie Goetzinger heraus. Weiterhin schrieb Christin mehrere Romane, Theaterstücke und Filmdrehbücher. Er schreibt nicht nur Szenarien für „Valerian und Veronique“, sondern auch für andere Zeichner, besonders bemerkenswert ist dabei sein Engagement für aufstrebende, junge Zeichentalente wie zuletzt „Robert Moses“ mit Olivier Balez. 2017 wird „Valerian“ von Luc Besson verfilmt.

Jean-Claude Mézières
wurde 1938 in Paris geboren. Seine Zeichnerkarriere begann 1953 mit einer Ausbildung an der dortigen École des Arts Appliqués. Nach der Realisation diverser Kurzgeschichten für verschiedene frankobelgische Comic-Magazine trat er 1965 eine anderthalbjährige Reise durch die USA an, in deren Verlauf er seinen alten Jugendfreund Pierre Christin wiedertraf. Christin wurde von Mézières für die Comics gewonnen und später zum wichtigsten Szenaristen seines Freundes. Die ersten gemeinsamen Kurzgeschichten der beiden erschienen auf Empfehlung von Jean Giraud 1966 in „Pilote“. In diesem Magazin veröffentlichte Mézières bis November 1967 kürzere Arbeiten nach eigenen Szenarien sowie von Fred, Reiser, Lob und Goscinny geschriebene Geschichten, bevor die erste Episode von „Valerian und Veronique“ erschien. Diese von Christin geschriebene Serie wurde aufgrund ihres großen Erfolgs zu Mézières hauptsächlichem Betätigungsfeld, und sie gilt heutzutage als wichtigster frankobelgischer Science Fiction-Comic. Neben bislang 22 Alben für die Reihe arbeitete er auch an Luc Bessons Film „Das fünfte Element“ mit, für den er u. a. architektonische Entwürfe produzierte. 2017 erscheint mit „Valerian“ die Verfilung des Science Fiction-Epos von Luc Besson.

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 04.07.2017
Seitenzahl: 96
ISBN: 978-3-551-73430-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?