Review

Mittlerweile geht die Avengers Unity Squad mit „Uncanny Avengers 5“ schon in die fünfte Runde und umfasst auf 140 Seiten die US-Ausgaben „Uncanny Avengers 18-23“.

Dabei stand die Truppe von Steve Rogers zuletzt alles andere als unter einem guten Stern. Nicht nur, dass die Unity Squad eine neuerliche Ultron-Erfahrung hinter sich hat (Uncanny Avengers 3″) und dann nach Japan reisen musste, um sich dem untoten Hulk (Bruce Banner) und den Ninjas der Hand entgegenzustellen („Uncanny Avengers 4“); zuletzt wurde die Einsatzgruppe von – einem deutlich veränderten – Steve Rogers („Captain America – Steve Rogers 2: Der Krieg der Helden“) aufgelöst.

Das hält das übrige Team indes nicht davon ab, auch weiterhin gemeinsam Bedrohungen in den Weg zu treten. In dem vorliegenden Sammelband ist es der Red Skull, der die Avengers auf Trab oder – wie es das Cover treffend zeigt – vielmehr in der Hand hält. Der Bösewicht ist nämlich immer noch dadurch übermächtig, dass er vor einiger Zeit das Gehirn des telepathischen X-Men-Gründers Charles Xavier stahl und mit seinem eigenen fusionierte. Ausgestattet mit gottgleichen telepathischen Fähigkeiten terrorisiert der Skull die Überreste der Unity Squad. Insbesondere Rogue will aber nicht länger mit ansehen, wie der Hydra-Führer Charles‘ Geist entweiht.

Doch noch während sie mit Deadpool und Cable beisammensitzt, hat der Schurke schon Pietro Maximoff alias Quicksilver unter seine mentale Kontrolle gebracht, der nach und nach das Team mit seiner übermenschlichen Geschwindigkeit zerlegt. Die Hoffnungen der Squad ruhen derweil vor allem, aber auch ausgerechnet auf Wade Wilsons Schultern, dem hier sein Matschhirn (ausnahmsweise) äußerst nützlich ist: 

Aber mein Hirn ist so chaotisch, dass ich gegen Telepathie immun bin. Ich bin geschaffen für so was.

Gemeinsam mit Spider-Man – der aber ausdrücklich nicht mehr zu den Uncanny Avengers zurückkehren möchte – und Dr. Stranges Gehilfen Wong zieht Deadpool in den Kampf. Den eigentlichen Showdown zwischen der Unity Squad und dem Red Skull müsst ihr aber selbst nachlesen!

Nach einer verheißungsvollen Prämisse mit einem Avengers-Team bestehend aus Menschen, Mutanten und Inhumans sowie einem gelungenen Auftakt mit interessanten Charakteren, folgten zwischenzeitlich qualitative Aufs und Abs; doch zuletzt ist die Formkurve der Unity Squad stark angestiegen, findet hier ihren (vorläufigen) Höhepunkt und macht die „Uncanny Avengers“-Reihe zu einem Titel, den man mit dem größten Vergnügen verfolgt.

Obwohl in dieser Ausgabe wirklich viel passiert, gelingt es Autor Gerry Duggan spielerisch, dass sich die Story nie übereilt oder gehetzt anfühlt. Deadpool und Rogue sind vorliegend zwar eindeutig die Hauptakteure, aber auch die anderen Charaktere bekommen ausreichend Platz und fühlen sich nie entbehrlich an. Der Red Skull mit seinen geraubten telepathischen Fähigkeiten gibt ebenfalls einen toll inszenierten Antagonisten ab. Ferner zeichnet sich Duggans Story durch eine eindrucksvolle Mischung aus Humor, Horror, Superhelden-Action sowie einer Prise Romantik aus, wenn sich Rogue überraschenderweise unserem plötzlich kleinlauten Söldner mit der – üblicherweise – großen Klappe amourös annähert. Man darf gespannt sein, wo das hinführen soll.

Kleine Abzüge gibt es womöglich für den allgemeinen Trend, Deadpool weniger als trotteligen Antihelden denn vielmehr als tatsächlichen Helden zu inszenieren – auch wenn man ihm seine großen Momente hier durchaus gönnt.

Die Zeichnungen stammen – wie bereits zuvor – von dem großartigen Pepe Larraz, aber auch von Kevin Libranda. Dabei unterscheidet sich das Artwork von Libranda nicht allzu sehr von dem von Larraz, sodass die Leser hier keinen Bruch befürchten müssen. Vielmehr ist die Ausgabe künstlerisch durchgehend auf dem höchstmöglichen Niveau.
Besonders erwähnenswert sind die Actionsequenzen, in denen Quicksilver mithilfe seines Tempos seine Mitstreiter einen nach dem anderen überwältigt; oder auch die mentalen Manipulationen durch den Red Skull, die als individuelle Albträume der einzelnen Helden wunderbar inszeniert sind. Man lehnt sich ganz sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man hier konstatiert: Das Artwork in „Uncanny Avengers“ gehört zu den eindrucksvollsten künstlerischen Leistungen, die es aktuell bei Marvel-Titeln zu bestaunen gibt.

Nach allem zuvor Gesagten dürften die Leser der Reihe es mit mehr als einem Tränchen im Auge zur Kenntnis nehmen, dass das künstlerische Team, vor allem aus Gerry Duggan und Pepe Larraz, hier einen Schlussstrich unter dem Kapitel „Uncanny Avengers“ zieht. Große Fußstapfen, die unter anderem von Autor Jim Zub (Winter Soldier-Kapitel im „Civil War II Megaband“) ausgefüllt werden wollen.

Inhalt

Deadpool, Rogue, Cable und ihre Mitstreiter wollen Red Skull endlich das Gehirn von Charles Xavier entreißen. Doch Skull ist den Helden einen Schritt voraus. Der Verräter, der unter Skulls Kontrolle steht, erledigt die Avengers, bis nur noch Deadpool übrig ist, der sich hilfesuchend an Spider-Man wendet …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Gerry Duggan
ist ein amerikanischer Comicautor, Regisseur und Fotograf. Er lebt in Los Angeles. 

(Quelle: Wikipedia)

Gerry Duggan – Homepage
Gerry Duggan – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 07.11.2017
Originalausgaben: Uncanny Avengers 18-23
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?