Review

„Dies ist ein Märchen aus Blut und Kugeln.

Es ist die Geschichte von zwei Frauen und drei Männern,

die nicht sterben können. Meistens.

Ihre Namen sind

Andy, Nicky, Joe, Booker und Nile.

Es ist eine Geschichte über die Zeit, das Alter, die Epochen

und über Freundschaft, Liebe und Bedauern.“

Nachdem wir uns gerade erst über den fantastischen Band „Kill or be Killed. Band 1: Buch 1“ von Star-Autor Ed Brubaker freuen durften, beglückt uns der Splitter Verlag auch schon mit dem nächsten „Image“-Juwel. Diesmal widmen wir uns nämlich „The Old Guard. Band 1: Erstes Gefecht“ des nicht minder prominenten Autors Greg Rucka („Wonder Woman – Zwischen Lüge und Wahrheit“, „Wonder Woman ‑ Das erste Jahr“, „Wonder Woman – Die Lügen“, „Black Magick: Das Erwachen (Band 1)“).
Unterstützt wird Rucka hier von Zeichner Leandro Fernández („Punisher Max“), während die Farben von Daniela Miwa stammen.

Der erste „The Old Guard“-Band umfasst die ersten fünf Kapitel der Reihe auf knapp 170 Seiten. Hauptakteure der Geschichte sind die Söldnerin Andy und ihr Team aus eiskalten und routinierten Kriegern. Diese Kämpfer sind Unsterbliche unter den Menschen, die ihre Existenz jahrhundertelang verbergen konnten. Die Mitglieder dieses Clubs der Unsterblichen träumen zunächst Jahre voneinander, ehe sie einander dann irgendwann finden.

Zu Beginn der Story besteht das Team aus Andy und drei Männern namens Nicky, Joe und Booker. Andy hat bislang in der Weltgeschichte allerdings noch nie einen Krieger getroffen, der älter war als sie. Da sie mit ihren taufrischen etwa 6.732 Jahren – könnte etwas mehr sein, sicher nicht weniger, sagt sie – die Älteste und somit erfahrenste im Rudel ist, ist sie auch die Anführerin dieser immortalen Söldner. Doch weil sich über eine derart lange Zeit bei der – optisch jung gebliebenen – Andy Weltverdrossenheit und Überforderung eingeschlichen haben, ist auch sie in besonderem Maße auf die anderen „Old Guards“ angewiesen. So gelingt es beispielsweise Booker, der zwar auch schon einige Jährchen auf dem Buckel und etwa schon in Napoleons Grande Armée gekämpft hat, noch deutlich besser, mit der Zeit zu gehen und die modernen Medien wie Computer, Telefone oder Transportmittel zu verstehen und bedienen. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass die hartgesottene Kämpferin des Lebens allmählich überdrüssig ist.

Eines Tages nimmt die Söldner-Bande einen Auftrag des ehemaligen Agenten Copley an, der ihnen viel Geld dafür bietet, dass sie entführte Mädchen befreien. Eine Falle, wie sich herausstellen soll. Ein skrupelloser Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht, hat es auf das Geheimnis ihrer Unsterblichkeit abgesehen und keine Angst davor, extreme Maßnahmen zu ergreifen, um sein Ziel zu erreichen. Unterdessen trifft Andy mit Nile auf eine neue Mitstreiterin für die „Old Guards“.

Mit „The Old Guard. Band 1: Erstes Gefecht“ erweist sich Greg Rucka abermals als ein Meister seines Fachs und entwirft mit Andy erneut eine toughe und abgeklärte Heldin für seine neue Serie. Der Charakter der Söldnerin ist düster und verdrossen angelegt und kann mit seiner Tiefe durchaus die Leser abholen. Mit der Thematik der Unsterblichen, die Erfahrungen aus allen Kriegen der Weltgeschichte mitbringen, eröffnen sich für Rucka glänzende Möglichkeiten, um seine Geschichte mit mannigfaltigen Rückblenden anzureichern, was das Ganze äußerst abwechslungsreich und unterhaltsam gestaltet.
Kleiner Minuspunkt ist womöglich die eigentliche Story, die für einen derart üppigen Band recht dünn ist und bei der das Augenmerk eher auf der Action liegt. Indes handelt es sich stets um gut gemachte Action, mitunter herrlich übertrieben inszeniert – also, wen störts?

Die Charakterzeichnung ist auch bei den Nebenfiguren äußerst gelungen und kratzt nicht nur an der Oberfläche; selbst wenn der Fokus natürlich deutlich auf unserer Protagonistin liegt.

Leseprobe aus „The Old Guard. Band 1: Erstes Gefecht“ (Copyright: Splitter-Verlag)

Ein weiteres absolutes Highlight ist das Artwork der Ausgabe.
Die abstrakten und teilweise groben Zeichnungen von Leandro Fernández erinnern sowohl an den düsteren Zeichenstil eines Frank Miller, aber auch Ähnlichkeiten mit Mignolas eigenwilligem, unverwechselbarem und reduziertem Zeichenstil kann man ausmachen.
Mit der Koloristin Daniela Miwa leistet auch die dritte im Bunde hervorragende Arbeit. Neben vielen sehr dunklen Seiten finden vor allem auch kräftige Pastelltöne immer wieder Platz, was das Artwork im Gesamtbild ähnlich abwechslungsreich wie die Story werden lässt.

Lobend muss man hier einfach auch mal wieder die Qualität des Hardcovers aus dem Hause Splitter erwähnen, die man inzwischen bisweilen wie selbstverständlich hinnimmt. Die üppige Ausgabe sieht wunderbar und absolut hochwertig aus, am Ende enthält sie noch eine umfangreiche Covergalerie und auch das Preis-LeistungsVerhältnis geht mehr als in Ordnung. 

„The Old Guard. Band 1: Erstes Gefecht“ – ein actiongeladenes Comic-Buch, das man sich an den geruhsamen Weihnachtstagen nicht entgehen lassen sollte!

Inhalt

„Highlander“ meets „The Expendables“: Die Söldnerin Andy und ihr dreiköpfiges Team aus hartgesottenen Kämpfern nimmt nur die gefährlichsten Aufträge an, Missionen, an denen jeder andere scheitern würde. Denn der Trupp hat den entscheidenden Vorteil jahrhundertelanger Erfahrung aus allen Kriegen der Weltgeschichte – die „Old Guards“ sind unsterblich. Dieser Umstand ist im Zeitalter der Handykamera jedoch zusehends schwieriger geheim zu halten und Andy ist ihre Unsterblichkeit langsam, aber sicher leid.

(Quelle: Splitter-Verlag)

Autor

Greg Rucka
(*29. November 1969) ist ein US-amerikanischer Autor von Kriminalromanen und Comics. 

(Quelle: Wikipedia)

Greg Rucka – Homepage
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Greg Rucka – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 16.11.2017
Seitenzahl: 184
Band: 1 von X
ISBN: 978-3-96219-038-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?