Review

Wie in unserem Artikel zur „Avengers Anthologie: Die ruhmreichen Rächer“ bereits angekündigt, wollen wir uns zur weiteren Einstimmung auf den nächsten Superhelden-Blockbuster im Marvel-Kino-Universum „Avengers: Infinity War“ auch dem dortigen Gegenspieler, dem wahnsinnigen Titan Thanos (im Film gespielt von Josh Brolin), widmen. Dafür bietet sich der frisch erschienene „Thanos Megaband 1: Tödlicher Titan“, inszeniert von Autor Jeff Lemire (Inhumans vs. X-Men 1″, „Descender (Band 1) – Sterne aus Blech“) und den Zeichnern Mike Deodato Jr. („Iron Man 2: Kampfmaschinen“) und Germán Peralta („Hulk“) an.

Doch erst einmal ein paar Worte im Allgemeinen zum machthungrigen Giganten, der einst seine eigene Mutter tötete, den Planeten Titan mit all seinen Bewohnern auslöschte und ganze Welten versklavte:
Eine der Sternstunden des mächtigen Thanos war einer der großen Klassiker des Marvel-Kosmos: „The Infinity Gauntlet: Die ewige Fehde“. Diese Miniserie von Thanos-Autor Jim Starlin sowie den Zeichnern George Pérez und Ron Lim fokussiert sich ganz besonders auf den galaktischen Schlächter, den Starlin im Jahre 1973 höchstpersönlich geschaffen hat. Kurz vor diesem kosmischen Klassiker-Event aus den frühen 90ern hat der Titan alle sechs mächtigen Infinity-Steine in seinen Besitz gebracht, die ihn zum mächtigsten Wesen im gesamten Universum machen und ihm Kontrolle über alle Aspekte des Universums geben: Zeit, Raum, Gedanken, Seele, Realität und Macht. Dabei handelt der Titan stets mit dem Willen, seiner Herrin Mistress Death, der Verkörperung des Todes, zu gefallen.

Wer es lieber etwas moderner, weniger klassisch mag, dem sei noch das Marvel-NOW!-Crossover „Infinity“ von Jonathan Hickman oder – noch besser – „Thanos Rising“ von Autor Jason Aaron und hervorragend bebildert von Simone Bianchi ans Herz gelegt. Aaron beleuchtet dort nicht nur den Werdegang Thanos‘ als Monster, sondern auch dessen ersten Abstieg in die Finsternis und seine Begegnung mit Lady Death.

Im vorliegenden prallen Megaband, der die gesamte Saga von Lemire enthält, fordert der verrückte Titan seinen Thron auf dem Schwarzen Quadranten zurück. Dort hat sich in dessen Abwesenheit sein einstiger loyaler Handlanger und rechte Hand Corvus Glaive von der gefürchteten Black Order breit gemacht. Das findet der Weltenzerstörer gar nicht lustig.

Dann wartet die Ausgabe jedoch schon mit einem Paukenschlag auf: Thanos liegt im Sterben. Der Körper des Lebenstöters frisst sich auf molekularer Ebene selbst auf – eine Art „Götterkrebs“. Im Angesicht seiner eigenen Sterblichkeit sucht der wahnsinnige Titan verzweifelt nach einer Heilung.

Unterdessen plant sein hasserfüllter Sprössling Thane, der mittlerweile auch schon Bekanntschaft mit dem Charme von Mistress Death gemacht hat, gemeinsam mit der Weltraumpiratin Nebula, angeblich die Enkelin von Thanos, dem Charmeur und Bruder des wahnsinnigen Titans Starfox alias Eros und dem selbst ernannten Champion des Universums Tryco Slatterus, seinen nunmehr angeschlagenen Vater endgültig ins Jenseits zu befördern.

Doch was wäre eine solche Saga voller Antihelden, wenn dies die einzige Intrige wäre, die den Leser erwartet. Mehr soll dazu allerdings nicht verraten werden.

Leseprobe aus dem „Thanos Megaband 1: Tödlicher Titan“ (Copyright: Panini Comics)

Selten oder eher nie hat man den großen Thanos derart verwundbar und abgehalftert gesehen. Da bekommt man glatt Mitleid mit dem Monster. Aber Thanos wäre ja nicht Thanos, würde er sich nicht mit aller Kraft und Kreativität gegen sein Ableben stemmen. Eine Odyssee, die man unglaublich gerne verfolgt. Hier geht es stets unerwartet hin und her, die Kräfteverhältnisse verschieben sich und jeder ist sich selbst der Nächste. Und in Bezug auf Sohnemann Thane lässt sich auch schon sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wahrlich ein hinterlistiger und egozentrischer Zeitgenosse. Wer einen rabiaten Vater-Sohn-Konflikt ohne Erbarmen und Rücksicht auf Verluste mag, der kommt hier voll auf seine Kosten. Die Nebenfiguren und ihre Eigenarten werden auch voll getroffen und bereichern die Story. Eros kann sogar für den einen oder anderen Schmunzler sorgen.

Bebildert wird das Ganze hervorragend und kosmisch-atmosphärisch-stimmungsvoll von Deodato Jr. und Peralta.

Abgesehen davon, dass der Showdown zwischen Thanos und Thane ein allzu jähes Ende findet, bietet der „Thanos Megaband 1: Tödlicher Titan“ blendende Unterhaltung und verdient eine absolute Leseempfehlung.

Trailer

Inhalt

Nach seinen Schlachten mit den Avengers kehrt der wahnsinnige Titan und kosmische Zerstörer Thanos ins All zurück. Doch ein anderer hat auf seinem Thron Platz genommen! Außerdem versammelt Thanos‘ Sohn Thane eine Gruppe, die den Titanen vernichten soll.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Jeff Lemire,
geboren am 21. März 1976, ist ein kanadischer Comicautor und Autor von der Essex County Trilogy, Sweet Tooth, The Nobody und The Underwater Welder. Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage
Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 03.04.2018
Originalausgaben: Thanos 1-12
Seitenzahl: 268
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Das ist Sussudio. Ein ganz toller Song! Ein Lieblingssong von mir!" (Patrick Bateman, American Psycho)