Review

Bei Cross Cult ist unter dem Label Manga Cult die nächste luxuriöse Gesamtausgabe („Basilisk Master Edition 1“, „Basilisk Master Edition 2“, „BLAME! – Master Edition 1“) erschienen, und zwar die „Tekkon Kinkreet Master Edition“. Die ziegelsteinartige 600-Seiten-Anthologie, die wieder als hochwertiges Hardcover samt edlem Lesezeichenband daherkommt, umfasst die gesamte preisgekrönte Manga-Serie „Tekkon Kinkreet“ zum ersten Mal in deutscher Sprache. Ihren Schöpfer, den Mangaka Taiyō Matsumoto, machte die Serie bekannt, die im Jahr 2006 auch bereits als Anime-Film umgesetzt wurde.

Protagonisten des Mangas sind zwei kauzige und sonderbare Waisenkinder, die beiden Jungen Kuro und Shiro, die auch „die Katzen“ genannt werden. Die beiden leben in einer Stadt der Gewalt, Takara Town. Sie selbst sind aber auch keine Kinder von Traurigkeit und wissen, wie man sich gehörig und erbarmungslos zur Wehr setzt.

Taiyō Matsumoto wirft den Leser gleich – ohne allzu große Vorwarnungen – in seine Geschichte. Dieser bemerkt zügig, dass Logik und Naturgesetze hier keine große Rolle spielen. So sind die beiden „Katzen“ nicht nur übernatürlich stark und annähernd unverwundbar, sondern können augenscheinlich auch fliegen – oder jedenfalls sehr weit und hoch springen.

Trotz ihrer vergleichbaren physischen Fähigkeiten und Kräfte fällt jedoch auch schnell auf, dass beide vom Wesen kaum unterschiedlicher sein könnten. Kuro ist recht scharfsinnig, hartgesotten und zuweilen nihilistisch, während Shiro geistig nicht voll auf der Höhe ist und einen konfusen Eindruck macht. Andererseits lässt der naive und eingeschränkte Shiro teilweise auch wieder recht philosophisch klingenden Kram verlauten, wenn er nicht gerade bloß aus Spaß Geräusche macht. Dessen ungeachtet kümmert sich Kuro um seinen Gefährten, während Shiro ihn davor bewahrt, zu verrohen und seine Menschlichkeit gänzlich abzulegen. Zwischen den beiden gewalttätigen Rotznasen herrscht eine Art symbiotische Beziehung.

Eines Tages kommen neue windige Gangster nach Takara Town, die ihre geliebte Heimat in einen luxuriösen Entertainment-Park verwandeln wollen. Die Menschen und die Gebäude, die früher da waren, verschwinden allmählich und die Katzen stellen sich den skrupellosen Geschäftsmännern entgegen. Dabei verfügen die Kinder scheinbar über eben das Maß an ungewöhnlicher Brutalität, das es braucht, um in dieser Stadt zu überleben.

Ich gebe es gleich zu Beginn zu: Mir ist dieser Manga zu hoch, womöglich zu verkopft – oder zuweilen gar sinnfrei. Vom Beginn bis zur letzten Seite habe ich keinen richtigen Zugang zu Taiyō Matsumotos preisgekrönter Serie gefunden. Hier stecken sicherlich allerhand tiefsinnige Gedanken drin, allein ist das zu surreal, abgefahren und auch abgehoben. Womöglich fehlt auch der für das Verständnis erforderliche kulturelle Hintergrund.

Taiyō Matsumoto (Copyright: Niccolò Caranti / Wikipedia)

Themen und Motive, die hier auszumachen sind, sind sicherlich Gewalt, umwälzende Veränderungen und Loyalität, wobei der Künstler auch ein brutales Gesellschaftsporträt zeichnet. Hier ist gleich mehrfach der Konflikt Alt gegen Neu beziehungsweise Alt gegen Jung auszumachen, sowohl innerhalb der Stadt, als auch bei den Duellen zwischen den Jungs und den Verbrechern. Man kann hier wohl auch den Konflikt zwischen Konsum, Glo­ba­li­tät und Expansion gegen Tradition und Lokalität hineininterpretieren. In der Beziehung der beiden Helden findet sich meines Erachtens das Prinzip von Yin und Yang.

Das mag hier auch alles recht ambitioniert sein, aber das große Ganze beziehungsweise das Gesamtkonzept will sich nicht erschließen lassen.

Geschmackssache ist auch der Zeichenstil, der eine Mixtur aus verschiedenen Einflüssen darstellt, teilweise krakelig ist, mitunter aber ungemein detailliert daherkommt. Fraglos ein charakteristischer und eigenständiger Stil, obschon nicht immer ästhetisch.

Wer den Anime schon kennt oder gar liebt, für den ist diese opulente Gesamtausgabe sicher unumgänglich, da sie sich vortrefflich im Regal macht. Neugierige seien aber vor einem mitunter anstrengenden, uneindeutigen Werk gewarnt, das recht zäh und nicht eben stringent erzählt ist.

Inhalt

Der preisgekrönte SciFi-Klassiker von Taiyō Matsumoto zum ersten Mal in deutscher Sprache und einer luxuriösen Gesamtausgabe!

Treasure Town, eine Stadt voller Korruption, Einsamkeit und Kriminalität. Neurotische Polizisten treffen auf Waisenkinder, die stehlen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um in den Slums der Stadt zu überleben. Dennoch stellen sich die beiden Brüder Black und White inmitten dieses ganzen Chaos einer Bande von windigen Gangstern … ähm … Geschäftsmännern entgegen, die ihre geliebte Heimat in einen luxuriösen Entertainment-Park verwandelt wollen.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Taiyō Matsumoto
wurde bekannt mit der Manga-Serie Tekkon Kinkreet, die von 1993 bis 1994 in etwa 600 Seiten in Big Comic Spirits lief und anschließend in drei Sammelbänden erschien; die Sammelbände verkauften sich in Japan über eine Million mal. In Tekkon Kinkreet zeichnet Matsumoto das Bild zweier Jungen, die sich mit Gewalt Macht in einer Stadt der nahen Zukunft erkämpfen. Der Manga wurde als Theaterstück und 2006 als preisgekrönter Anime-Film umgesetzt.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 11.04.2018
Seitenzahl: 580
ISBN: 978-3-959817-34-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Manga Cult (Cross Cult)

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?