Review

Nach seiner „Dünen“-Krimireihe, mit der sich Sven Koch bereits einen Namen auf dem Buchmarkt machen konnte, versucht sich der Autor mit „Kalte Sonne“ nun an einem Thriller.

Leider ist dieses Vorhaben u.a. bereits durch den ausführlichen Klappentext zum Scheitern verurteilt. Dort werden zu viele Informationen über den Inhalt des Buches preisgegeben, sodass sich die Spannung schon von Anfang an nicht richtig einstellen möchte, da vorhersehbar ist, was passieren und auf den 352 Seiten auf den Leser zukommen wird. Der Klappentext hätte somit dringend vager formuliert werden sollen, um den Überraschungseffekt beim Lesen zu gewährleisten; zusätzlich geben die ersten Kapitel bereits sehr viel Aufschluss über Zusammenhänge und einen möglichen Verlauf respektive Ausgang der Handlung. Einzig eine scheinbare Nebenhandlung bzw. -rolle sorgt noch für ein vorläufiges Fragezeichen und animiert zum Weiterblättern.

Während man dies tut, lernt man die Protagonistin des Buches näher kennen, die trotz der langen Einführung allerdings wenig sympathisch wirkt. Insbesondere die vielzähligen, ihr zugeschriebenen inneren Monologe und der daraus resultierende Blick auf das Innenleben der Figur sind für den Aufbau von Sympathien nicht förderlich, sondern lassen die Figur schnell nervig wirken; diesbezüglich hätte der Leser selbst gerne mehr Raum gehabt, um sich eigene Gedanken zu machen. Indem der Autor derart viele Details vorgibt, geht außerdem ein mögliches Identifikationspotenzial verloren.

Zu viel des Guten serviert Koch zudem in oft unnötig ausschweifenden Erklärungen am Rande (wie z.B. die auf Seite 88 zu findende sachliche und umfassende Erläuterung, was Treibsand ist; lexikonartig geschrieben zieht jene die Leser aus der Handlung).

Durch seine ausufernde, detailreiche Art zu schreiben, kommt es darüber hinaus zu vielen Wiederholungen. So lässt er beispielsweise die auf S. 88 eingestreute und erwähnte Begriffserklärung à la Wikipedia über den Treibsand durch die Figur in diesem Kapitel im inneren Monolog erneut zusammenfassen.
Ein anderes Beispiel ist auf den Seiten 140/141 in einem der bis dato eigentlich noch ganz erbaulichen und knapp gehaltenen Dialoge anzutreffen. Die hier kurz aufeinanderfolgenden Fragen „Sind Bilder von ihm gemacht worden?“ und „Sind Bilder gemacht worden?“ sind nur ein Beispiel dafür, dass Koch seine Figuren sinngemäß dasselbe sagen lässt – und dabei häufig nur geringfügig (oder sogar gar nicht; siehe S. 198 und 278 das Wort „Krimskrams“) den Wortlaut abändert.

Sven Koch (Copyright: Vera Gerstendorf-Welle)

Selbst wenn man ihm derlei Wiederholungen als stilistisches Mittel durchgehen lassen möchte, hätte dies eleganter (wie etwa durch alternative Formulierungen) gelöst werden können.

Innerhalb der inneren Monologe treten zudem nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen der Figuren und Spekulationen der Protagonistin auf, die so gehäuft stattfinden, dass auch hier Wiederholungen entstehen. Davon abgesehen wirken auch die Dialoge zunehmend unkreativ. So bemerkt ein Charakter auf nur einer Seite (S. 178) sowohl „Was für ein schönes Bild“ als auch „Ein schönes Bild“, während auf Seite 190 und 191 zwei Personen auffällt „Man erkennt es am Hintergrund“.

Einfallsreichtum und Eloquenz sehen eindeutig anders aus. Von der Idee her gut, wird es „Kalte Sonne“ aufgrund der genannten Kritikpunkte ungemein schwer haben, sich in der Masse an guten Thriller-Veröffentlichungen durchzusetzen oder überhaupt nennenswert aufzufallen.

Inhalt

Unheimliche Vogelschwärme und eine Frau, die die falschen Fragen stellt

Sort Sol, die schwarze Sonne, verwandelt den stürmischen Herbst auf Jütland in eine unheimliche Kulisse. Während gigantische Vogelschwärme den Himmel über Dänemark verdunkeln und Bilder von Überschwemmungen die Nachrichten dominieren, sieht Maja im Fernsehen etwas, das unmöglich ist: Der Mann, der im Hintergrund durchs Bild läuft, ist Erik, ihr verstorbener Ehemann! Nur wurde Eriks Leiche vor sechs Jahren aus dem Meer gezogen und mittels DNA-Abgleich eindeutig identifiziert. Maja beginnt, die gemeinsame Vergangenheit zu hinterfragen. Was sie findet, beschwört ein Unwetter herauf, ebenso dunkel und unheimlich wie die Zeit der schwarzen Sonne.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Sven Koch
geboren 1969, arbeitet als Redakteur bei einer Tageszeitung. Auch als Fotograf und Rockmusiker hat er sich einen Namen gemacht. Mit seiner erfolgreichen „Dünen“-Reihe rund um das Ermittlerteam von Femke Folkmer und Tjark Wolf hat sich Sven Koch fest im Buchhandel etabliert. „Kalte Sonne“ ist sein erster Thriller. Der Autor lebt mit seiner Familie in Detmold.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2018
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3-426-52154-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde