Review

„Multiverse“ ist schon ein fabelhaftes Wort. Bei Comics umschreibt es die Möglichkeit, mit ungefähr jedem Charakter allen denkbaren Schabernack zu treiben, ohne eingefleischte Fans zu verärgern. Und natürlich schafft man sich dadurch noch mehr Interaktionsmöglichkeiten. Genau diese nutzt das Spider-Crossover „Spider-Women – Mit Netz, Charme und Spinnenkraft“.

Die drei Hauptdarstellerinnen sind den Spider-Fans sicherlich bekannt: Da wäre einmal die klassische Spider-Woman, Jessica Drew. Sie wurde erst vor Kurzem Mutter (diese Story haben wir hier vorgestellt) und sehnt sich nach Action ohne Kind. Diese wollen ihr Cindy Moon, alias Silk, und Gwen Stacy alias Spider-Woman von Erde-65, bieten. Wie Gwen schon früher bewiesen hat, besitzt sie die technischen Möglichkeiten, um zwischen den Welten umherzureisen.

Aus einer kleinen, unscheinbaren Verabredung zum Frühstück zwischen den drei unterschiedlichen Frauen wird so auch mal schnell ein Ausflug in eine andere Dimension: Auch wenn Jessica eigentlich nur für kurze Zeit einen Babysitter hat, lässt sie sich auf eine Mahlzeit auf Erde-65 ein. Allerdings kommt es, wie es kommen muss: Ein Roboterangriff unterbricht die Idylle. Nachdem das Teil zerlegt ist, muss Gwen allerdings feststellen, dass sie bestohlen wurde. Das Dimensions-Reisegerät ist verschwunden und nun sind zwei der drei Spider-Women in einer fremden Welt gestrandet.

Eigensinnig wie die drei Grazien sind, gehen sie etwas unstrukturiert an die Lösung des Problems – oder beschäftigen sich auch gerne mit anderen Dingen. Da wäre beispielsweise Cindys Suche nach ihren „Eltern“. Oder zumindest dem Äquivalent in dieser Welt, denn ganz so ähnlich liegen die Fälle halt auch in Paralleluniversen nicht.

Und so versuchen die drei Spinnenfrauen dem Diebstahl auf den Grund zu gehen und wieder nach Hause zu finden. Wo auch immer das sein mag. Und das „wo auch immer“ ist sicherlich der Knackpunkt an diesem dicken Heft, denn sobald mehrere Universen aufeinandertreffen, besteht immer die Gefahr, dass der Leser am Ende nur noch verwirrt ist. Zumal, wenn – wie hier – das Crossover aus verschiedenen Heftserien zusammengestellt wurde. „Spider-Women“ löst hier allerdings keine Bedenken aus. Die Hefte sind so gut aufeinander abgestimmt, dass sich unterm Strich ein richtig runder Storybogen ergibt.

Besonders nettes Feature: Der Wechsel der Erzählperspektive, der den verschiedenen Heftreihen geschuldet ist, fügt sich harmonisch in die Story ein. Sogar die verschiedenen Multiverse-Varianten der Charaktere kann man gut auseinanderhalten, auch wenn man sie vorher nicht kannte. Gerade Jessica und ihr Double sind übrigens ein tolles Team ­– obwohl sie eigentlich Gegner sind.

Während die Story (von immerhin drei Autoren!) also gelungen und in sich abgeschlossen ist, vermag die Optik nicht immer zu 100% zu überzeugen. Obwohl die Anzahl verschiedener Zeichner (hier hatten insgesamt fünf die Feder in der Hand) noch kein Pro- oder Kontraindikator ist, schwankt hier die Qualität doch ziemlich. Dabei vermögen die sehr unterschiedlichen Stile noch zu begeistern, aber zum Teil wirken die Zeichnungen einfach sehr verwaschen. Unschärfe, vor allem in den Konturen, ist zum Teil so massiv, dass man an einen Druckfehler denken könnte. Allerdings sind die Sprechblasen immer tadellos lesbar.

Trotz der optischen Schwäche kann man als Leser der Story dennoch gut folgen. Wer also kleine Abstriche im Zeichnerischen verkraften kann, Spider-Fan ist oder vielleicht einfach mal ein kleines Crossover ausprobieren will, sollte „Spider-Women – Mit Netz, Charme und Spinnenkraft“ auf den Lesestapel legen.

Handlung

Spider-Woman Jessica Drew, Silk Cindy Moon und die junge Spider-Woman Gwen Stacy sind es gewohnt, durch Welten und Realitäten zu springen, in denen alles anders ist. Diesmal kommen die Heldinnen jedoch einem Geheimnis auf die Schliche, das so gefährlich ist, dass es Jessicas Baby zur Waise machen könnte.

Das komplette neue Crossover in einem Band – für alle Fans von SPIDER-VERSE, SPIDER-GWEN & SPIDER-WOMAN

(Quelle: Panini Comics)

Autoren

Dennis Hopeless
ist ein amerikanischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

Dennis Hopeless – Twitter

Robbie Thompson
ist ein amerikanischer Comic- und Serienautor.

Robbie Thompson – Twitter

Jason Latour
ist ein amerikanischer Comic-Autor und -Zeichner, bekannt für seine Werke bei Image, Dark Horse, Marvel und DC Comics wie beispielsweise Scalped, Wolverine, B.P.R.D., Winter Soldier, Django Unchained.

(Quelle: Wikipedia)

Jason Latour – Homepage
Jason Latour – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 07.02.2017
Seitenzahl: 212
Storys: Spider-Woman Alpha, Silk 7-8, Spider-Gwen 7-8, Spider-Woman 6-7, Spider-Woman Omega
ISBN: 978-1302900939
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer