Review

Kaum ein Comic-Autor wusste uns in jüngerer Vergangenheit so kontinuierlich und virtuos zu unterhalten wie Rick Remender. Insbesondere dessen atemberaubende Science-Fiction-Reihen „Low“ (Low – Stadt ohne Hoffnung (Band 1)“, „Low – Bevor uns die Morgendämmerung verbrennt (Band 2)“, „Low – Ufer des sterbenden Lichts (Band 3)“) sowie „Black Science“ (Black Science Buch 2: Willkommen, nirgendwo“, „Black Science Buch 3: Fluchtmuster“, „Black Science Buch 4: Gotteswelt“) haben uns bisher restlos abgeholt, da sie Lesegenuss und Augenschmaus zugleich sind. Daneben ist auch noch dessen Endzeit-Story „Devolution“ durchaus lesenswert gelungen.

Während die oben genannten Titel allesamt beim Splitter Verlag erschienen sind, wird uns das vorliegende Rick-Remender-Image-Comics-Juwel „Seven to Eternity 1: Der Gott des Flüsterns“ von Cross Cult präsentiert. Hier arbeitet der Könner Remender mit zwei alten Bekannten zusammen, denn mit Zeichner Jerome Opeña hat er bereits für Marvel an „Uncanny X-Force“ gearbeitet und mit Kolorist Matt Hollingsworth etwa an „Tokyo Ghost“.

Für einen Mann ist es am schwersten, ehrenhaft zu bleiben, wenn ihn alle Welt als Feigling sieht.

Wir befinden uns im Königreich Zhal. Hier herrscht der hinterlistige und durchtriebene Gott des Flüsterns Garlis Sulm. Dieser bietet jedem Einzelnen im Reich die Erfüllung deren größter Wünsche an – klingt so weit ganz gut. Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass diejenigen, die sein Angebot annehmen, ihn nie wieder los werden. Denn er kann alles sehen, was sie sehen, und hören, was sie hören. Infolgedessen sind die Spione des Gottes des Flüsterns bald überall, in jedem Palast, jedem Tempel und quasi neben jedem Einzelnen. Das Oberhaupt des Clans Osidis ist jedoch nicht bereit, sich auf ein Angebot von Garlis Sulm einzulassen. Dies stempelt seine Familie zu Außenseitern und Einzelkämpfern ab. Der Gott des Flüsterns nutzt über die Jahre seine Fähigkeit, um ganze Städte zu plündern und die Bevölkerung gegeneinander aufzuhetzen, wobei am Ende des Tages die Osidis als die Sündenböcke dastehen.

Viele Jahre später macht sich unser Protagonist Adam Osidis auf den Weg zum Herrscher Zhals. Dabei steht er vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er sich einer Gruppe von Magiern und Kämpfern anschließen, um den bösen Gott des Flüsterns endgültig zu stürzen oder soll er sich als erster seiner in Ungnade gefallenen Familie ein Angebot des Feindes anhören und seine Prinzipien aufgeben …

Leseprobe aus „Seven to Eternity 1“ (Copyright: Cross Cult)

Rick Remender entführt uns abermals in eine aufwendig kreierte und liebevoll gestaltete Fantasy-Welt, die sich absolut organisch und komplex anfühlt. Hier gibt es mannigfaltige fantastische Wesen und eine Welt mit ihren eigenen Werten und Gesetzmäßigkeiten, die absolut fesselnd ist. Dabei soll hier nicht verschwiegen werden, dass Remender seinen nichts ahnenden Leser ohne Rücksicht auf Verluste in seine komplexe und anspruchsvolle Welt wirft – da mag sich der eine oder andere durchaus überrumpelt fühlen.

Was jedoch mehr als nur unerheblich hilft, diese atemberaubende Welt weiter erkunden zu wollen, sind die künstlerischen Leistungen von Jerome Opeña und Matt Hollingsworth. Wie Remender erweisen sich auch diese beiden Herren als Idealbesetzung für ein optisch bahnbrechendes Fantasy-Werk. Jerome Opeña präsentiert hier einen wundervollen Zeichenstil, der sich durch visuellen Detailreichtum, variable Panelaufteilungen und mitunter umwerfende Splash-Panels auszeichnet. Unterstützt wird dieses tolle Gesamtbild von den vielseitigen Farben von Hollingsworth, die das grafische Erzählen noch einmal auf eine höhere Ebene stemmen. Das Team Remender/Opeña/Hollingsworth entwickelt gemeinsam gekonnt einen erzählerischen Rhythmus, der einen in diese bunte Welt hineinsaugt.

Was bleibt da noch zu sagen? „Seven to Eternity“ fühlt sich nach dem Aufgalopp episch und fesselnd an und ist durch seine Künstler herausragend in Szene gesetzt.

Inhalt

Die Spione des Gottes des Flüsterns sind überall – und sie verbreiten im gesamten Königreich Angst und Argwohn.

Adam Osidis, ein dem Tod geweihter Ritter aus einem in Ungnade gefallenen Haus, muss sich entscheiden: Soll er sich einer hoffnungslosen Gruppe Magier in ihrem verzweifelten Kampf gegen das Böse anschließen? Oder nimmt er das Versprechen des bösen Gottes an, ihm all das zu geben, was sein Herz begehrt?

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage
Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 08.12.2017
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-95981-557-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)