Review

Wie schon die zuletzt besprochene hervorragende „Samurai Gesamtausgabe 1 (Bd. 1-3)“ stammt auch „Senseï – Die Schule der einsamen Wölfe (Band 1)“ aus der Feder von Jean-François Di Giorgio, der abermals der großen Verführungskraft von fernöstlicher Kultur und Geschichte erliegt.

Unterstützt wird er dabei diesmal nicht von seinem kongenialen „Samurai“-Partner und Zeichner Frédéric Genêt, sondern von „Yiu“-Zeichner Vax (die Serie um Yiu, die Auftragskillerin aus dem 22. Jahrhundert, erscheint ebenfalls im Splitter Verlag und ist lesens- und empfehlenswert).
So viel schon vorweg: Die künstlerische Qualität des Abenteuers leidet darunter keineswegs; sie bleibt vielmehr auf einem (mindestens) ebenbürtigen, hohen Niveau.

Nun widmen wir uns aber dem Inhalt von „Senseï – Die Schule der einsamen Wölfe (Band 1)“.
Im Mittelpunkt der Story steht Yukio, eine weibliche japanische Ronin, die es (aus bisher nicht näher bekannten Gründen) nach China verschlagen hat. Ebenso wie das Liebespaar Nuo und Kang Jie wird auch die Schwertmeisterin Yukio unfreiwillige Zeugin einer Tötung. Die abgeklärte Ronin eilt den beiden jungen Verliebten zur Hilfe und rettet sie. Im Anschluss daran befindet sich das ungleiche Trio in einem Zustand von Dauergefahr und permanenten Bedrohungen. Auf der Flucht der drei soll es noch zu dramatischen Wendungen kommen.
Da das Vergnügen mit „Senseï“ auf 48 Seiten beschränkt ist, soll der Leser hier auch keine weiteren Details zur Story erfahren.

Wie auch schon in den „Samurai“-Abenteuern entführt uns Jean-François Di Giorgio in – großartig inszenierte – fernöstliche Landschaften. Im Gegensatz zu seinem vorherigen Werk steht hier aber mit Yukio eine weibliche Ronin im Fokus. Ähnlich der Figur Mulan aus dem gleichnamigen Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios, mischt auch hier eine junge Frau eine von Männern dominierte Welt auf und stellt dabei kurzerhand die Geschlechterrollen im mittelalterlichen China auf den Kopf. Freilich schlägt der Comic aber eine actiongeladene und harte Gangart an, was ihn von der Walt-Disney-Geschichte dann wieder erheblich entfernt; selbstverständlich wäre es sonst aber auch nur halb so spannend und unterhaltsam.

Man könnte an Di Giorgios Story natürlich bemängeln, dass er hier erneut eine klassische „Reise des Helden“ (wie mit dem schweigsamen Takeo in „Samurai“) präsentiert, lediglich mit einer geheimnisvollen und versierten Schwertkämpferin als Heldin. Wie Takeo weist auch Yukio eine augenscheinlich schmerzliche Erfahrung in ihrer Vergangenheit auf, die sie noch nicht verarbeitet hat; offenbar hat sie (große) Schuld auf sich geladen. Die Turteltäubchen Nuo und Kang Jie sind auch die (klassischen) Nebenfiguren, die ab und an für den Humor zuständig sind. Insofern bietet der Autor vorliegend nicht viel Unkonventionelles.

Leseprobe aus „Senseï – Die Schule der einsamen Wölfe (Band 1)“ | Copyright: Splitter Verlag

Das ist aber auch (mehr als) genug der Kritik; denn auch die neue Serie von Jean-François Di Giorgio funktioniert ganz wunderbar; und mal ehrlich: die klassische „Reise des Helden“ verschafft dem Leser auch immer von Neuem emotionale Befriedigung; gerade wenn diese so hervorragend inszeniert wird wie von Di Giorgio und Vax.
Beide versierten Künstler sind wahrlich Meister ihrer Fächer. Zeichner Vax liefert dem Leser eine exotische Welt, wobei die eleganten Illustrationen auch von den wunderschönen Farben von Bertrand Denoulet profitieren. Di Giorgios Story kann vor allem am Ende noch einmal mit spannenden und emotionalen Höhepunkten aufwarten.

Abschließend lässt sich also festhalten, dass dem Leser hier ausgezeichnete, kurzweilige Unterhaltung geboten wird.

Folgerichtig gibt es auch diesmal eine klare Kaufempfehlung, vor allem natürlich für die Leser, die schon begeistert die „Samurai“-Abenteuer gelesen haben oder an diesen interessiert sind.

Inhalt

Eigentlich war es nur ein harmloses Stelldichein, ein kleines, nächtliches Rendezvous an einem ruhigen, versteckten Ort, wie es junge Verliebte zu allen Zeiten, überall auf der Welt zu tun pflegen. Doch dann werden Nuo und Kang Jie unfreiwillig Zeugen von etwas, was sie besser nicht gesehen hätten – und nun werden sie von einer Bande skrupelloser Halsabschneider gejagt.

„Senseï“ ist die neue Serie von Jean-François Di Giorgio, der schon mit „Samurai“ großes Interesse an fernöstlicher Kultur und Geschichte gezeigt hat. „Senseï“ bietet nun eine spannende Intrige vor dem exotischen Hintergrund des historischen China – reichlich Gelegenheit für Vax („Yiu“) zu eleganten, großzügigen Illustrationen. Welches Schicksal aber nun Yukio, den weiblichen Ronin, aus dem Land der aufgehenden Sonne in das kaiserliche China verschlagen hat, lässt sich noch kaum erahnen – allerdings hoffen, dass man schon bald mehr über diese tödliche Schönheit erfährt.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jean-François Di Giorgio
ist ein französisch-belgischer Comicautor, geboren (1961) in Besançon.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.03.2017
Seitenzahl: 48
ISBN: 978-3-95839-428-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?