Review

Im Marvel-Universum gilt durchaus die Regel: Nach dem Crossover ist vor dem Crossover bzw. noch vor dem aktuellen Superheldenkrieg „Civil War II“, dessen Auftakt wir uns bereits angeschaut haben (vgl. „Civil War II 1“; und das wir auch bald weiterverfolgen), kam es zu dem Mega-Crossover „Secret Wars“, das den gesamten Marvel-Kosmos auf den Kopf stellte.

Anlässlich der Erscheinung des „Secret Wars“-Sammelbandes wollen wir uns dieses umwälzende und epochale Event noch einmal ansehen, das die Ära „Marvel NOW!“ beendet und den Weg zu „All-New, All-Different Marvel“ geebnet hat; in Deutschland laufen diese neuen Serien unter dem Label „das brandneue Marvel-Universum“ und stellen abermals einen Neubeginn der Comicserien von Marvel dar (wieder jeweils mit neuer # 1). Marvel-Chefredakteur Axel Alonso spricht derweil davon, dass man sich bei Marvel inzwischen eher an dem Konzept der Staffeln von TV-Serien orientiert. Dies soll einerseits Neulesern den Einstieg in das Marvel-Universum erleichtern, andererseits wolle man aber auch respektvoll mit Langzeitlesern umgehen.

Wichtig ist hier noch zu sagen, dass es sich bei diesem Crossover – trotz des Titels – weder um ein Reboot, noch um ein Prequel oder ein Sequel des Klassikers „Marvel Super Heroes Secret Wars“ (von 1984-1985) handelt; auch, wenn es einige Verbindungen gibt, wie z.B. den kosmischen Beyonder, Battleworld oder auch eine prominente Rolle für den Schurken Dr. Doom. Die Neuauflage dieses Crossover-Klassikers ist übrigens 2015 bei Panini erschienen; Interessierte sollten über einen Kauf dieser „Mutter aller Superhelden-Events“ ernsthaft nachdenken.

Parallelen weist das folgenschwere neue Mega-Crossover „Secret Wars“ indes auch – oder sogar eher – mit DCs Klassiker „Crisis on Infinite Earths“ (1985-1986) auf, da auch hier die Vernichtung aller Welten und Dimensionen bevorsteht. 

Nun aber genug der Nostalgie: „Secret Wars“ schließt unmittelbar an die vorherigen Arbeiten von Autor Jonathan Hickman an (insbesondere „Avengers“ und „New Avengers“). In dieser Story kommt es zu einem Phänomen, das Inkursion genannt wird und betrifft damit das Konzept des Multiversums im Marvel-Universum; denn hierdurch kollidieren immer zwei Welten, wobei mindestens eine davon ausgelöscht wird. Man kann also sagen, das Multiverse stirbt.

Zu Beginn dieses Bandes sind schon nur noch zwei Welten übrig: Die Marvel-Hauptwelt (Erde-616) sowie das Ultimative Universum (Erde-1610). Diese kollidieren und müssen darum kämpfen, wer überlebt. Im Hintergrund tüfteln einige schlaue Köpfe an einer Arche, während Doom und der Molecule Man den kosmischen Beyonder besiegen und den Patchwork-Planeten Battleworld erschaffen, der aus den Resten des Multiverse besteht; die einzelnen Reiche bestehen aus verschiedenen Realitäten des zerstörten Multiverse (eine gute Möglichkeit, um zahlreiche frühere Events ins Spiel zu bringen). Über Battleworld herrscht der mächtige Gottkönig Doom und es kann sich kaum jemand daran erinnern, dass es einmal anders war im Marvel-Universum. Nur eine Handvoll Helden kennen noch die Wahrheit und diese suchen natürlich die Konfrontation mit dem omnipotenten Doom.

Dies soll als Vorgeschmack für neugierige Leser dann auch ausreichen. Ergänzen möchte ich noch, dass die Serie zuvor nicht nur in einer neunteiligen Miniserie erschienen ist, sondern die Checkliste auch noch vier Sonderbände, zwei Megabände sowie zahllose Tie-ins in zig Marvel-Serien umfasste. Wer die wesentlichen Weichenstellungen für das neue Zeitalter nicht verpassen möchte, ist aber mit diesem Sammelband gut bedient, der das komplette Epos der Hauptserie auf über 300 Seiten präsentiert (die Kosten von 19,99 € erscheinen ob des gewaltigen Umfangs recht preiswert gewählt).

Leseprobe aus „Secret Wars“ (Copyright: Panini Verlag)

Inzwischen gibt es zwar andauernd Crossover-Events unter der Beteiligung sämtlicher Superhelden, aber das vorliegende hat mal wieder dieses gewisse Etwas und einen Hauch von Blockbuster-Spektakel. Während insbesondere Events, wie „Original Sin“ oder auch „AXIS“ eher enttäuschend waren, so möchte „Secret Wars“ wichtig und bedeutsam sein; das ist spürbar und führt beim Leser dann auch zu dem gewünschten Effekt, da er das Gefühl hat, das Gelesene hat maßgebliche Bedeutung für die Zukunft und massive Auswirkungen für „das brandneue Marvel-Universum“. Die Idee eines Doom als allmächtiger Gottkaiser weiß ebenfalls äußerst zu gefallen, da er sich dafür geradezu anbietet.

Das meisterliche Artwork von Zeichner Esad Ribic trägt ebenfalls ausschlaggebend dazu bei, dass sich dieses Crossover wahrlich episch anfühlt.

Ob sich diese Story bereits für Neueinsteiger lohnt, ist schwer zu sagen (manchmal traut man motivierten Lesern aber auch zu wenig zu!). Man sollte sich wohl zumindest ein bisschen mit den Charakteren aus dem Hause Marvel auskennen (und schon einmal von dem Konzept des Multiversums gehört haben). Ansonsten greift man direkt zu den „All-New, All-Different Marvel“-Titeln.

Inhalt

Ein kosmisches Phänomen löscht alle Welten des Multiverse aus. Fortan existiert nur noch der Patchwork-Planet Battleworld. Hier herrscht Doom als Gottkaiser über ein Imperium, dessen abgeschottete Reiche aus verschiedenen Realitäten des zerstörten Multiverse bestehen. Kaum einer ahnt, dass es einmal anders war. Nur eine Handvoll Helden kennen die Wahrheit.

(Quelle: Panini Verlag)

Autor

Jonathan Hickman
(*03. September 1972, South Carolina) ist ein US-amerikanischer Comic-Schriftsteller und Künstler. Er ist bekannt für die Image Comics Serie „The Nightly News“, „The Manhattan Projects“ und „East of West“ sowie für seine Arbeit an den Marvel Comictiteln „Fantastic Four“, „FF“ und „S.H.I.E.L.D.“.

(Quelle: Wikipedia)

Jonathan Hickman – Homepage
Jonathan Hickman – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 14.02.2017
Seitenzahl: 316
Storys: Secret Wars 1-9 | FCBD 2015 Marvel: Secret Wars
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?