Review

Wenn es keine Lösung mehr gibt, bleibt nur die Rache. Die meine nährte sich seit zehn Jahren, aber sie war noch immer hungrig.

Dies soll als Leitmotiv für den Antrittsband „Sangre – Sangre, die Überlebende (Band 1)“ der neuen Fantasy-Serie des „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“-Erfolgsduos, bestehend aus Autor Christophe Arleston und Zeichner Adrien Floch, herhalten.

Die kleine Sangre wächst die ersten Jahre ihres Lebens glücklich als Tochter einer Winzerfamilie auf. Eines Tages zieht sie mit ihrer ganzen Familie und einer Karawane gen Owrak, einer eindrucksvollen Metropole, um dort ihre Weine anzubieten. Allerdings wird die Kolonne von Kaufleuten unterwegs von einer Horde kaltblütiger Piraten überfallen. Sangres gesamte Familie wird bei diesem Angriff von den erbarmungslosen Freibeutern ermordet.

Das Grauen hatte seine Spuren hinterlassen: Ich fing an zu stottern.

Sangre, nunmehr ein Waisenkind, überlebt mit viel Glück und muss sich von da an alleine durchschlagen. Zunächst kümmert sich zwar noch die Lady Ydrelena um das verstörte Kind und nimmt es mit in das Magisterium von Elm, dem Orden der mysteriösen Jungfern. In Abwesenheit ihrer Ziehmutter wird Sangre jedoch aus dem Magisterium verscheucht und muss sich schließlich auf der Straße durchschlagen. Indes hat sie in ihrer Zeit im Internat von der Lady Herpumena eine besondere Gabe erlernt: Sangre ist in der Lage, wenn auch nur für kurze Zeit, die Zeit anzuhalten; aber immerhin länger, als die meisten erfahrenen Ladys dazu imstande sind. Diese Fertigkeit soll Sangre noch von großem Nutzen sein, denn nach dem Tode ihrer Familie hat sie deren Mördern Rache geschworen. Dafür ist sie bereit, ohne Gnade und Barmherzigkeit vorzugehen …

Der Genre-Mix „Sangre“ enthält sowohl dramatische als auch fantastische und übernatürliche Elemente und verbindet diese äußerst gekonnt zu einer Abenteuergeschichte über Leid und Vergeltung, sodass sich dieser Comic durchaus für Liebhaber unterschiedlicher Stilrichtungen eignet.

Leseprobe aus „Sangre – Sangre, die Überlebende (Band 1)“ | Copyright: Splitter Verlag)

Die dramatische (Anti)Heldin ist eine vielschichtige Figur, getrieben von einer nachvollziehbaren und glaubhaften Motivation, und gewinnt dadurch schnell die Sympathie der Leser. Besonders gelungen erscheint die Sprechstörung, mit der Autor Christophe Arleston seine Hauptfigur versieht, da er ihr damit ein besonders prägnant-markiges Profil verpasst. Durch dieses posttraumatische Stottern werden die Konturen sowie die tiefen Verletzungen und Schwächen des einst unschuldigen Kindes noch akzentuiert. Und gerade Sangres Schwächen sind es, die sie hier – trotz moralischer Fehltritte – sympathisch wirken lassen.

Der teilweise kindlich-unschuldige Stil des Zeichners Adrien Floch betont den Kontrast zur Härte und Gnadenlosigkeit der erzählten Geschichte über die abrupt aus ihrer wohlbehüteten familiären Umgebung herausgerissenen Sangre. Mitunter hätten einige Passagen aber, trotz ihrer bereits drastischen Gewaltdarstellung, noch düsterer gestaltet werden können, um die Entwicklung vom kleinen unschuldigen Mädchen zum eiskalten Racheengel noch visuell abzurunden; wobei es sich hierbei bloß um einen verschmerzbaren Makel handelt.

Die folgenden Titel (Bände 2-8) dieser neuen Fantasy-Serie werden sich offenbar jeweils insbesondere mit einem der mörderischen Piraten beschäftigen, die Sangres Familie auf dem Gewissen haben. „Sangre – Sangre, die Überlebende (Band 1)“ ist jedenfalls ein äußerst gelungener Einstieg und macht Lust auf mehr!

Inhalt

Irgendwo im Universum existiert ein Sonnensystem mit sieben Planeten, auf die man durch magische Portale gelangt. Dafür bedarf es allerdings der Hilfe eines Ligaten, der diese Tore aktiviert. Auf einer dieser Welten lebt die kleine Sangre glücklich im Schoße ihrer Familie, bis diese eines Tages von einem Moment auf den anderen von einer Horde blutrünstiger Piraten ausgelöscht wird. Das verstörte Waisenkind landet zunächst in einem Eliteinternat, wird aber bald weggemobbt und muss sich schließlich auf der Straße durchschlagen, doch der Zorn, der in ihr lodert, das unstillbare Verlangen nach Rache hilft ihr, diese harte Schule zu überleben. Hinzu kommt ein paranormales Talent, das sie eher zufällig entdeckt: Sie kann für einige Momente die Zeit anhalten.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor & Zeichner

Christophe Arleston
Christophe Pelinq (*14. August 1963 in Aix-en-Provence) ist ein französischer Comicautor, bekannt unter den Künstlernamen Christophe oder Scotch Arleston.

Nach einer Kindheit in Madagaskar kehrte er nach Frankreich zurück, in Marseille studierte er Journalismus. Zunächst arbeitete er als Hörspielautor für Mystery-Hörspiele. 1989 begann er erstmals als Comicautor für seinen Freund Paul Glaudel zu schreiben.

(Quelle: Wikipedia)

Christophe Arleston – Facebook

Adrien Floch
1977 in Paris geboren, bleibt Adrien Floch nur kurze Zeit in der Hauptstadt. Ihn zieht es in die Provinz, in die weiten und feuchten Landschaften der Bretagne. Schon früh hat er nur einen Gedanken im Sinn, den er entschlossen verfolgt: Comics zu zeichnen! Dank einer Ausbildung zum Werbefachmann lernt er die Grundlagen des Zeichnens und verfolgt weiterhin sein Ziel, indem er an vielen Zeichenwettbewerben auf Comicfestivals teilnimmt. Auf einem dieser Festivals trifft er Jean-Blaise Dijan, der ihm das Szenario von „Fatal Jack“ anbietet.
Im Oktober 2001 beginnt er mit einer neuen Serie: „Slhoka“, nach einem Szenario von Ulrig Godderidge. Die Bände 2 und 3 erscheinen in den Jahren 2003 und 2004, der Abschlussband ist in Vorbereitung. Adrien Floch hat außerdem mit Guillaume Bianco, Olivier Dutto und Didier Tarquin an dem 2003 erschienenen Album „Krashmonsters“ zusammengearbeitet.

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.07.2017
Seitenzahl: 56
ISBN: 978-3-95839-514-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?