Review

Mit „Deadly Heat – Tödliche Hitze“ ist der inzwischen fünfte Band der „Nikki Heat“-Reihe aus der Feder des fiktiven Schriftstellers Richard Castle erschienen.

Fiktiver Schriftsteller? Nikki Heat? Castle? Für Fans der TV-Krimiserie „Castle“ sind diese Eckdaten kaum mehr erklärenswert, diejenigen aber, denen das Ganze nichts sagt, sollten wissen, dass ABC Studios einst eine Krimiserie im Fernsehformat erdacht hat, die unter dem Namen „Castle“ bis heute (auch in Deutschland) sehr erfolgreich läuft.
An der Seite von der Protagonistin Detective Kate Beckett ermittelt der Journalist Richard Castle, der seine Erlebnisse und Erfahrungen zusätzlich in seinen Romanen verarbeitet. Diese sind nun seit geraumer Zeit außerhalb der Serie – im realen Leben also –  für Krimi-Interessierte käuflich zu erwerben. Darunter zählt zum einen seine „Derrick Storm“-Reihe, zum anderen die „Nikki Heat“-Serie, welche sich bezüglich ihrer Figuren stark an der Serie und dem damit einhergehenden Umfeld der Figur Castle orientiert.

Nathan Fillion in seiner Rolle als Richard Castle in der Serie "Castle" (Copyright: ABC Studios)

Nathan Fillion in seiner Rolle als Richard Castle in der Serie „Castle“ (Copyright: ABC Studios)

Entsprechend finden Leser, welche die Serie bereits kennen, in den Romanen viele Parallelen zum Fernseherfolg vor; sowohl innerhalb der Handlung als auch in den Mordfällen und den Charakteren. Unschwer ist daher zu erkennen, dass Hauptfigur Nikki Heat nah an die Fernsehrolle Kate Beckett angelegt ist, ebenso wie Richard Castle selbst in dem männlichen Romanhelden Jameson Rook wiederzufinden ist.
Es besteht jedoch keine Notwendigkeit, die Fernsehproduktion zu kennen, um die Romane verstehen zu können. Vielmehr werden unabhängig davon Krimi interessierte Leser bedient, die auf unterhaltsam angelegte Figuren und komplexe Mordfälle stehen.

Doch genug der Hintergrundinformationen. Kommen wir zum vorliegenden fünften Band der „Nikki Heat“-Reihe.
Dieser setzt – anders als die vier Romane zuvor – mehr Vorkenntnisse insbesondere vom direkten Vorgänger „Frozen Heat – Auf dünnem Eis“ voraus, denn an diesen knüpft der Kriminalroman inhaltlich an. Neulingen wird es dadurch schwer gemacht, mit dem aktuellen Teil in die Reihe einzusteigen, da der Plot sich im Kontext der Geschichte um Nikki Heat weiterentwickelt und an Komplexität gewinnt, die nur schwer nachzuvollziehen ist, sofern man mit den bereits vorausgegangenen Rahmenbedingungen nicht vertraut ist.

Diese inhaltliche Verbundenheit zu „Frozen Heat“ ist es auch, die zur Folge hat, dass die Aufklärung des knapp zehn Jahre zurückliegenden Mordes an Nikki Heats Mutter erneut eine zentrale Rolle spielt.
Dadurch liegt der Fokus von „Deadly Heat“ auf der Protagonistin, während Partner und Ko-Ermittler Jameson Rook dieses Mal nur geringe Auftritte hat. Schade, dabei hätte eine Prise mehr Rook’scher Humor den langen Ermittlungen hier durchaus gut getan.

Und so wird der auf Seite 391 vorzufindende Satz „Zehn Jahre, dreiundzwanzig Wochen und vier Tage voller Höllenqualen, Sorge und Furcht – alles vorbei in einem einzigen Augenblick.“, der sich eigentlich auf besagten Mordfall bezieht, auch dem Leser aus dem Herzen sprechen, da die Handlung insgesamt komprimierter hätte angelegt werden müssen. Trotz überraschender Wendungen und zwei parallel laufender Handlungsstränge wirken das oftmals zu sehr in die Länge gezogene Ermittlungsverfahren und die dabei präsentierten Kriminalgeschichten teilweise fade.

Nathan Fillion in seiner Rolle als fiktiver Autor Richard Castle (Copyright:  Nathan Fillion)

Nathan Fillion in seiner Rolle als fiktiver Autor Richard Castle (Copyright: Nathan Fillion)

Über zwei Bände nimmt sich der Autor Zeit, die Geschichte um Nikki Heats Vergangenheit aufzudröseln. Der Leser trifft dabei auf Verschwörungen, Intrigen, Geheimoperationen und politische Hintergründe. Was in „Frozen Heat“ noch gut funktioniert hat und mit einem Cliffhanger beendet wurde, zieht sich in „Deadly Heat“ stellenweise zu sehr hin.
Die spannungsfördernden Mittel werden nur sporadisch effektiv zum Einsatz gebracht, anders, als man es von den bisherigen Bänden kennt. Schade, denn an Wendungen mangelt es auch nach dem vermeintlichen Schluss noch nicht. Insgesamt kommt der Roman dadurch aber erst gegen Ende richtig in Fahrt.

Insgesamt ist der fünfte Teil der „Nikki Heat“-Reihe zwar erneut ein starker Roman, allerdings kann er aus oben genannten Gründen mit den Vorgängern nicht ganz mithalten. Dies ist allerdings Meckern auf hohem Niveau, zumal das Konzept, welches sich hinter der Serie verbirgt, immer noch überzeugend ist. Daher kann man sich getrost auf den für November bereits angekündigten weiteren Teil namens „Raging Heat – Wütende Hitze“ freuen.

Inhalt

NYPD-Mordermittlerin Nikki Heat verfolgt weiterhin den flüchtigen ehemaligen CIA-Stationschef, der vor über zehn Jahren die Ermordung ihrer Mutter anordnete. Für diese Jagd tut such Nikki einmal mehr mit ihrem Lebensgefährten, dem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Enthüllungsjournalisten Jameson Rook, zusammen. Ihre Suche nach dem alten Spion und dem Motiv für den Jahre zurückliegenden Mord bringt einen beängstigenden Terrorplan ans Licht, der alles andere als Geschichte ist. Er ist tödlich. Er ist akut. Und die Endphase dieses Plans hat bereits begonnen.
Zeitgleich steht ihr Mordermittlungsteam unter Druck und muss einen Mörder so schnell wie möglich fassen. Denn dieser teuflische Kriminelle, der für seine eiskalte und heimliche Vorgehensweise bekannt ist, bestimmt Nikki nicht nur zur Empfängerin seiner höhnischen Botschaften, sondern auch zu seinem nächsten Opfer.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Richard Edgar Castle wurde als Richard Alexander Roger geboren. Den Künstlernamen Edgar legte er sich in Gedenken an sein großes Vorbild Edgar Allen Poe zu. Castle behauptet von sich selbst, von jeder höheren Schule New Yorks mindestens einmal der Schule verwiesen worden zu sein. Schon während seiner Schulzeit unterhielt er seine Klassenkameraden zunächst mit Sachbüchern, später auch mit Romanen, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Er war zweimal verheiratet und lebt heute mit seiner 15-jährigen Tochter Alexis und seiner Mutter in New York.

Die 26 Romane des Mystery-Autors waren allesamt Bestseller. Sein Debütroman „Im Kugelhagel“ hat ihm sogar den renommierten Tom-Straw-Preis für Kriminalliteratur der Nom-DePlume-Gesellschaft eingebracht. Sein bekanntestes und beliebtestes Werk ist die inzwischen abgeschlossene, 12-bändige Roman-Reihe um den pensionierten New Yorker Polizisten Derrick Storm. Seine neue Serie um Nikki Heat basiert auf wahren Fällen, die er gemeinsam mit einer Beamtin des New York Police Departments gelöst hat.

(Quelle: Cross Cult)

Richard Castle – Homepage (deutsch)
Richard Castle – Homepage (englisch)
Richard Castle – Facebook
Richard Castle – Twitter

Reihen

Nikki Heat„-Reihe:
01 Heat Wave – Hitzewelle
02 Naked Heat – In der Hitze der Nacht
03 Heat Rises – Kaltgestellt
04 Frozen Heat – Auf dünnem Eis
05 Deadly Heat – Tödliche Hitze
06 Raging Heat – Wütende Hitze (ab November 2014)

Derrick Storm„-Serie:
01 A Brewing Storm – Ein Sturm zieht auf
02 A Raging Storm – Im Auge des Sturms
03 A Bloody Storm – Vom Sturm getrieben
04 Storm Front – Sturmfront
05 Wild Storm – Wilder Sturm

Derrick Storm – Drei Novellen (Sammelband)

Castle Comic:
Band 1: Deadly Storm – Tödlicher Sturm. Ein Fall für Derrick Storm

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 20.12.2013
Seitenzahl: 460
ISBN: 978-3-86425-296-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde