Review

Vor langer Zeit warst du ein kleines Mädchen, das auf einer Familienhochzeit tanzte. Dann hast Du geheiratet… Dann deine Kinder. Und plötzlich warst du am Tisch mit den alten Leuten. Hast dich an deinem Gin Cocktail festgehalten, über OPs geschwatzt. Dich gefragt, wieso das alles so schnell ging.

Wenn sich die beiden Comic-Koryphäen Mark Millar und Greg Capullo zusammentun, sollten alle Liebhaber der Neunten Kunst hellhörig werden. Denn Millar ist nicht nur der Schöpfer von hervorragenden DC- und Marvel-Comics, wie „Genosse Superman“, „Civil War“ oder auch „Wolverine: Old Man Logan“, sondern erschafft auch bei dem Verlag Image Comics – und seit 2013 auch unter dem Label „Millarworld“ – diverse, ausgezeichnete, sogenannte creator-owned-Comics. In seinem Portfolio finden sich etwa noch „Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen“, „Chrononauts – Die Zeitreisenden“, „Wanted“, „Kick-Ass“ oder auch der vorliegende Band mit dem Titel „Reborn“.

Als Komplizen für seinen ungewöhnlichen Comic konnte Millar niemand geringeren als den amerikanischen Comic-Künstler Greg Capullo gewinnen, auf den wir etwa schon in unserer Besprechung zu „Batman 58“ ein wohlverdientes Loblied gesungen haben. Der ehemalige „Spawn“- (1993–2000, 2003–2004) und „Batman“- (2011–2016) Zeichner hat schon zigfach unter Beweis gestellt, dass er mit seinem unverkennbaren Zeichenstil jede Serie bereichern kann.

Doch nach dem obigen Zitat mag man sich fragen, worum es in „Reborn“ denn überhaupt geht. Unschwer zu erkennen ist, dass es thematisch durchaus erwachsener zugeht. Dabei widmen sich die beiden Künstler insbesondere der Frage, was eigentlich nach dem Tod wartet.

Die zitierte Stelle gibt die Gedanken der Protagonistin, der guten Seele, Bonnie wieder. Bonnie ist eine ältere Dame, die zu Beginn des Comics im Krankenhaus verstirbt. Einen Augenblick später soll sie, und mit ihr der Leser, erfahren, dass auf der anderen Seite weder Himmel noch Hölle auf die Dahingeschiedenen warten. Bonnie – wieder Mitte zwanzig – erwacht in der geheimnisvollen Welt von Adystria, wo sie aufgrund einer Prophezeiung als Heilsbringerin und Erlöserin erwartet wird. Denn Adystria, dem Ort, wo die Guten nach dem Tode landen, droht Gefahr aus den Dunklen Ländern, wo die Bösen sich unter der Führung des grausamen und hartherzigen Golgotha anhäufen.
In dieser Version des Jenseits warten nicht nur diverse Menschen aus der eigenen Vergangenheit, in unterschiedlichem Alter, sondern auch verstorbene Haustiere – sowohl der liebe, kleine Hund als auch der groß gewachsene, ehemalige Kater, der es irgendwie schlecht verdaut hat, dass man ihn in seinem früheren Leben kastriert hat. Wer will es ihm verdenken? 

Ihrer Bestimmung folgend macht sich unsere Heldin zunächst auf die Suche nach ihrem Ehemann, um anschließend den Mächten des Bösen in den Hintern zu treten …

Leseprobe aus „Reborn“ (Copyright: Panini Verlag)

An der Inhaltsangabe kann man ablesen, dass „Reborn“ sich keinesfalls für Comic-Freunde eignet, die in ihrer Religiosität, Weltanschauung oder Geisteshaltung fest verwurzelt sind. Denn Mark Millar stellt bekannte Auffassungen vom Leben bzw. vom Jenseits völlig auf den Kopf und schafft eine gänzlich neue, fantastische Welt, die den Leser unmittelbar in ihren Bann zieht und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt.
Einige Fragen bleiben hier zwar durchaus unbeantwortet und am Ende möchte der Leser auch gerne noch einige Kapitel mehr als die dargebotenen „Reborn 1-6“ verschlingen, aber dies kann und soll hier nicht als negative kritische Würdigung verbucht werden.

Das Artwork lockt den Leser zunächst auf eine falsche Fährte. Hat Capullo doch zuletzt so lange die Geschichten um die Fledermaus aus Gotham City bebildert (insbesondere Batmans Kampf gegen den Rat der Eulen, der jetzt schon ein moderner Klassiker ist, oder auch die Batman-Mega-Events „Der Tod der Familie“ und „Jahr Null“), dass wir einige Augenblicke benötigen, um zu merken, dass wir keine Abenteuer des Mitternachtsdetektivs lesen. Aber Spaß beiseite: Wie bereits erwartet, wird eine ausgezeichnete Geschichte durch das brillante und unverwechselbare Artwork von Greg Capullo auf ein noch höheres Niveau katapultiert.

„Reborn“ von diesen beiden – man möchte sagen legendären – Ausnahmekünstlern überzeugt durchgehend und hinterlässt den Leser allenfalls insofern schwermütig, als dass man gerne länger in diese fesselnde Welt eingetaucht wäre. Die Story ist mitunter düster, rührend, fantasievoll, emotional, nachdenklich und absolut ungewöhnlich. Gepaart mit der künstlerischen Illustration erhalten wir hier einen Comic, den man nicht verpassen sollte.

Inhalt

Wenn sich Mark Millar und Greg Capullo zusammenfinden, kann nur etwas Ungewöhnliches dabei entstehen: Reborn.

Was kommt nach dem Tod? Weder Himmel noch Hölle, sondern etwas ganz anderes. Und irgendwo warten all die Menschen aus der eigenen Vergangenheit auf einen – die Guten ebenso wie die, die man am liebsten niemals wiedergesehen hätte!

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Mark Millar, MBE
(*24. Dezember 1969 in Coatbridge, Schottland) ist ein britischer Comicautor, dessen Werke Kick-Ass, Wanted und Kingsman auch verfilmt wurden.

(Quelle: Wikipedia)

Mark Millar – Homepage
Mark Millar – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 07.11.2017
Originalausgaben: Reborn 1-6
Seitenzahl: 180
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?