Review

Nun sind die „Paper Girls“ also auch hierzulande angekommen und Cross Cult präsentiert seinen Lesern die Serie aus dem Hause Image Comics in einer ansehnlichen Hardcover-Version.

Die Vorschusslorbeeren für die neue Serie von Erfolgsautor Brian K. Vaughan (vgl. etwa die Science-Fiction-Serie „Saga“, die auch bei Image Comics bzw. hier bei Cross Cult erscheint; außerdem schrieb er natürlich auch schon für Marvel und DC; siehe z.B. „Doctor Strange: Der Eid“) waren bereits immens; so wurde die Serie rund um die vier Teenie-Mädels auch schon im Rahmen der diesjährigen Comic Con in San Diego gleich mit zwei der renommierten Eisner Awards hochdekoriert, und zwar in den Kategorien „Best New Series (Beste neue Serie)“ und dann noch „Best Artist/Penciller/Inker or Penciller/Inker Team„.

Das letztere große Lob gilt damit also Zeichner Cliff Chiang („Wonder Woman“), der hier ohne Frage tolle Arbeit leistet. Allzu häufig hat man im Vorfeld auch schon Vergleiche der „Paper Girls“ mit der gefeierten US-amerikanischen Science-Fiction-Mysteryserie „Stranger Things“ von Netflix lesen und hören können. Wir schauen uns nun aber zunächst einmal an, was die 80er-Jahre-Story in „Paper Girls 1″ inhaltlich überhaupt zu bieten hat und vergleichen dann anschließend.

Die Story spielt im Jahre 1988. Die junge Erin ist die Neue in der amerikanischen Kleinstadt Stony Stream. Während sie in der Nacht nach Halloween Tageszeitungen an die ansässigen Haushalte ausliefern möchte, wird sie von einer Gruppe Jungs angepöbelt. Hier lernt Erin ihre drei neuen Mitstreiterinnen Tiffany, KJ und Mac kennen, die ebenfalls Zeitungen austragen und ihr zur Hilfe kommen. Durch Tiffany werden die Mädels mit Walkie-Talkies ausgestattet, für welche sie fast ihr ganzes Weihnachtsgeld ausgegeben hat. Dementsprechend wütend sind die Teenie-Mädels, als drei mysteriöse Gestalten „in schlechten Geisterkostümen“ eines der Walkie-Talkies entwenden. Das wollen die selbstbewussten Mädchen nicht auf sich sitzen lassen und die toughe Mac kündigt an:

Wer auch immer von euch Vollpfosten meine Freundin beklaut hat (…) wir kommen und holen uns unseren Scheiß zurück.

Die Gruppe tritt dann die Verfolgungsjagd an und soll sich in diesem Rahmen noch sehr wundern, was in ihrem Provinznest doch alles passieren kann. Waren die Diebe vielleicht gar keine kostümierten Jungs aus der Nachbarschaft? Die vier Mädchen geraten in surreale Situationen und werden mit aberwitzigen Kreaturen konfrontiert.

Der Leser ist hier weitgehend ebenso überrumpelt wie die Clique. Was mag in dem Provinzkaff vorgehen, eine Zeitreise oder doch eine Alieninvasion? Und was hat „Apple“ damit zu tun? Fragen über Fragen werden hier wunderbar mysteriös und in bester Science-Fiction-Manier aufgeworfen.

Und ja, das ähnelt in gewisser Weise auf jeden Fall der Serie „Stranger Things“, die ebenfalls in den 80er-Jahren spielt und in der ein Junge in einer fiktiven Kleinstadt auf mysteriöse Art und Weise verschwindet (wer die Serie übrigens noch nicht gesehen hat und dem Genre Science-Fiction bzw. Mystery auch nur ein wenig abgewinnen kann, möge sich die Zeit nehmen, denn es lohnt sich!). Hier machen sich dann seine drei besten Freunde auf die Suche nach ihm; auch hier sind mysteriöse Wesen und Ereignisse an der Tagesordnung. So weit die Gemeinsamkeiten.

Die Teenie-Mädels aus „Paper Girls 1“ (Copyright: Cross Cult)

Was die „Paper Girls“ hiervon abhebt, ist Vaughans besonders gutes Gespür für Dialoge und den wirklichkeitsnahen Sprachgebrauch seiner Mädchen; es wird auch schon mal geflucht oder geraucht. Erfrischend ist auch, dass es hier eine Gruppe junger Frauen sein darf, die in einem 80er-Jahre-Abenteuer im Fokus steht (gerade in den wirklichen 80ern, abgesehen von „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, eher nicht die Regel).

„Paper Girls“-Zeichner Cliff Chiang leistet hier – wie bereits erwähnt – ausgezeichnete Arbeit; noch besser sind – zumindest meiner Ansicht nach – aber die knallbunten, stimmungsvollen und pastelligen Farben von Matt Wilson, wodurch die Geschichte erst so wirklich ihr eigenes Gepräge erhält. Wer auf derart außergewöhnliches Artwork steht, dem sei abermals die Marvel-Serie „Silver Surfer“ von Dan Slott und Mike Allred wärmstens ans Herz gelegt.

Bislang umgibt sich die Story noch mit einem Schleier der Mystifizierung und man darf gespannt sein, wo die Reise für die Paper Girls noch hingeht. Comic-Fans haben den Hype um die Serie ganz sicher schon mitbekommen und werden sich ein Bild davon machen; aber diese Serie eignet sich auch für Neueinsteiger in das Genre oder für die Zuschauer, die etwa „Stranger Things“ gerne geschaut haben. Band 2 erscheint jedenfalls im Juli 2017 und das sollte man nicht verpassen.

Inhalt

Was inhaltlich klingt, als träfe eine 80er-Jahre-Teeniekomödie auf AKTE X ist in Wahrheit das wohl Heißeste und Abgefahrenste, was der US-Comicmarkt derzeit zu bieten hat: die PAPER GIRLS werden nun bald auch in Deutschland Zeitungen und Fäuste fliegen lassen.

Bei den PAPER GIRLS handelt es sich um vier Mädchen, die in einem amerikanischen Vorort im Jahre 1988, ausgestattet mit Walkie-Talkies, Tageszeitungen an Haushalte ausliefern. Wie es sich für selbstbewusste Teenie-Mädels gehört, möchten sie eines dieser Walkie-Talkies natürlich wieder zurückerobern, als es ihnen ausgerechnet in der Nacht nach Halloween von einer mysteriösen Gestalt entwendet wird. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass in ihrer Kleinstadt Dinge vor sich gehen, die ihre bis dahin bekannte Vorstellungskraft weit übersteigt.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Brian K. Vaughan
ist ein US-amerikanischer Comic- und Fernsehautor, der durch seine Arbeiten für die Verlage Marvel Comics und DC Comics sowie an den Fernsehserien Lost und Under the Dome bekannt geworden ist.

Während eines Filmstudiums an der New York University knüpfte er über einen Workshop Kontakte zur Comic-Industrie und konnte seine ersten Geschichten bei Marvel veröffentlichen. In den folgenden Jahren schrieb er für einige der bekanntesten Serien der Verlage Marvel und DC wie X-Men, Spider-Man, Batman und Green Lantern. Ab dem Jahr 2002 konzentrierte Vaughn sich auf abgeschlossene Geschichten mit eigenen Figuren wie Ex Machina, Y: The Last Man und die Graphic Novel Die Löwen von Bagdad, die auf dem DC-Imprints Vertigo und Wildstorm erschienen. Für diese Arbeiten erhielt er in den Folgejahren mehrmals den renommierten Eisner Award.

2006 zog Vaughn nach Los Angeles, um sich geplanten – aber bisher nicht realisierten – Filmadaptionen seiner Comicwerke Ex Machina und Y – The Last Man für New Line Cinema zu widmen. Da der Drehbuchautor und Produzent Damon Lindelof von seinen Veröffentlichungen beeindruckt war, bot sich Vaughn die Chance zur Mitarbeit an der erfolgreichen Fernsehserie Lost. In den Jahren 2007 bis 2009 fungierte er von der dritten bis zur fünften Staffel als Ko-Autor und Ko-Produzent.

2011 wählte Steven Spielberg Brian K. Vaughan aus, den Roman Die Arena von Stephen King als Fernsehserie zu adaptieren. In der ab September 2013 unter dem Originaltitel Under the Dome im deutschsprachigen Raum ausgestrahlten Serie ist Vaughn als Drehbuchautor, Showrunner und Executive Producer tätig. 2012 wandte er sich auch wieder den Comics zu. Für den Independent-Verlag Image Comics schuf er zusammen mit der kanadischen Zeichnerin Fiona Staples die Science-Fiction-Serie Saga, für die er erneut Preise wie den Eisner Award sowie den Hugo Award Best Graphic Story für eine Geschichte in gezeichneter Form erhielt.

(Quelle: Wikipedia)

Brian K. Vaughan – Image Comics

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 15.03.2017
Seitenzahl: 144
ISBN: 9783959811408
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?