Review

Der alte Mann namens Logan

Wolverine: Old Man Logan“ aus der Feder des Comic-Wunderkinds und Erfolgsautors Mark Millar („Mark Millar Collection 8: Marvel Knights Spider-Man“, „Reborn“) und hervorragend bebildert von Steve McNiven ist so einer dieser modernen Comic-Klassiker, den gefühlt jeder Freund der 9. Kunst kennt.

Angesiedelt in einer postapokalyptischen Welt wird der Leser mit einem ungewohnt angegrauten und auch sonst nicht wiederzuerkennenden Wolverine konfrontiert. Die frühere ultimative Kampfmaschine unter den Marvel-Helden lebt in einer Welt, in der die Helden fielen, das Böse triumphierte und er sich als alter, gebrochener Mann zurückgezogen hat.

Mittlerweile darf sich auch diese Millar-Story als verfilmter Bestseller rühmen, denn Logan – The Wolverine“, mit einem wunderbar impulsiv und leidenschaftlich aufspielenden Hugh Jackman, ist maßgeblich geprägt von der Geschichte um den abgehalfterten Kämpfer mit dem unzerstörbaren Skelett und den scharfen Krallen.

Der alte Mann namens Clint

In dieser alternativen, verwüsteten Welt hat neben dem ergrauten Logan aber auch noch ein weiterer Held überlebt: Der Avenger mit Pfeil und Bogen, Clint Barton alias Hawkeye. Zwar kam dieser Charakter auch schon in der ursprünglichen Millar-Geschichte vor, doch Autor Ethan Sacks wagt sich nunmehr an die äußerst schwierige Aufgabe, den Fans ein Prequel zu „Wolverine: Old Man Logan“ zu kredenzen.

Die erste Hälfte des Resultats seiner Arbeit können die deutschen Comic-Fans nun im Band „Old Man Hawkeye 1 (von 2): Auge um Auge“ nachlesen.

Meisterhafter Bogenschütze mit Sehschwäche ist auf Rache aus

So oder so ähnlich könnte man den Inhalt herunter brechen. Aber von Anfang an: Nach dem Tod der Avengers und der X-Men sind die USA dem Untergang geweiht. In dieser dystopischen Zukunft und mitten im trostlosen Ödland lebt der Ex-Avenger und meisterhafte Bogenschütze Clint Barton alias Hawkeye. Und ausgerechnet der große Meisterschütze leidet unter einer Sehschwäche und steht kurz davor, sein Augenlicht zu verlieren.

Noch dazu will die eigene Tochter nichts mehr von ihm wissen. Und auch der alte, gebrochene Pazifist namens Logan teilt sein Streben nach Vergeltung nicht. Für die Kampfmaschine a. D. zählt in dieser verwüsteten Welt nur noch, dass seine Familie sicher ist.

Und so macht sich der frühere Superheld Hawkeye – seit jeher auch ohne Superkräfte ein echter Held – zu einer letzten Mission auf, um seine alten Kameraden, vor allem aber die ehemalige KGB-Killerin und Meister-Spionin Natasha Romanova alias Black Widow, zu rächen. Allerdings bekommt es der meisterhafte Bogenschütze auf seinem Weg nicht nur mit alten Bekannten, sondern auch mit dem rücksichtslosen Marshal Bullseye und einer Vielzahl von Venoms zu tun, die ihm den Garaus machen wollen …

Bewertung

Unter dem schweren Erbe, das Mark Millar und Steve McNiven mit Wolverine: Old Man Logan“ hinterlassen haben, hätte ein künstlerisches Team ohne Weiteres zerbrechen können. Nicht so Autor Ethan Sacks und Zeichner Marco Checchetto, deren erster von zwei Bänden des neuen Prequels deutlich zeigt, dass sich deren Rückgrat unter dem schweren Erbe weder biegt, geschweige denn bricht.

Mit der Geschichte um den alten Hawkeye, der seine einstigen Weggefährten rächen will, fangen die Künstler unwiderstehlich den Stil und Ton des großen Vorbilds ein. Ethan Sacks katapultiert uns zurück in die postapokalyptische Zukunft und das trostlose Ödland. Der Leser fühlt sich prompt wieder in diese bekannte düstere Welt hineinversetzt. Selbst wenn wir das Schicksal dieses Hawkeyes bereits kennen, so fiebern wir doch gleich mit diesem alles andere als perfekten Superhelden mit.

Leseprobe aus „Old Man Hawkeye 1 (von 2): Auge um Auge“ (Copyright: Panini Comics)

Allenfalls der Antrieb und die Motivation des Meisterschützen zu diesem persönlichen, verzweifelten und letzten Rachefeldzug aufzubrechen, hätte womöglich noch etwas feiner herausgearbeitet sein können. Was nicht ist, kann allerdings noch werden.

Artwork

Ganz besonderes Highlight des Werks sind die atemberaubenden und unheimlich detailverliebten Bilder von Zeichner Marco Checchetto, der sich sehr stark McNivens Stil annähert. Dies ist ein maßgeblicher Faktor dafür, dass der Leser wieder unmittelbar in dieser staubigen und verwaschenen Marvel-Zukunft ankommt.

Vor allem verdient aber Checchettos besonders ausgefallenes Charakterdesign Beifall. Seine Venoms sehen wunderbar finster aus und sein Cyborg-artiger, mit Melone daher kommender Marshal Bullseye ist einfach unwiderstehlich gelungen.

Fazit

Wer „Wolverine: Old Man Logan“ gerne gelesen hat, der sollte sich auch diese Vorgeschichte nicht entgehen lassen. Wer mit der Welt des gebrochenen X-Man mit dem Killerinstinkt und des bald vollständig erblindeten Meisterschützen nichts anfangen kann, dem kann ich auch nicht helfen.

Inhalt

Superschurken, Gangs und Elend beherrschen das postapokalyptische Ödland, das früher einmal Amerika war. Als Hawkeye erfährt, dass er bald vollständig erblindet, bricht der Meisterschütze zu einer letzten Mission auf. Doch Bullseye und ein mörderischer Venom sind dem alten Hawkeye, der viele seiner einstigen Weggefährten trifft, bereits auf den Fersen …

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 13.11.2018
Originalausgaben: Old Man Hawkeye 1-6
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)