Review

Megan Shepherd lieferte mit „The Cage ‑ Entführt“ einen Jugendroman, der durchaus den Charakter eines Pageturners hatte. Die Mischung aus Sci-Fi, jugendlichem Leichtsinn und Beziehungskisten hatte einigen Unterhaltungswert. Allerdings lieferten merkwürdige Fortpflanzungsregeln und kleinere Ungereimtheiten ein Bild geminderter Schreibqualität ab. Ob sich Shepherd im zweiten Band „The Cage ‑ Gejagt“ diesbezüglich verbessern konnte, klären wir jetzt.

Ein kleiner Rückblick. Die 16-jährige Senatorentochter Cora wurde mit fünf anderen Jugendlichen von einer Alienrasse namens Kindred entführt. Diese sperrten sie in ein physikalisch „verzaubertes“ Gehege, in dem sie fortan leben und Nachkommen zeugen sollten. Cora, die Gefangenschaft bereits durch einen längeren Gefängnisaufenthalt kannte, widersetzte sich dem vehement. Ihre Zuneigung zum Alienhüter Cassian machte die Sache gleichzeitig schwerer und leichter. Am Ende musste das junge Mädchen jedoch einsehen, dass die kleine Rebellion aussichtslos war. Dafür entwickelte sie allerdings mentale Fähigkeiten.

Laut Cassian seien diese aber nun der Schlüssel zur Freiheit. Nicht nur für Cora, sondern für alle Menschen, die von den Außerirdischen als „Haustiere“ gehalten werden. Würde Cora eine besondere Prüfung bestehen, würden die Menschen als fünfte intelligente Spezies anerkannt und mit Rechten und Pflichten ausgestattet werden. Um diesen Weg trotz des Ungehorsams zu ermöglichen, versteckt Cassian Cora und ihre Freunde in einer Menagerie, quasi einem Alienvergnügungspark.

Gegen diese „vernünftige“ Lösung hat die eigensinnige Cora aber auch was. Sie möchte lieber auf unehrliche Weise den Test ablegen. Aber bevor es wirklich an diese Aufgabe gehen kann, muss sie erst mal den neuen Alltag bestehen. Nicht nur sie hat mit der Auflösung ihrer Gruppe zu kämpfen. Rolf und Nok, das einzige Pärchen aus dem ersten Band, das der Fortpflanzungspflicht nachgekommen ist, lebt nun in einem überdimensionalen Puppenhaus. Stets das Damoklesschwert über sich, dass ihnen nach 22 Wochen Schwangerschaft das Baby weggenommen wird. Und Leon, der den Kindred entkommen konnte, versucht sein Glück bei einer anderen Alienrasse.

Mit dem Wegfall des begrenzten Handlungsspielraums hat sich Shepherd zumindest einen Gefallen erwiesen. Ihre Figuren agieren nun freier, es kommt durch die wechselnden Charaktere, die die Geschichte erzählen, auch tatsächlich Abwechslung ins Geschehen. Das erzeugt zusätzliche Spannung. Außerdem fällt glücklicherweise das mysteriöse Regelwerk für die Protagonisten weg.

Megan Shepherd (Copyright: Kristi Hedberg Photography)

Aber, das immer noch größte Manko dieser Erzählung: Diese sturen Teenager! In unangenehmer Regelmäßigkeit liefern sie Anlass, sich die Haare zu raufen. Gut, möglicherweise geht der Leser über 20 einfach an der Zielgruppe vorbei, aber so dämlich (Entschuldigung!) vermag sich wohl auch der durchschnittliche junge Mensch nicht zu verhalten. Und wenn die Protagonistin Cora dann auch noch Sterne ansieht und denkt „einer davon könnte die Sonne sein, oder sogar die Erde“ ist es für einen kurzen Moment mit dem Lesegenuss vorbei.

Ein etwas mulmiges Gefühl hinterlässt außerdem die Beziehung zwischen Cora und Cassian. Normalerweise sind Alien furchteinflößend ‑ und abgesehen von den mittelblauen Halbgöttern in „Avatar“ – auch eher hässlich. Nun, die Kindred werden eher als kupferfarbene Halbgötter beschrieben, denen Cora nicht widerstehen kann. Meiner Meinung nach hätte eine Freundschaft der Geschichte auch Genüge getan. Aber zumindest erledigt sich am Ende dieses Bandes das obligatorische Liebesdreieck auf überraschende Weise.

Trotz dieser Mankos lässt sich auch „The Cage ‑ Gejagt“ nur schwer aus der Hand legen. Shepherd beweist, dass ihr zwar nicht alle Details, dafür aber das große Ganze liegen. Von daher: Wer den ersten Teil mochte, sollte hier definitiv weiterlesen.

Inhalt

Cora und ihre Gefährten dachten eigentlich, sie hätten das Schlimmste überstanden. Doch sie haben ihren einstigen Käfig nur gegen einen Safaripark eingetauscht. Inmitten von Raubtieren müssen sie sich nun in einer gefährlichen Wildnis behaupten. Immer beobachtet von den geheimnisvollen Kindred. Und auch dem Pärchen Nok und Rolf geht es nicht besser: In einer Art von gigantischem Puppenhaus werden sie Tag und Nacht von ihren Entführern überwacht. Während Leon, der einzige, dem die Flucht gelungen ist, verzweifelt nach Verbündeten sucht, muss Cora sich entscheiden: Kann sie ihrem unwirklich schönen Wächter Cassian, der sie verraten hat, noch einmal trauen?

(Quelle: Heyne fliegt)

Autorin

Megan Shepherd
ist in den Bergen von North Carolina aufgewachsen. Die meiste Zeit verbrachte sie bereits als Kind in der Buchhandlung ihrer Eltern. Nach ihrem Studium (Kulturwissenschaften und Sprachen) ging sie für zwei Jahre in den Senegal, wo sie Kinder in Dorfschulen unterrichtete. Dabei entdeckte sie ihr großes Talent zum Geschichtenerzählen. Megan Shepherd lebt mit ihrem Mann auf einer Farm in North Carolina.

(Quelle: Heyne fliegt)

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Details

Format: eBook, Paperback
Vö-Datum: 09.05.2017
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3453268944
Sprache: Deutsch
Empfohlen ab 14 Jahren
Verlagshomepage: Heyne Verlag

Copyright Cover: Heyne fliegt



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer