Review

„Bube, Dame, König, Tod“ – dieser simple, aber werbewirksame „Klappentext-Anheizer“ schürt wohl bei den wenigsten die prompte Lust, sich einer nächsten Kartenspielpartie zu widmen, macht vielleicht aber viele neugierig auf vorliegenden Roman von Autor Markus Heitz, der aus seiner Faszination und Recherche zur Historie des Kartenspiels einen neuen Mystery-Thriller erdacht hat. Das Ergebnis seiner Beschäftigung mit dieser Thematik hört auf den passenden Namen „Des Teufels Gebetbuch“ und trägt an vielen Stellen eindeutig die Handschrift des erfolgreichen Schreiberlings.

Seine Leidenschaft und Verbundenheit zur Stadt Leipzig ist dem Heitz-Fan nicht unbekannt und so schickt Heitz seine Leser auch in „Des Teufels Gebetbuch“ phasenweise in diese Region.
Damit nicht genug, fügt er einige historische Figuren in seinen Roman ein. Insbesondere Goethe-Liebhaber kommen diesbezüglich auf ihre Kosten und nehmen Anteil an einer authentisch wirkenden Integration des Weltliteraten.

Die Einbindung historischer Figuren verlangt entsprechend eine Reise in die Vergangenheit und so switcht Heitz in seinem Roman zwischen dem 18. Jahrhundert und der Gegenwart. Diese Wechsel wissen dem Leser jedoch unterschiedlich zu gefallen. So überzeugt Heitz vor allem in seinen historischen Abschnitten, während die gegenwärtigen Handlungsgeschehnisse mitsamt ihren Figuren mehr und mehr konstruiert erscheinen.

Behält man bei den Wechseln auf zeitlicher Ebene noch weitgehend den Überblick, erfordern jene zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen und Charakteren des Buches die volle Konzentration des Lesers. Während man damit beschäftigt ist, den roten Faden nicht zu verlieren, büßt „Des Teufels Gebetbuch“ leider einiges an Spannung ein. Dass interessante Twists in dem 672 Seiten starken Buch – überraschenderweise und eher untypisch für Heitz – weitgehend fehlen, der Autor sich dafür aber mehrheitlich in ausschweifende, aber der Handlung nicht förderliche Details verliert, ist dem Spannungsaufbau ebenfalls nicht dienlich. Trotz reichlichem Blutvergießen auf diverse erdenkliche Art und Weise kommt die Spannung somit zu oft zum Erliegen. Die Folge ist ein häufig zäher Lesefluss, bei dem der Mystery-Aspekt zudem sehr in den Hintergrund rückt.

Markus Heitz (Copyright: FinePic, München)

Dabei ist die Idee hinter „Des Teufels Gebetbuch“ eine ganz hervorragende. Heitz nimmt sich hier einem Thema an, das wahrscheinlich von vornherein nicht jedermanns Geschmack trifft und einigen den Zugang zur Geschichte möglicherweise ganz verwehrt, dafür aber gegenwärtig innovativ ist und – von der Handlung bis zum umfangreichen Anhang – von der ausgiebigen und guten Recherchearbeit des Autors zeugt.

Umso bedauerlicher, dass „Des Teufels Gebetbuch“ den Leser immer mal wieder verliert. Einige Kürzungen hätten hier eventuell Abhilfe geschaffen; davon abgesehen beschränkt sich Heitz in seinem Mystery-Thriller zudem zu sehr auf bewährte Zutaten, die der kreativen Grundidee nur bedingt gerecht werden.

Trailer

Inhalt

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit der Karte auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt. Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2017
Seitenzahl: 672
ISBN: 978-3-426-65419-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde