Review

„Endstation Pallas“ heißt die neue und inzwischen neunte Episode der Hörspielreihe „Mark Brandis Raumkadett“, doch ganz so final, wie der Titel verheißt, fällt der Inhalt der Folge natürlich nicht aus. Dafür gewährt sie dem Zuhörer einen weiteren interessanten und spannenden Blick in die Vergangenheit des Protagonisten Mark Brandis, denn von seinen Abenteuern als junger Raumkadett erzählt das Spin-off.

Obwohl der Science-Fiction-Held schon in seiner Jugend viel erlebt hat, was ihn schließlich auch maßgeblich prägte und in der Hörspielreihe „Mark Brandis“ immer wieder zum Ausdruck kam, konzentriert sich die aktuelle Episode auf ein Mindestmaß an Figuren, Schauplatz und Handlung.

Statt – wie meist üblich – mit seinen Freunden bestreitet Mark Brandis das vorliegende Abenteuer lediglich mit seinem Kollegen Rodrigo Rojas. Die beiden sind zum Dienst auf einer verlassenen Raumstation im Inneren des Asteroiden Pallas abgestellt und es scheint, als ob ihr Alltag dort von langweiliger Routine geprägt sein wird.
Entsprechend ereignislos folgt zunächst Track auf Track von „Endstation Pallas“. Doch wer nun befürchtet, dass sich die Langeweile der Protagonisten auch auf die Zuhörer überträgt, der täuscht, denn wenngleich an Action zu Beginn noch nicht viel geboten wird, so bleiben die Darstellungen doch stets interessant.

Diesbezüglich tragen abermals die Sprecher einen großen Teil zum Gelingen bei. Die Nachwuchstalente Daniel Claus und Arne Kapfer hauchen selbst den unspektakulärsten Passagen ausreichend Leben ein, sodass es eine Freude ist, ihnen bei ihrem Treiben zuzuhören. Jenes gewinnt schließlich mit einiger Zeit an Dynamik, denn ihren beiden Rollen droht Gefahr.
Während die Sprecher an bzw. ab diesem Wendepunkt jedoch etwas mehr Vielseitigkeit (und die Sounddesigner etwas mehr Abwechslung) hätten zeigen können, knüpft die Folge fortan inhaltlich nahtlos an seine Vorgänger an.

Nikolai von Michalewsky (Copyright: Nikolai von Michalewsky)

Nikolai von Michalewsky (Copyright: Nikolai von Michalewsky)

Wie man es von „Mark Brandis“-Hörspielen kennt, lässt auch die mal mehr und mal weniger subtil integrierte moralische Ebene des Plots nicht lange auf sich warten.
Den dies betreffenden Rahmen in der aktuellen Episode bildet die Frage, wie weit man gehen darf, um ein Verbrechen aufzuklären. Eine mögliche Antwort liefert Mark Brandis selbst, denn er sieht sich genau damit in „Endstation Pallas“ konfrontiert.
Sein „Lösungsansatz“ gibt auch dem Zuhörer einigen Stoff zum Nachdenken.

„Endstation Pallas“ ist eine sehr ruhige, aber dafür eine (innerhalb der Serie) handlungsrelevante Folge, die trotz ihrer Kompressionen und Fokussierung überzeugt.
Sie zeigt zudem, dass es nicht immer das hitzigste Gefecht oder die permanente Action sein muss, um die Hörer begeistern zu können und gleichzeitig gehaltvollen Inhalt zu liefern.

Hörprobe

Inhalt

Mark Brandis und Rodrigo Rojas sind zum Dienst auf einer verlassenen Raumstation im Inneren des Asteroiden Pallas abgestellt. Als beide sich bereits an die langweilige Routine gewöhnt haben, lässt ein vermeintlicher Republikenangriff auf die afrikanische Stadt Nairobi und JUSTITIA bei Mark alle Alarmglocken läuten. Sind Attentäter vielleicht schon unterwegs, um ihn als Augenzeugen des Mordes an Präsident Bähler zu beseitigen? Den beiden Raumkadetten bleibt nur wenig Zeit, um sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten …

(Quelle: Folgenreich / Universal Music Family Entertainment)

Autor

Nach dem 2. Weltkrieg zieht es den jungen Nikolai von Michalewsky immer wieder nach Afrika. Er verdingt sich als Assistent auf eine Kaffeeplantage und ergreift dann die Chance, die ihm eine amerikanische Nachrichtenagentur bietet: Er geht als Berichterstatter auf den Kriegsschauplatz Algerien. In einer Reihe von Büchern schreibt er sich seine Eindrücke und Erlebnisse von der Seele.

Fast vier Jahrzehnte vergehen, bevor er, der inzwischen einer noch größeren Faszination erlegen war, in Gedanken noch einmal auf den Schwarzen Kontinent zurückkehrt. Hinter dem Titel “Keine Spuren im Sand” steht die Erinnerung an seine Begegnung mit dem Element Sahara.

Inzwischen jedoch mit Haut und Haaren dem Element Meer verfallen, als Seefahrer und als Taucher, war er längst zum Dichter und Chronisten der Welt unter Wasser geworden. Sein Haus auf Sardinien, an dessen Fundament die Brandung rüttelt, war Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen.

Und um sich nicht einseitig festzurren zu lassen durch Kritik, Verleger und Marktzwänge, wechselte er seine Autorennamen so oft wie seine Boote: Victor Karelin, Nick Norden, Mark Brandis, Bo Anders.

Im Hörfunk war er bekannt dafür, dass er es verstand, komplizierte Sachverhalte fesselnd und leichtverständlich darzustellen. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise legen davon Zeugnis ab. Und so wird schließlich die Weltgesundheitsorganisation auf ihn aufmerksam, als sie Ausschau hält nach einem Autoren für die Dokumentation ihres medizinischen Feldzuges gegen das Pockenvirus. Es entsteht das Werk, das den Siegern in Weiß das Denkmal setzt.

Auf das schweißtreibende Klima von Bangladesch folgt erneut die Kühle der See. Doch diesmal ist es eine bedrohte Meereslandschaft, zu deren Rettung Nikolai von Michalewsky in seiner Buchreihe “Grüner Auftrag für Fortuna” aufrief.

(Quelle: Homepage von Nikolai von Michalewsky)

Kapitel

01 Letzte Etappe einer Anreise
02 Prolog
03 Ankunft auf Station Pallas
04 Ballwechsel
05 Annäherung aus 32-276-minus 101
06 Abstieg
07 Ausgeschlossen
08 Überraschung in der Kälte
09 Das Verhör
10 Die Erlösung und ihr Preis

Details

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 01.07.2016
Spielzeit: ca. 54 Minuten
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Folgenreich (Universal Music Family Entertainment)

Copyright Cover: Folgenreich / Universal Music Family Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde