Review

Stellt man sich den durchschnittlichen Überlebenden einer Zombie-Apokalypse vor, sieht man vielleicht einen durchtrainierten Kampfsportler, einen Waffennarr, einen Soldaten oder sonst jemanden, der irgendwelche besonderen Überlebensfähigkeiten hat, vor sich. Aber ein dreißigjähriger, verwitweter Anwalt mit Katze aus der spanischen Provinz?

Nun, diese eher ungewöhnliche Auswahl eines Protagonisten traf Manel Loureiro für seinen literarischen Blog, der später unter dem Titel „Apokalypse Z“ als sein Debüt veröffentlicht wurde.

Der Überlebenskünstler, ein namenloser Versicherungsanwalt, startet ganz unbescholten in sein Abenteuer: In seiner Trauer um seine vor zwei Jahren verstorbene Frau bekommt er nicht nur Hilfe von seinem Seelentröster Lúculo, einem roten Kater, sondern von seinem Psychologen auch den Tipp, Gefühle und Erlebnisse in einem Blog zu verarbeiten. Folgt er dieser Aufgabe zu Beginn eher widerwillig, wird das Tagebuch im Laufe des Geschehens zur Chronik des Weltuntergangs. Nach politischen Unruhen wird in Russland ein unbekanntes Virus freigesetzt. Online recherchiert der junge Mann über den Ausbruch, der in Windeseile immer weitere Kreise zieht. Daneben schildert er sein normales Leben – nun ja. So normal, wie die Installation einer autarken Stromversorgung, das Einlagern von Lebensmitteln für drei Monate und der Kauf einer Harpune eben sind.

Auch wenn Russland weit weg scheint, gelangt das Virus über Ärzte der WHO und Militärs nach Mitteleuropa – und von dort auch nach Spanien. Der Unbekannte lässt den Leser wissen, dass alle Welt in heller Aufruhr ist, militärische Aktionen geplant und Menschen evakuiert werden, und nur er (fast) allein und wie eine Made im Speck in seinem Wohnhaus zurückbleibt. Aus nicht ganz klaren Gründen versteckt er sich vor den Evakuierungsmannschaften. Auch wenn es ihm und seinem Kater durchaus gut geht, nachdem er die ersten Dutzend „Virus-Befallenen“ leibhaftig sah und sowohl Fernsehen als auch Internet völlig tot sind, wird auch ihm klar, dass er einen Fluchtweg finden muss.

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

So beginnt für den Juristen mit seinem Kater die Odyssee durch das neue Reich der Toten. Eine Geschichte, gespickt mit blutigen Zombies, vollkommenem Versagen der gesamten Gesellschaft, Atombomben gegen Zombies, autarken Krankenhäusern, gierigen Kinderzombies, Segelslang, nur einer Methode einen Zombie zu töten, vielen nützlichen Zufallsbekanntschaften und natürlich noch mehr Zombies. Hier wirken mindestens ein gutes Dutzend Schutzengel zugunsten des Protagonisten – oder der Autor hat es mit seinem Schützling vielleicht etwas zu gut gemeint.

Nichtsdestotrotz liest man in „Apokalypse Z“ von einem Überlebenden, der eben auch eine Portion Glück haben musste. Und auch wenn die Geschichte an diesen Stellen vielleicht überkonstruiert wirkt, haucht ihr die Erzählweise im Tagebuchstil, erst in Form des Blogs und später dann als handschriftliches Manuskript, ganz eigenes Leben ein.

Zusammen mit aktuellen tagespolitischen Ereignissen wie der Ukrainekrise, die der Ausbruchssituation im Roman ähnelt, oder der Ebola-Epidemie, die im Roman auch erst vermutet wird, erhält Loureiros Geschichte einen zusätzlichen Anstrich von Realismus. Nicht nur einmal stellen sich daher beim Lesen langsam die Nackenhaare auf.

Ein bloggender spanischer Anwalt, der einen Zombieroman über einen bloggenden spanischen Anwalt aus der gleichen Region schreibt, in dem niemals das Wort Zombie vorkommt. Das Debüt hat zugegeben seine Schwächen. Wer darüber hinweg sehen kann, wird allerdings mit kurzweiliger Unterhaltung in Form einer spannenden Dystopie belohnt. Actionfans werden hier durchaus auf ihre Kosten kommen können. Zudem hat Loureiro bereits zwei Fortsetzungen verfasst, unter dem Titel „Dunkle Tage“ erscheint im Oktober dieses Jahres der zweite Band der Trilogie.

Inhalt

Eine Reihe mysteriöser Krankheitsfälle in Russland ist den internationalen Nachrichtenagenturen nicht mehr als eine Randnotiz wert – bis sich herausstellt, dass der Erreger ein hochansteckendes Virus ist, das innerhalb kürzester Zeit jeden, der sich infiziert, in ein blutrünstiges Monster verwandelt. In der Folge kollabieren Regierungen, Chaos bricht aus, und bald kämpft jeder nur noch für sich selbst. Einer der Überlebenden ist ein junger Anwalt, der beginnt, das Ende der Welt zu dokumentieren. Dies sind seine Aufzeichnungen …

(Quelle: Heyne Verlag)

Autor

Manel Loureiro wurde 1975 in Pontevedra, Spanien, geboren. Er studierte zunächst Jura an der Universität von Santiago de Compostela, bevor er als Moderator verschiedener TV-Sendungen bekannt wurde.
Seinen ersten Roman „Apokalypse Z“ veröffentlichte er zunächst auf seinem Internetblog, wo er sich schnell zum Kultphänomen entwickelte.
Der Autor lebt und arbeitet in Pontevedra.

(Quelle: Heyne Verlag)

Manel Loureiro – Homepage
Manel Loureiro – Facebook
Manel Loureiro – Twitter

Details

Format: Paperback, Klappenbroschur
Vö-Datum: 14.04.2014
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-453-31552-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag 

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer