Review

Grandioses, schönes, dramatisches Weltuntergangsszenario – Bisher konnten die ersten zwei Bände der „Low“-Reihe von Rick Remender und Greg Tocchini hellauf begeistern. Nun geht es mit „Low – Ufer des sterbenden Lichts“ endlich in die dritte Runde. Dieser farbenfrohe Band verspricht nicht nur Licht ins Dunkle zu bringen, sondern wird auch ein grandioses Finale bieten.

Zunächst treffen wir die Schwestern Della und Tajo wieder. Beide hatten sich dank ihrer Mutter wieder in die Arme schließen können. Theoretisch zumindest, denn praktisch ist die Stimmung zwischen den zwei jungen Frauen mehr als angespannt. Nicht nur alte Kindheitszwiste, sondern vor allem die jahrelange Trennung hat dieser Beziehung reichlich Schaden zugefügt. Dennoch sind beide fest entschlossen, ihrer Mutter zu Hilfe zu eilen.

Dazu müssen sie allerdings einen kleinen Umweg zum Auffüllen der Vorräte in Kauf nehmen. In ihrem alten Zuhause treffen sie Lena, die sich als Mariks Ex vorstellt. Da sie somit quasi zur Caine-Familie gehört, lassen sich die Schwestern überreden, sie mitzunehmen. Nicht ahnend, welche Konsequenzen das für ihre Aufgabe haben wird.

Währenddessen ist Stel ihrem Ziel deutlich nähergekommen. Sie hat das schützende Wasser verlassen, um gemeinsam mit Zem die Sonde auf den verbleibenden Landmassen der Erde zu suchen. Ein Ortungssystem gibt ihnen die Richtung vor, der Weg ist allerdings beschwerlich. Steile Klippen, mysteriöse Tierwesen und ein ganzer Batzen Meilen liegen zwischen ihr und ihrem Ziel. Ungebrochen optimistisch ist hingegen Stels Laune.

Geschickt gelingt es dabei Remender, beide Storyhälften gleichwertig gut zu erzählen. Wo bei den Schwestern eher der Fokus auf den persönlichen Beziehungen liegt, darf sich Stel Caine endlich ihrem Ziel, der Erfüllung ihrer Hoffnung, ganz nah fühlen. Aber natürlich setzt Remender kurz vor Schluss noch mal richtig einen drauf, sodass man am Ende der über 120 Seiten recht fassungslos einer (scheinbaren?) Sackgasse gegenübersteht.

Einblick in „Low – Ufer des sterbenden Lichts (Band 3)“ (Copyright: Splitter Verlag)

Sogar ein philosophisch angehauchtes Gedankenspiel vermag der Autor in seiner Geschichte zu verweben: Was macht den Menschen eigentlich aus, wenn das Leben auf der Erde auch ohne ihn in Zivilisationen weitergeht? Dabei schreckt er, wie auch in den Vorgängern, nicht vor Gewalttätigkeit und Liebe als Themen zurück. Storytechnisch daher: 1+ mit Sternchen!

Hingegen gab es beim zweiten Band der Reihe an der Optik leichte Kritik, die sich auch bei diesem Band fortsetzt. Dieses Mal liegt es allerdings am leicht veränderten Stil, den Tocchini gewählt hat. Er arbeitet dieses Mal mit stärkeren Kontrasten und kräftigeren Konturen. Das erleichtert es zwar, dem Storyfluss zu folgen, geht aber mitunter zulasten der schlichten Schönheit der Bilder. Vor allem finden sich einige Panels, denen so viele Details fehlen, dass sie eher an kolorierte Skizzen erinnern.

Allerdings muss man ehrlich sagen: Das ist wieder mal Meckern auf hohem Niveau, denn auch optisch hebt sich „Low – Ufer des sterbenden Lichts“ von üblichen Comicveröffentlichungen ab. Daher kann man auch dieses Mal nur sagen: Lest diesen Comic! Auch wenn das anschließende Warten auf den nächsten Band angesichts dieser Entwicklungen sicher zur Zerreißprobe wird.

Handlung

Die Sonne stirbt – mit dieser Tatsache müssen sich die letzten Menschen der Erde anfreunden. Und um den tödlichen Strahlen des sterbenden Sterns zu entkommen, bauen sie riesige Städte am Grund der Ozeane. Doch keine der Sonden, die man aussendet, um einen neuen bewohnbaren Planeten aufzuspüren, wird fündig. Zehntausend Jahre vergehen und allmählich schwindet jede Hoffnung auf Rettung. Doch Stel Caine ist eine unverbesserliche Optimistin. Sie kann und will nicht akzeptieren, dass das Ende unausweichlich ist. Trotz der Schwierigkeiten, Nahrung für die letzten Menschen zu finden. Trotz der riesigen Gefahren der Tiefsee. Trotz einer Sonne, die kurz davor ist, zur Nova zu werden. Stel Caine gibt nicht auf. Sie ist die letzte Hoffnung einer zum Sterben verurteilten Menschheit…

Rick Remender und Greg Tocchini, das Team, das „The Last Days of American Crime“ inszenierte, erzählen in diesem farbenprächtigen, packenden Science-Fiction-Epos von einer Handvoll Menschen, die sich dem Schicksal nicht kampflos ergeben.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage
Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover – Bookformat
Vö-Datum: 01.02.2017
Seitenzahl: 136
ISBN: 978-3-95839-483-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer