Review

Denkt man an den Splitter-Verlag, hat man doch immer diese wunderschönen, großformatigen und vollfarbigen Comics vor Augen, bei denen allein das Betrachten der detaillierten Zeichnungen immensen Spaß macht. Augenschmaus für alle, die ästhetisch besonders anspruchsvoll sind und wo die Story beinah zur Nebensache wird. Und wo die Optik sogar über eine etwas schwächere Story hinweg täuschen kann. Dabei vereint der Verlag so viele unterschiedliche Zeichenstile, dass wirklich für jeden etwas dabei ist. Während die Optik also eine sichere Sache ist und man hier allein nach den favorisierten Genres und der Qualität der Storys entscheiden kann, wo man zugreift, bildet der erste Band der Reihe „Low“ namens „Stadt ohne Hoffnung“, gezeichnet von Greg Tocchini und geschrieben von Rick Remender, mal eine kleine Ausnahme.

Jetzt nicht gleich die Luft anhalten und vom Stuhl kippen: Natürlich sieht „Low“ auf seine Art wunderschön aus. Bemerkenswerte Farbgebung von kühlem Blau zu warmen Rot- und Orangetönen vermitteln unmittelbar besondere Stimmungen, die jeder Szene eine wiedererkennbare emotionale Unterstreichung geben, ohne aufdringlich zu sein. Von heimelig zu gefährlich, von urban zu wilder Natur spielen hier die Gegensätze Katz und Maus. Dabei bleibt bereits so manches Detail auf der Strecke. Genau diese Mischung aus grobkörnig und dynamisch setzt sich auch in den Zeichnungen fort: Egal ob bei Hintergründen oder Hauptfiguren, Tocchini bleibt stets bei einem rauen Strich, der vieles der eigenen Fantasie überlässt. Die Wiedererkennbarkeit von Orten, Menschen oder sogar Emotionen leidet darunter und insgesamt verbleibt damit eine Menge Interpretationsspielraum beim Leser, was für Fans dieses Stils genau das Richtige sein kann, auf der anderen Seite aber auch den Lesefluss stört.

Eine exemplarische Ansicht aus "Low". (Copyright: Splitter Verlag)

Eine exemplarische Ansicht aus „Low“. (Copyright: Splitter Verlag)

Dabei muss man bei dieser Erzählung von Remender wirklich gut bei der Sache bleiben. Das Vorwort verrät bereits, dass der Autor hier viel von seiner eigenen Negativität verwendet und ins Gegenteil verkehrt hat. Eine nette Nebeninfo, die dem Gesamtkunstwerk eine persönliche Note und der Protagonistin Stel einen Haufen Optimismus verleiht. Dieser Optimismus ist wohl das Krudeste an dieser Geschichte, denn wirklichen Anlass zur Hoffnung gibt es für die Menschheit nicht mehr. Während die Sonne sich und die Erde langsam, aber sicher auffrisst, flüchteten die Menschen unter die Meeresoberfläche. Aber auch dort stirbt die Zivilisation seit Langem. Nur zwei große Kuppeln sind über, die nur noch für wenige Monate Sauerstoff haben. Während alle anderen dem Drogenrausch und/oder Wahnsinn verfallen, erreicht Stel das Signal einer Sonde, die vielleicht doch einen bewohnbaren Planeten gefunden hat. Neben dieser globalen Katastrophe muss sie sich außerdem mit dem persönlichen Schicksal arrangieren, dass es mit ihrer Familie nicht gut gemeint hat.

Remender und Tocchini schufen hier eine komplexe Welt und komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen, die der Leser so zwischen den Seiten herausschälen muss. Vielleicht soll die Unvollständigkeit der Zeichnungen ja bewusst Platz für eigene Reflexion lassen?

Science-Fiction und Dystopie bis zur völligen Vernichtung der Menschheit – ein thematisches Grenzerlebnis, genau wie „Low“. Und trotzdem ‑ direkt nach der letzten Seite möchte man mehr!

Handlung

Die Sonne stirbt – mit dieser Tatsache müssen sich die letzten Menschen der Erde anfreunden. Und um den tödlichen Strahlen des sterbenden Sterns zu entkommen, bauen sie riesige Städte am Grund der Ozeane. Doch keine der Sonden, die man aussendet, um einen neuen bewohnbaren Planeten aufzuspüren, wird fündig. Zehntausend Jahre vergehen und allmählich schwindet jede Hoffnung auf Rettung. Doch Stel Caine ist eine unverbesserliche Optimistin. Sie kann und will nicht akzeptieren, dass das Ende unausweichlich ist. Trotz der Schwierigkeiten, Nahrung für die letzten Menschen zu finden. Trotz der riesigen Gefahren der Tiefsee. Trotz einer Sonne, die kurz davor ist, zur Nova zu werden. Stel Caine gibt nicht auf. Sie ist die letzte Hoffnung einer zum Sterben verurteilten Menschheit …

Rick Remender und Greg Tocchini, das Team, das „The Last Days of American Crime“ inszenierte, erzählen in diesem farbenprächtigen, packenden Science-Fiction-Epos von einer Handvoll Menschen, die sich dem Schicksal nicht kampflos ergeben.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage
Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.10.2015
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-95839-098-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer