Review

„Menschen verschwinden. Menschen sterben.“
So steht es im Klappentext des Debütromans „Messertanz“ von Katja Bohnet geschrieben und so schreibt es auch manchmal das Leben. Glücklicherweise hält das Leben aber nicht für jeden von uns die Geschichte einer tödlichen Familienfehde parat, denn was einen damit erwarten würde, erfährt man in Bohnets Thriller – und der fällt teilweise ziemlich blutig aus. Doch beginnen wir – wie die Autorin auch – mit den kleinen Macken des Werkes, ehe die Vorzüge zum Vorschein kommen.

Die von Bohnet angebrachten Vergleiche wirken zu Beginn – sofern man mit den Figuren noch nicht vertraut genug ist – teils ein wenig hinkend, da sie ohne Bezug zum Kontext ausgewählt wurden. Vergleich dazu beispielsweise S. 36 – „Lopez schüttelte den Kopf, tadelnd, als hätte gerade jemand eine sexistische Bemerkung gemacht“.
An anderer Stelle wiederholen sich solche Vergleiche bzw. ähnliche Formulierungen derart kurzfristig hintereinander, dass sie den Lesern förmlich ins Auge springen (vgl. hierzu S. 18 – „Wie ein treuer Hund, der nur einen Herrn kannte.“ und S. 22 – „Dass er sie plötzlich duzte, akzeptierte sie wie ein Hund seinen Herrn.“)
Die einen nehmen diesen „Kritikpunkt“ auch als solchen wahr, den anderen mag die Erwähnung desselben eventuell kleinlich erscheinen. Fakt ist, dass sich dieses Phänomen im Verlauf des Romans erfreulicherweise nicht mehr wiederholt. Stattdessen sorgt eine gehobene, aber stets flüssig zu lesende Wortwahl (inklusive einiger Fremdwörter, durch die sich Bohnet einer Zuordnung zur Trivialliteratur fast schon entzieht) für einen gewissen Anspruch, während kurze Sätze, Kapitel und Absätze das Lese- und Handlungstempo fördern. Insgesamt wirkt „Messertanz“ vor allem durch diese rasante Geschwindigkeit sehr kurzweilig.

Der Thriller weist außerdem sowohl realistische als auch psychologische Aspekte auf, sie werden aber – den 304 Seiten entsprechend – nicht allzu tiefgreifend, sondern eher oberflächlich integriert. Diesbezüglich mag zum Ausdruck kommen, dass sich Katja Bohnet bisher auf Kurzgeschichten fokussiert hat.
Doch auch mit einem Roman kann die Autorin auf der literarischen Bildfläche bestehen, und so macht sie es den Lesern durch einen gelungenen Aufbau ihrer Geschichte leicht, sich in „Messertanz“ zurechtzufinden.

Peu à peu werden die einzelnen der vielen Charaktere eingeführt, sodass sich die Leserschaft langsam an die „neuen Gesichter“ gewöhnen kann, ohne bei der zunehmenden Masse und den schon bald erahnbaren Zusammenhängen (und den zusätzlich eingeflochtenen unterschiedlichen Zeitebenen, welche den Lesern Einblicke in die Vergangenheit der Figuren gewähren) den Faden zu verlieren. Vielmehr ertappt man sich dabei, frühzeitig zu rätseln, wo die Handlung wohl hinführen wird.

Katja Bohnet (Copyright: Katja Bohnet)

Katja Bohnet (Copyright: Katja Bohnet)

So wie die Autorin zwischen ihren Figuren pendelt und über sie immer mehr Details preisgibt, switcht sie – wenngleich sehr strukturiert und weniger oft – zwischen den Schauplätzen Berlin, Sankt Petersburg und Moskau.

Zunehmend laufen die unterschiedlichen Fäden der Handlung von „Messertanz“ zusammen und ergeben ein plausibles Bild, das kaum konstruiert wirkt. Glaubhaft findet der Thriller damit sein Ende, dem nur die zusätzliche Information über die Identität eines Komplizen ein wenig aufgesetzt scheint.

Insbesondere der Ansatz, dass Täter auch Opfer sind, den Katja Bohnet des Öfteren mal subtil, mal offensichtlicher zum Ausdruck bringt, regt partiell zum Nachdenken an, erzeugt sogar stellenweise Mitgefühl und hat schließlich ein authentisches Verstehen und Nachvollziehen der Handlung zur Folge.

Wer den blutrünstigen, aber insgesamt recht gemäßigten und kompakten literarischen Thrill innerhalb einer Familienfehde sucht, ist mit Katja Bohnets Debüt „Messertanz“ gut bedient.

Inhalt

Menschen verschwinden.
Menschen sterben.

Erstochen und verstümmelt wird Alla Kusmin in einer Wohnung in Berlin-Marzahn gefunden. Viktor Saizew und Rosa Lopez vom LKA Berlin werden mit dem Fall betraut. Die beiden beginnen, Nachforschungen in der Familie der Ermordeten anzustellen, und geraten in einen Sumpf von Korruption, in dem selbst die Täter Opfer sind. Die Spur führt nach Russland – aber auch tief in die Vergangenheit der zwei eigenwilligen Ermittler.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Katja Bohnet, Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.

(Quelle: Knaur Verlag)

Katja Bohnet – Homepage
Katja Bohnet – Facebook

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.12.2015
Seitenzahl: 304
ISBN: 978-3-426-51674-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde