Review

Bereits mit ihrem Debüt „Messertanz“ sorgte Katja Bohnet für einen literarischen Thrill, durch den die Autorin kurzerhand von der Presse als „aufregende neue Stimme im deutschen Thriller“ gefeiert wurde. Nun legt sie mit ihrem neuen Roman „Kerkerkind“ nach und serviert den Lesern eine nicht minder blutrünstige und spannende Geschichte rund um ihr bereits etabliertes Ermittlerduo Rosa Lopez und Viktor Saizew.

Wie schon im Vorgänger beschränkt sich Bohnet auch in „Kerkerkind“ auf nicht nur einen Schauplatz. So pendelt der Leser im Laufe der Handlung von Berlin nach Schweden sowie Dänemark und wieder zurück in die Bundeshauptstadt. Unübersichtlich wird es trotz dieser Wechsel und der komplexer werdenden Handlung allerdings zu keinem Zeitpunkt, denn während die Schauplatzwechsel mit eigenen Kapiteln gekennzeichnet werden, sorgt die Knappheit des nur 336-seitigen Thrillers dafür, dass die Handlung nicht auszuufern droht.

Angesichts der Kurzweil des Buches ist es jedoch erstaunlich, dass sich Bohnet auf (zu) vielen Seiten den privaten Nebenhandlungen rund um die Protagonisten widmet. Obschon die Charaktere dem Leser dadurch vertrauter und plastischer erscheinen, verliert die Autorin den Aspekt der Ermittlungen leicht aus den Augen.
Gleichzeitig büßt „Kerkerkind“ somit phasenweise einiges an Spannung ein. Dennoch bekommt Bohnet immer wieder die Kurve – nicht zuletzt beispielsweise durch weitere plötzliche Todesfälle. Indem sie diese in all ihrer Brutalität schildert und detailreich beschreibt, gelangt auch die Leserschaft wieder in medias res.

Katja Bohnet (Copyright: Benedikt Ernst)

Insgesamt muss der Leser nicht auf zahlreiche Details verzichten. Parallel dazu sorgt das hohe Tempo der Handlung für eine rasante Lesegeschwindigkeit. Gewöhnungsbedürftig und dem Lesefluss nicht gerade zuträglich ist zunächst allerdings der Schreibstil der Autorin. Wer „Messertanz“ noch ein wenig im Kopf hat, wird auf die kurzen Sätze Bohnets gefasst sein; allen anderen sei gesagt, dass sich das Weiterlesen lohnt, denn schnell gewöhnt man sich an die Eigenart der Autorin, die dadurch einmal mehr die schnelle Entwicklung der Geschichte unterstreicht. Durch die letztlich zudem verwendete niveauvolle Ausdrucksweise, die auch so manches Fremdwort parat hält, hebt sich Bohnet von einigen Kollegen des Genres ab und beweist, dass Unterhaltungsliteratur nicht immer auch trivial ausfallen muss, um zu überzeugen.

Eine gewisse Aktualität, interessante Wendungen und eine plausible Auflösung des Falls machen aus „Kerkerkind“ außerdem eine runde Sache. Gerade für die kurzweilige Berieselung, ohne auf elementare Eigenschaften eines Thrillers verzichten zu müssen, eignet sich Bohnets neues Werk gut.

Inhalt

Berlin brennt

Eine Hitzewelle liegt über Berlin. Im Wannseeforst findet man die verbrannte Leiche einer schwangeren Frau. Wer erstach die Türkin und zündete sie dann an?
Rosa Lopez und Viktor Saizew sollen unter Hochdruck für das Landeskriminalamt ermitteln. Aber Lopez erwartet bald ihr drittes Kind, und Viktor leidet unter den Spätfolgen seines Hirntumors.
Der Verdacht fällt auf den Mann des Mordopfers, der kein Alibi vorweisen kann. Doch dann tauchen weitere männliche Leichen auf, unter ihnen auch der Verdächtige, die Köpfe abgehackt und zur Schau gestellt.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Katja Bohnet
Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.02.2018
Seitenzahl: 336
ISBN: 978-3-426-52093-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde