Review

Wenn die Toten wiederauferstehen und sich herausstellt, dass sie niemals tot waren – dass sie aber eigentlich auch nie wirklich gelebt haben und alles nur ein großes Bäumchen-wechsel-dich-Spiel war. Tja, dann kann man sich entweder kneifen und aus einem bösen Traum aufwachen … oder man sieht der Mad Tea Party im Hause Kuonji ins Auge und versucht im verwirrenden Treiben nicht den Überblick zu verlieren.

Das zumindest steht Stella bevor. Sie befindet sich nach altem Brauch ihrer Adoptiv-Familie gerade im größten Kampf ihres Lebens um den Platz als neues Oberhaupt der Familie. Diese mordlustige Situation wurde vom aktuellen Oberhaupt – Mutter Olga – ausgerufen: Alle neun Geschwister müssen binnen eines Jahres miteinander kämpfen, bis nur noch ein Kind übrig bleibt. Stella ist die vierte Tochter und besteht die Kämpfe nur dank ihres Alter Egos Bloody Alice. Doch die Strapazen setzen ihr zu.

All das Leid erträgt die 15-Jährige nur durch die Aussicht auf ein Leben mit ihrem geliebten großen Bruder Zeno. Doch als sich herausstellt, dass er gar nicht der zu sein scheint, für den sie ihn immer gehalten hat, zieht sich Stella in ihr Inneres zurück. Der Weg wird frei für Bloody Alice. Doch die hat ihre Rechnung ohne Tsukito gemacht. Als er sein wahres Ich offenbart, erwacht Stella wieder und versucht die Kontrolle über ihren Körper zurückzugewinnen.

Ihr gelingt es zwar, doch Alice ist seither verschwunden. Noch kaum hat sie die Wahrheit über ihren großen Bruder verdaut, da bahnt sich bereits der nächste Kampf mit ihrer ältesten Schwester Ibara an. Und auch wenn ihr Vater scheinbar mit Stella gemeinsame Sachen gegen Olga machen will, kann er ihr doch in der Arena nicht beistehen. Stella bleibt nur übrig, Bloody Alice zu suchen. Doch diese lässt sich nur mit einem Deal darauf ein, Stella nochmals zu retten: Sie darf einen Monat ihren Körper für sich haben. Ob diese Entscheidung weise ist…?

Der sechste Band von „Alice in Murderland“ ist mit einem Wort gesprochen: verwirrend. Es werden viele lose Enden der Handlung aus vorhergehenden Teilen zwar wieder aufgegriffen und miteinander verknüpft, aber mindestens genauso viele neue Punkte baumeln frei im Raum herum. Und die Erklärungen sind teilweise noch immer verschachtelt und unvollständig und dadurch – ja, ein wenig frustrierend.

Auf der anderen Seite muss man auch ehrlich sagen: So bleibt das Ganze einfach spannend. Die Autorin gibt nicht alles preis, sie lässt den Leser kaum etwas jenseits von Stellas Blickwinkel sehen. Wir erhaschen nur kleine Einblicke, die zugleich faszinieren und frustrieren. Denn wir wollen mehr! Wie wird es mit Tsukito weitergehen? Wer ist der falsche Zeno in Wirklichkeit? Und was wird Alice nur mit Stellas Körper anstellen? Fragen über Fragen, für die man definitiv Geduld mitbringen muss. Denn so schnell scheint die Mangaka uns noch nicht vom Haken lassen zu wollen.

Dafür erfüllt Kaori Yuki natürlich wieder einmal voll und ganz die Erwartungshaltung, was das Optische angeht. Die Kleider und Frisuren sind detailreich, die actionreichen Kampfszenen wirklich dynamisch. Einzig der tiefschwarze Humor bleibt auch in diesem Teil ein wenig im Hintergrund – um nicht zu sagen: auf der Strecke. Somit ergibt sich als Fazit: Es bleibt spannend im Hause Kuonji. Doch Kaori Yuki muss aufpassen, dass der Tee nicht langsam kalt wird oder schal schmeckt. Denn zu viel Aufregung ist nicht gut fürs Herz und zu viel Frustration auch nicht für die Lesefreude.

Handlung

Die blutigen Spiele sind eröffnet!

Jeden Monat treffen sich die Mitglieder der superreichen und extrem einflussreichen Familie Kuonji zu ihrer „Mad Tea Party“ – die einzige bewährte Familientradition. Auf einem jener Treffen teilt die Mutter Olga Kuonji ihren neun Kindern eine völlig unerwartete und schreckliche Nachricht mit: Die Geschwister müssen solange gegen einander kämpfen, bis nur noch einer von ihnen lebt und so zum neuen Oberhaupt des Clans wird …

(Quelle: Carlsen Verlag)

Details

Format: Großtaschenbuch
Veröffentlichung: 31.10.2017
Seitenzahl: 178
ISBN: 978-3551743978
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Silvana
Silvana

A Cat is Purrfect.