Review

Der neueste Kino-Blockbuster „Justice League“ des DC Extended Universe spaltet die Massen, lässt aber zumindest eine nicht unerhebliche Zahl der Fans abermals enttäuscht zurück.

Wer trotzdem – oder gerade deswegen – weiterhin Lust auf die Abenteuer der Gerechtigkeitsliga hat, der kann zu dem üppigen, über 280 Seiten starken Sammelband „Justice League of America: Der kryptonische Gott“ aus dem Hause DC beziehungsweise Panini von Comic-Autor und -Zeichner Bryan Hitch („Justice League 1: Die Auslöschungs-Maschine“, „America’s got Powers“, „Die Ultimativen“) greifen.

Die Storyline erschien bereits zwischen April 2016 bis März 2017 in den einzelnen Heften „Justice League of America 1-5“ bei Panini Comics und liegt hier nun komplett vor.

Inhaltlich lässt sich der Band wie folgt skizzieren:
Superman erhält unter seinem bürgerlichen Namen eine Einladung der mysteriösen Infinity Corporation, was dazu führt, dass er eine verstörende Erfahrung machen muss: Er sieht seinen eigenen, vielfachen Tod beziehungsweise den Tod von Versionen seiner selbst mit an. Auch einige andere Mitglieder des größten Superhelden-Teams der Erde erhalten ominöse Einladungen, was wiederum zu einer Schlacht mit dem Energiesauger Parasit führt. Dieser ist in der Lage, die Kräfte seiner Kontrahenten zu absorbieren und hält zunächst Batman, Wonder Woman, Flash und Green Lantern gehörig auf Trab.

Im weiteren Verlauf sieht die Welt dann die Ankunft des titelgebenden (alt)kryptonischen Gottes Rao von Supermans Heimatwelt Krypton mit an. Rao entpuppt sich bereits kurz nach seiner Ankunft auf der Erde als Heilsbringer und Wohltäter der Menschheit; schließlich ist der weißhaarige allmächtige Fremde mithilfe seiner Jünger fähig und willens, Krankheiten zu heilen, Hungersnöte zu beseitigen und gar den Tod zu überwinden. Doch während Superman dem Gott seiner Heimatwelt bedingungslos vertraut und der Ansicht ist, die Welt sei nun ein besserer Ort, liegt es – typischerweise – bei Batman, argwöhnisch zu sein und die vermeintlich altruistischen Motive von Rao in Zweifel zu ziehen. Daher arbeiten Batman und Cyborg insgeheim an einem Mittel, um den kryptonischen Gott im Notfall  bezwingen zu können. Unterdessen verschlägt es Wonder Woman auf den einsamen und verlassenen Olymp, während Flash und Green Lantern ungewollt zu einer Zeitreise aufbrechen …

Obwohl die Inhaltsangabe sicher kryptisch ist, soll hier viel mehr schon nicht verraten werden, um Interessierten nicht das Lesevergnügen zu verderben.

Abgesehen von geringfügigen Ausnahmen werden die vorliegenden Abenteuer der JLA von Bryan Hitch höchstpersönlich gezeichnet und auch die Story stammt aus dessen Feder. Dabei hat Hitch hier an sich alle Zutaten, die er braucht, um eine packende Geschichte zu erzählen: Einen (alt)kryptonischen Gott, der selbst die Macht von Superman in den Schatten stellt, größtenteils getrennte Superhelden, die sich einzeln beweisen müssen, und noch dazu einige rätselhafte Machenschaften; allein der Funke will nicht gänzlich überspringen.

Leseprobe aus „Justice League of America: Der kryptonische Gott“ (Copyright: Panini Comics)

Das liegt insbesondere daran, dass einem äußerst ausführlichen und behutsamen Aufbau der Storyline, während dem nicht nur Batman, sondern auch der Leser Raos Absichten mehr und mehr anzweifeln muss, ein Showdown gegenübersteht, der sich ausgesprochen übereilt und unbefriedigend anfühlt. Man wird das Gefühl nicht los, Bryan Hitch hätte noch einige Seiten mehr benötigt, um diese Geschichte einem gebührenden Ende zuzuführen.
Störend ist auch, dass bis zum Ende noch einige unbeantwortete Fragen offen bleiben, insbesondere in Bezug auf die rätselhafte Infinity Corporation. Dass sich sein Abenteuer zeitweise aber durch Raum und Zeit zieht, ist ein Aspekt, der es facettenreicher und bunter macht.

Das Artwork ist typisch Hitch-esk, wenn man so formulieren möchte. Die großspurigen Actionszenen gelingen bildgewaltig und eindrucksvoll und verleihen dem Epos eine angemessene Optik. Die meisten seiner Lieblingsfiguren von der Justice League of America inszeniert er auch treffsicher. Lediglich das eine oder andere Gesicht misslingt ihm, wobei die Darstellung der Amazonenprinzessin im Ganzen recht unglücklich erscheint – zu maskulin und grobschlächtig kommt sie regelmäßig daher. 

Unterm Strich ist Bryan Hitchs „Justice League of America: Der kryptonische Gott“ sicherlich kein „must read“, aber durchaus noch ein kurzweiliges Lesevergnügen, das eine (zurückhaltende) Empfehlung verdient.

Inhalt

Comic-Ikone Bryan Hitch widmet sich zum ersten Mal seinen Lieblingsfiguren von der Justice League of America und schickt Superman, Batman und Co. in ein episches Abenteuer durch Raum und Zeit.
Dabei wird vor allem der Mann aus Stahl auf die Probe gestellt, als der allmächtige kryptonische Gott Rao auf der Erde erscheint und sie in ein Paradies verwandelt. Doch welchen Preis müssen die Menschen dafür zahlen?

(Quelle: Panini Comics)

Autoren

Bryan Hitch
(*22. April 1970) ist ein britischer Comicbuchkünstler.

Bryan Hitch – Twitter

Tony Bedard
ist ein amerikanischer Comicautor.

Tony Bedard – Facebook
Tony Bedard – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 28.11.2017
Originalausgaben: Justice League of America (2015) 1-4 / 6
Seitenzahl: 284
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?