Review

„Verstörend“ ist wohl das richtige Wort, um das erste Buch der „Southern Reach“-Trilogie von Jeff VanderMeer zu beschreiben. „Verstörend“ und natürlich „brillant“.

Der Autor schildert dort den Aufenthalt einer namenlosen Biologin in einer „ökologischen Anomalie“. Diese Area X ist von dermaßen vielen Geheimnissen umwoben, dass eine eigene Regierungsbehörde seit Jahrzehnten an ihrer Erforschung arbeitet. In diese Tätigkeit taucht der Leser nun in der Fortsetzung „Autorität“ ein.

Zunächst ein Perspektivenwechsel. Control ist der Sohn einer erfolgreichen Agentin und eines erfolglosen Künstlers. Allerdings hat er vom Talent seiner Eltern wenig mitbekommen, sodass er als halb gescheiterte Figur nach Southern Reach kommt. Vor den Toren von Area X herrscht Weltuntergangsstimmung. Dass mit der letzten Expedition ins Unbekannte, die Expedition mit der Biologin, auch die Direktorin des Institutes verschollen ist, hat diesen Zustand potenziert. Nun soll Control es also richten.

Dabei ist eigentlich noch gar nicht wirklich klar, welche Gefahr von Area X ausgeht. Fest steht: Dort herrscht reinste Natur. Ohne einen menschlichen Abdruck. Und alle bisherigen Expeditionen waren absolute Fehlschläge. Irgendetwas passiert mit den Menschen in diesem wunderschönen, grausamen Küstenstreifen.

Was er dort allerdings vorfindet, ist mysteriöses Chaos. Schlicht gesagt. Ebenso schlicht könnte man die bisherigen Forschungsergebnisse mit „denn sie wissen nicht, was sie tun“ zusammenfassen. Wobei es immerhin Fragmente gibt, die es zu entdecken gilt. Dabei entpuppt sich nicht nur die Anomalie als Gefahr, sondern auch die Menschen um Control herum. Komplotte, soweit das Auge reicht. Kleinkarierte, verbohrte Hinhaltetaktiken, Verrückte und Sinnlosigkeit prägen den Aufenthalt. Nur gelegentlich vermag Control noch in so etwas wie Normalität auszubrechen. Was er nun Stück für Stück freilegen kann, ist gleichzeitig so diffus wie furchteinflößend.

Jeff VanderMeer, das muss an dieser Stelle mal festgehalten werden, schafft es, durch Verschweigen der brutalen Realität so viel Spannung aufzubauen, dass sich Seite um Seite die Haare auf den Unterarmen aufstellen. Großes Können, das er bereits im ersten Band bewies und auch in der Fortsetzung genau so durchzieht.

Jeff VanderMeer (Copyright: Jeff VanderMeer)

Allerdings durchbricht er gelegentlich auch diese Kontinuität. Beispielsweise erfährt der Leser den Namen des sonst so gesichtslosen Control. Ein Schock, wenn man die auf das Wesentliche reduzierten Charaktere aus dem ersten Band vor Augen hat. Außerdem entschied er sich, erstmals konkrete Begriffe wie „Außerirdische“ oder „Mimikry“ seinen Figuren in den Mund zu legen. Ohne hier aber wirklich Stellung zu beziehen, bleibt es dennoch bei dem Mysterium Area X. Größter Unterschied zum Auftakt der Trilogie ist allerdings der Agenten- und Politthriller-Anteil.

Gerade dieses Agentengeplänkel wirkt manchmal etwas umständlich und realitätsfern. Hier bekommt die mysteriöse Aura einen kleinen Knacks ‑ es fehlt (überspitzt gesagt) nur noch, dass sich Control mit Anträgen und Bescheiden rumärgern muss.

Aber trotz dieses kleinen Mankos webt VanderMeer wieder düstere Atmosphäre. Die Bedrohung durch Area X wirkt nicht nur unmittelbar, sondern auch durch die gedrückte Stimmung, die in Southern Reach vorherrscht. Unter diesen Vorzeichen ist auch „Autorität“ absolut gelungen. Die Spannung vor dem finalen Band steigt damit ins Unermessliche.

Handlung

„Autorität“ – der zweite Teil der mit dem Hugo, dem Nebula, dem BSFA und dem World Fantasy-Award ausgezeichneten „Southern-Reach“-Trilogie.

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die in „Auslöschung“ geschildert wurde, befindet sich Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf der Organisation, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst und die Organisation, der er die Treue geschworen hat …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Jeff VanderMeer
wurde 1968 in Pennsylvania geboren und wuchs auf den Fidschi-Inseln auf. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Science-Fiction-Autor, unter anderem mit dem renommierten World Fantasy Award, und Herausgeber zahlreicher Anthologien. Jeff VanderMeer lebt in Tallahassee, Florida.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.05.2017
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3-426-51805-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer