Review

Wo liegt die alles erstickende Frucht die aus der Hand des Sünders erwuchs Ich werde die Saat der Toten gebären und mit den Würmern teilen die …“ (S. 58) ‑ verstörende Worte, die Jeff VanderMeer in seinem Trilogie-Auftakt „Auslöschung“ dem Leser wieder und wieder entgegenschleudert. Damit spinnt der Science-Fiction- und Fantasyautor auf nicht ganz 250 Seiten eine düstere Story rund um ein geheimnisvolles Naturphänomen.

Dabei sollte ein unberührtes Stück Küstenlandschaft doch per se erst mal etwas Gutes sein. Von diesem bestimmten Gebiet an der amerikanischen Küste scheint jedoch Unheil auszugehen. Während sich die Natur unaufhaltsam ausdehnt, kommen die Menschen einfach nicht hinter den Ursprung der mysteriösen Vorgänge. Das Southern Reach-Institut hat sich der Erforschung dieser „Area X“ verschrieben. Bisher sandte sie elf Expeditionen zur Erforschung aus. Die meisten Expeditionsteilnehmer starben jedoch. Und wer doch zurückkehrte, war nicht mehr der Alte …

Trotzdem finden sich auch für einen zwölften Todesausflug noch Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen. Vier Frauen sollen dieses Mal dem Landstrich seine Geheimnisse entlocken. Eine dieser vier, die Biologin, schildert in „Auslöschung“ nun dem Leser ihre Erlebnisse. Wie sie zunächst auf den Einsatz mittels Trainings und Hypnose vorbereitet wurden, wie sie Area X erreichten und was sie zunächst vorfanden. Als Biologin schlug ihr Herz beim Anblick der Lebensräume und kruden, nicht ganz greifbaren Veränderungen der natürlichen Ordnung schnell höher. Abgesehen von diesen ungewöhnlichen kleinen Details scheint der Ort allerdings nichts objektiv Böses an sich zu haben.

Dennoch beginnt schon nach kurzer Zeit alles schief zu gehen. Es entbrennt Uneinigkeit und Streit unter den namenlosen Teilnehmerinnen. Unruhe macht sich breit. Sogar die Psychologin, die nur zur Stabilisierung der Gruppe dabei ist, beginnt sich merkwürdig zu verhalten. Als die Biologin dann in einer Ruine unbekannte Pilzsporen einatmet, beginnt sie hinter die Fassade zu schauen ‑ und entwickelt ein merkwürdiges „Leuchten“…

Klingt irgendwie komisch? Ja, aber ganz ehrlich: Die Handlung von „Auslöschung“ auch nur ansatzweise gut zusammenzufassen, ist schwer möglich. Denn objektiv passiert in diesem Roman gar nicht so viel. Und schon gar nichts Dramatisches. Aber in den wenigen, sorgfältig gesetzten Worten und Szenen steckt unwahrscheinlich viel Atmosphäre, die beim Lesen regelmäßig für Gänsehaut sorgt.

Jeff VanderMeer (Copyright: Jeff VanderMeer)

Was genau sich nun genretechnisch hinter „Auslöschung“ verbirgt, bleibt nach dem ersten Buch noch unklar. Ist es Science-Fiction? Dystopie? Mystery? Ein Thriller? Auf jeden Fall vereint die Geschichte bisher gekonnt eine Vielzahl typischer Attribute dieser unterschiedlichen Genres. Dabei geht VanderMeer derart brillant mit seinen Stilmitteln um, dass ein dichter, atmosphärischer Teppich aus Spannung und leichtem Grusel entsteht. Zudem schreibt er äußerst konsequent. Ein guter Teil des Nervenkitzels liegt hier nämlich im Unbekannten. Also quasi in allem, denn abgesehen von Chiffren wie „Area X“ oder dem „Southern Reach-Institut“, tragen die Dinge keine individuellen Namen. Dadurch bleibt uns auch die Protagonistin stets eher distanziert.

Leicht schweißgebadet oder zumindest mit einem flauen Gefühl in der Magengegend nimmt man schließlich das Ende dieser Geschichte hin und weiß schon beim Weglegen von „Auslöschung“, dass man die Fortsetzung definitiv lesen muss.
Wer auch nur entfernt ein Fan von Spannung, Mystik und düsterer Atmosphäre ist, sollte hier definitiv zugreifen. Absolute Leseempfehlung!

Handlung

Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt. An ihrer Seite betritt der Leser Area X. Und kann sich weder der Faszination noch dem Grauen entziehen.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Jeff VanderMeer
wurde 1968 in Pennsylvania geboren und wuchs auf den Fidschi-Inseln auf. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Science-Fiction-Autor, unter anderem mit dem renommierten World Fantasy Award, und Herausgeber zahlreicher Anthologien. Jeff VanderMeer lebt in Tallahassee, Florida.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.03.2017
Seitenzahl: 240
ISBN: 978-3-426-51804-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer