Review

Nach den zuvor erschienenen „James Bond 007: VARGR (Band 1)“ und „James Bond 007: Eidolon (Band 2)“ präsentiert der Splitter-Verlag seinen geneigten Lesern nun bereits die dritte Auskopplung der Serie mit „James Bond 007: Hammerhead“, dem wir uns hier widmen wollen.

Für die Leser, die erst jetzt einsteigen möchten, was aufgrund der Episodenhaftigkeit der neuen 007-Comic-Abenteuer durchaus möglich ist, sei noch einmal der Hinweis erlaubt, dass wir hier eher einen hartherzigen und brutalen Agenten statt eines smarten, eleganten Charmeurs zu sehen bekommen.

Der Agent der Doppel-Null-Abteilung ist hier wieder global unterwegs, so verschlägt es ihn etwa nach Venezuela, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder auch in den Jemen. Ausgangspunkt ist allerdings seine Jagd auf den radikalen Antikapitalisten, der sich „Kraken“ nennt; diese Verfolgungsjagd soll sich dann auch durch den gesamten Band ziehen.

Zu Beginn der Ausgabe stellt Bond einen Hacker in Caracas, über den er an dessen Auftraggeber, Kraken, herankommen will. Allerdings stirbt dieser einzige potenzielle Informant und der MI6 tappt zunächst im Dunkeln, worüber Bonds Vorgesetzter M alles andere als erfreut ist. Angriffsziel von Kraken ist der britische Rüstungskonzern Hunt Engineering und dessen Nuklearwaffen, da der Konzern kürzlich den Auftrag bekam, die sogenannten Trident-Raketen zu ersetzen. Mehr oder weniger zur Strafe für seinen misslungenen Einsatz wird Bond von M damit beauftragt, zur Waffenmesse nach Dubai zu fliegen, falls Kraken erneut versuchen sollte, Hunt zu infiltrieren. Auf jener Waffenmesse in Dubai soll Bond nicht nur den Mogul Bernard Hunt, sondern insbesondere auch dessen Tochter Victoria Hunt kennenlernen; eine äußerst attraktive junge Frau (oder auch Bond-Girl), die später freilich auch seinem Charme erliegen soll. Diese macht den Doppel-Null-Agenten kurz darauf mit der titelgebenden Waffe „Hammerhead“ bekannt, einer Schienenkanone.

Die Mündungsgeschwindigkeit liegt bei Mach 10. Hammerhead kann einen suborbitalen ballistischen Sprengkopf bis zu 2000 Meilen weit schießen.  

Alles verstanden? Macht nichts, ich auch nicht; jedenfalls handelt es sich um eine sehr gefährliche Waffe. Kurz darauf soll bei einer Soiree im Blue Pearl Aquarium in Dubai alles drunter und drüber gehen. Es kommt zu einem Anschlag, gefolgt von reichlich Action und noch mehr Action. Ist Bond aber womöglich das Opfer eines abgekarteten Spiels geworden? Das müsst ihr mit der Lektüre von „James Bond 007: Hammerhead (Band 3)“ selbst herausfinden.

Erschrocken muss man hier zunächst mit einem Blick auf das Cover einen gänzlichen Tapetenwechsel registrieren, da dieser Bond-Ableger erstmals nicht mehr von dem Kreativteam aus Autor Warren Ellis und Zeichner Jason Masters stammt, die bisher so grandiose Arbeit geleistet haben. Sie übergeben den symbolischen Staffelstab an ihre Nachfolger: Autor Andy Diggle (z.B. „Green Arrow: Das erste Jahr“) und Zeichner Luca Casalanguida. Zur Beruhigung aller soll hier jedoch ausdrücklich betont werden, dass dies der künstlerischen Qualität keinerlei Abbruch tut.

Leseprobe aus „James Bond 007: Hammerhead (Band 3)“ (Copyright: Splitter-Verlag)

Andy Diggle erzählt ebenfalls eine Story über einen brachialen, rohen und unsensiblen Agenten mit der Lizenz zum Töten. Teilweise ist die Story zwar etwas verworren und man hätte sich etwas mehr Hintergrund und Motivation für den Antagonisten gewünscht, da der Fokus hier aber vor allem auf der Action und den zahlreichen Kampfsequenzen liegt, mag man ein Auge zudrücken. Zu gefallen weiß etwa auch Diggles Kniff, die Beziehung zwischen 007 und Miss Moneypenny aufzugreifen, die ein klassisches, wiederkehrendes Element auch der Filme ist; so flirtet Bond zwar mit der Chefsekretärin von M, indes erfolglos. Dabei zeigt sich hier aber auch ihre Eifersucht auf dessen Gespielin.

Bekanntlich verstand es schon Jason Masters ganz hervorragend, uns mit seinem Artwork noch mehr für die Abenteuer des berühmtesten Agenten ihrer britischen Majestät im Comic-Format zu begeistern. Nichts für ungut, aber noch besser gefällt das Artwork von Luca Casalanguida, der seinen brutal-skrupellosen und adrenalingetriebenen Bond unglaublich versiert in Szene setzt; obschon dieser 007 eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem gewissen Bruce Wayne aufweist.

Wer bisher seine helle Freude an den neuen kompromisslosen Action-Abenteuern von 007 hatte, dem wird auch dieser dritte Comic des besten Agenten des MI6 zusagen. Wer nun aber von dieser Comic-Adaption so richtig begeistert ist, der wird nur ungern hören, dass „James Bond 007: Black Box (Band 4)“ erst für März 2018 angekündigt ist. Zumindest das Trostpflaster folgt aber auf dem Fuße, denn im September 2017 folgt immerhin noch „James Bond 007: Felix Leiter“ und erweitert den bisher wahnsinnig unterhaltsamen Bond-Kosmos weiter.

Inhalt

James Bond ist zurück – und erstmals nach zwanzig Jahren ist der berühmteste Agent ihrer britischen Majestät auch wieder im Comic zu sehen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein weiteres Kino-Abenteuer. Star-Autor Warren Ellis („Transmetropolitan“ etc.) hat sich für seine Neuinterpretation in „James Bond: VARGR“ stattdessen auf den Ur-Bond seines Schöpfers Ian Fleming berufen, versetzt ihn allerdings in die Gegenwart. Das heißt, 007 ist eher kaltschnäuzig als cool, mehr Chauvi als Charmeur, und die alte Playboy-Camouflage blättert sowieso schon seit längerem ab. Aber er hat nach wie vor die Lizenz zum Töten, und er ist entschlossen, sie zu nutzen. Nicht nur, weil er es gelegentlich muss. Sondern wohl auch, weil er es will. Denn der Bond von Fleming und Ellis ist sich über seinen Elite-Status im Klaren, weiß aber nur zu gut, was das eigentlich heißt: Dass er mit Aufgaben betraut wird, denen sich sonst kaum ein anderer stellt.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Andy Diggle
ist ein britischer Comicautor.

Andy Diggle – Homepage
Andy Diggle – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Vö-Datum: 01.06.2017
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-95839-506-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?