Review

Sein Name ist Bond, James Bond.

Die Bond-Filme begeistern seit langen Jahren das Publikum und nun erscheinen auch mal wieder Comics rund um den von Ian Fleming erfundenen Geheimagenten 007, der für den MI6, also die Auslandsspionage, arbeitet.
Die Storys um den Agenten mit der Lizenz zum Töten erscheinen in Amerika bei Dynamite Entertainment und werden den deutschen Lesern
dankenswerterweise mal wieder vom Splitter Verlag in Form von üppigen, prachtvollen Hardcover-Bänden präsentiert.

Bereits am 01.06.2016 erschien beim Splitter Verlag der hervorragende Einstieg mit „James Bond 007: VARGR (Band 1)“ in diese neue Bond-Interpretation von Star-Autor Warren Ellis („Transmetropolitan“, „Iron Man: Extremis“ etc.) und Zeichner Jason Masters (etwa „Guardians of the Galaxy“). Der exzellente Auftakt führte 007 u.a. nach Berlin, um einen Drogenhändler aufzuspüren. Der besondere Stil dieses James Bond-Comics drängt sich dem Leser schon nach Band 1 auf, aber dazu später mehr.

Nun widmen wir uns dem Nachfolger und zwar „James Bond 007: Eidolon“.
Gleich zu Beginn verschlägt es Bond nach Los Angeles, wo er auf seinen Freund und Kollegen Felix Leiter trifft, der seinerseits Agent des US-amerikanischen Auslandsgeheimdiensts CIA ist (am 01.09.2017 erscheint im Splitter Verlag ebenfalls die von Autor James Robinson geschriebene Story „James Bond – Felix Leiter“ und vergrößert den Bond-Kosmos). Eigentlich ist 007 aber in den Staaten, um die MI6-Mitarbeiterin Cadence Birdwhistle abzuholen. Diese hat zahlreiche Beweise für eine Reihe versteckter Transaktionen gefunden, wobei sie allerdings enttarnt worden ist. Dabei war sie einer immensen Verschwörung auf der Spur, die im Zusammenhang mit dem Begriff „Eidolon“ steht. Mehr wird dazu an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls ist Cadence wohl den falschen Leuten auf die Füße getreten, denn auf einmal haben es James und seine Begleiterin mit einem Killer-Team zu tun. Die beiden MI6-Mitarbeiter geraten ins Fadenkreuz und sehen sich einer tödlichen Gefahr ausgesetzt. Außerdem lauert im Hintergrund ein Gegner, der eine beeindruckende physische Erscheinung ist und Bond alles abverlangen soll.
In diesem Bond-Comic stellt sich dem Leser vor allem die Frage: Wem kann man eigentlich noch vertrauen?

Diese neue Bond-Interpretation von Warren Ellis und Jason Masters ist nicht immer gerade die feine englische Art; denn von 007 wird hier auch nicht gerade die feine Klinge geführt, vielmehr entledigt er sich seiner Feinde in aller Regel auf die harte Tour. In den Kampfszenen wird dabei atmosphärisch adäquat auf Dialoge verzichtet. Dadurch wirken sie noch sehr viel härter, realistischer und dreckiger, als sie es ohnehin schon sind. Überhaupt muss man sagen, dass insbesondere die Kampfszenen auf ganzer Linie überzeugen können und teilweise geradezu cineastisch wirken. Das brutale und grimmige Vorgehen von Bond erinnert dabei nicht im Allgemeinen an die Kino-Abenteuer von 007, kommt aber vor allem noch der Interpretation von Daniel Craig aus „James Bond 007: Casino Royale“ sehr nahe. Denn auch hier gibt es für den geneigten Leser vor allem raue, knallharte Agenten-Action und weniger elegante Momente (wie etwa mit Pierce Brosnan).

Leseprobe aus „James Bond 007: Eidolon (Band 2)“ (Copyright: Splitter Verlag)

Es sei der Hinweis erlaubt, dass Bond seine Lizenz zum Töten vorliegend sehr ernst nimmt; diese Art der brutalen und ungezähmten Berufsausübung hat etwas erfrischend Neues und Wirklichkeitsnahes (möglicherweise am ehesten die Inkarnation von 007, wie Ian Fleming sie erdacht hat); sie ist aber ob der expliziten Gewaltdarstellung ganz sicher nichts für zarte Gemüter (oder etwa jüngere Leser).

Im Gegensatz zu Band 1 kommt der Doppel-Null-Agent hier aber auch mal wieder als Womanizer zum Einsatz; ein bisschen Tradition der Kino-Abenteuer gibt es also auch; wenngleich Bond hier andererseits Bourbon anstelle des (klassischen) Martinis bevorzugt.

Außerdem ist noch die ausgesprochen stylishe Optik des Comics hervorzuheben; hier gibt es eine dichte Atmosphäre, realistischen Zeichenstil und die Panels sind in herrlichen Farben koloriert. Zudem wurden vor allem Nebenpersonen, wie beispielsweise Moneypenny und M, einer erfrischenden Modernisierung unterzogen (beide sind dunkelhäutig).

Für Fans von knallharten Actionsequenzen ist dieser Band absolut eine Empfehlung wert und auch für langjährige Fans der Bond-Filme dürfte diese etwas andere Version ihres geliebten Agenten mit der Lizenz zum Töten einen Blick wert sein.

Inhalt

James Bond ist zurück – und zwar nicht nur auf der Leinwand, sondern erstmals nach zwanzig Jahren ist der berühmteste Agent ihrer britischen Majestät auch wieder im Comic zu sehen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein weiteres Kino-Abenteuer. Star-Autor Warren Ellis („Transmetropolitan“ etc.) beruft sich stattdessen auf den Ur-Bond seines Schöpfers Ian Fleming, versetzt ihn allerdings in die Gegenwart. Das heißt, 007 ist eher kaltschnäuzig als cool, mehr Chauvi als Charmeur, und die alte Playboy-Camouflage blättert sowieso schon seit längerem ab. Aber er hat nach wie vor die Lizenz zum Töten, und er ist entschlossen, sie zu nutzen. Nicht nur, weil er es gelegentlich muss. Sondern wohl auch, weil er es will. Denn der Bond von Fleming und Ellis ist sich über seinen Elite-Status im Klaren, weiß aber nur zu gut, was das eigentlich heißt: Dass er mit Aufgaben betraut wird, denen sich sonst kaum ein anderer stellt. Eine Zumutung. Sein beachtlicher Verschleiß an Material und Frauen mag sich zumindest zum Teil auch daraus erklären. Rache ist schließlich immer ein Motiv. Vielleicht wäre es an der Zeit für ihn, sich grundsätzlich neu zu erfinden? Bloß, wer rettet dann noch die Welt?

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Warren Ellis
(*16. Februar 1968) ist ein englischer Autor zahlreicher Comics, Bücher und Drehbücher. Außerdem ist Ellis eine sehr aktive Online-Persönlichkeit. Er lebt in Southend-on-Sea in England.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover, Bookformat
Vö-Datum: 01.03.2017
Seitenzahl: 152
ISBN: 978-3-95839-397-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?