Review

Ein Jugendbuch, eine Dystopie. Auch noch eine starke Protagonistin. Höre ich da einige laut seufzen, dass wir das alles schon x-mal hatten in den letzten Jahren? Dann kann ich schon mal beruhigen: „Arena“ von Holly Jennings besitzt zwar im Grunde auch alle diese Attribute, macht aber auch vieles positiv anders.

Die starke Heldin ist Kali Ling. Eine Amerikanerin mit asiatischen Wurzeln, eine Gamerin wie sie im Buche steht. Als Gladiatorin metzelt sie ihre Gegner in der Arena nieder. Allerdings bedeutet das im Jahr 2054 etwas anderes als heute. Denn durch technische Entwicklungen ist aus der virtuellen Realität mit der schnöden VR-Brille ein wirklich reales Spielerlebnis geworden. Durch Kapseln und Kabel geht das Bewusstsein online. Der Preis für dieses verbesserte Spiel? Sterben im Spiel bedeutet zwar nicht den realen Tod, aber zumindest höllische Schmerzen. Zudem muss der Spieler all das können, was er von seinem Avatar verlangt.

Dass Kali Ling also eine ausgezeichnete Kämpferin ist, sagt bereits viel über die Figur aus. Hartes Training und Ehrgeiz haben sie in kürzester Zeit in die amerikanische Profiliga gebracht. Mit Herz, Seele und Schwert ackert sie sich in der VR den Allerwertesten ab. Nachdem sie diese vertragliche Verpflichtung ihrem ätzenden Boss gegenüber erfüllt, zahlreiche Interviews, Videodrehs, Fotoshootings und sonstiges erledigt hat, steht dann noch Party an. Ihre Teamkameraden sowie Alkohol und Drogen sind natürlich auch dabei.

Bis ihr Teamkollege und Lover Nathan schließlich an einer Überdosis stirbt. Hier kommt der Wendepunkt. Auf der einen Seite ist Kalis Karriere in Gefahr, sollte sie es als neuer Teamkapitän nicht schaffen, ihre Leute zusammenzuhalten. Auf der anderen Seite wäre da noch ihre Gesundheit. Nicht dass Alkohol, Drogen und Hochleistungssport nicht schon belastend genug wären, kommt nun auch noch der seelische Knacks hinzu, den man zwangsläufig nimmt, wenn man neben seinem toten Lover aufwacht.

Holly Jennings (Copyright: Timeless Photography Design)

Etwas derb, beinahe ungefiltert widmet sich Autorin Jennings den Ups und Downs des Stardaseins. Als Resultat sollte man diesen Fantasy-Roman, der dank Zockerthema und der jüngeren Protagonistin grundsätzlich auch einem jugendlichen Publikum gefallen könnte, nicht unbedingt jungen Teens in die Hand drücken. Sowieso ist nicht ganz klar, für wen das Buch gemacht ist. Die Themenauswahl ist eher jugendlich, die Details manchmal schon erwachsener (Bildung einer Gewerkschaft ist wohl kaum Nr. 1 Thema bei den Kids heute). Dann wären da noch die nervigen Marotten der Protagonistin, die in 50% der Zeit nur an Kaffee denkt… Höhen und Tiefen also auch bei diesem Romandebüt. Auch sprachlich könnte das Ganze noch etwas ausgefeilter sein, denn des Öfteren wiederholen sich einige Phrasen wie beispielsweise die zum Kaffeekonsum von Kali.

Bleibt schließlich noch auf der Habenseite, dass sich Jennings nicht zu einer Trilogie hat hinreißen lassen. So ergibt sich ein gemischtes Bild für „Arena“. Grundsätzlich hat Jennings mit der kritischen Haltung zu Drogen, Leistungsorientierung und sogar Gewerkschaften schon viele interessante Punkte vereint. Zudem vermeidet sie einige „klassische Fehler“. Im Detail hapert es aber doch hier und da. Wer der virtuellen Realität und Profi-e-Sports etwas abgewinnen kann, sollte hier aber trotzdem einen Blick wagen.

Inhalt

Eine neue Heldin erobert die Fans von „Ready Player One“ und „Die Tribute von Panem“

Im Jahr 2054 ist das Sterben Alltag in Kali Lings Job: Sie ist eine virtuelle Gladiatorin, eine der besten in der Profi-Liga, die jedes Wochenende die Massen vor die Bildschirme zieht und Milliarden einspielt. Zwar beendet ein virtueller Todesstoß nicht wirklich Kalis Leben, doch der Schmerz ist höchst real. Zum Ausgleich winken Ruhm, schnelles Geld und wilde Partys.
Als ihr Teamkapitän Nathan an einer Überdosis stirbt, wird Kali zum ersten weiblichen Kapitän befördert. Mit dem attraktiven, arroganten Rooke stellt man ihr jedoch auch einen neuen Kollegen an die Seite, der sie in mehr als einer Hinsicht herausfordert. Dann begeht Kali den Fehler, Fragen nach Nathans Tod zu stellen …

Leben und Sterben in der virtuellen Welt – Holly Jennings temporeiche Dystopie garantiert ein Leseerlebnis auf der Überholspur.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Holly Jennings
lebt und arbeitet in Tecumseh, Ontario und ist Mitglied der kanadischen Autorenvereinigung SF Canada. Ihre Leidenschaft für Computer- und Konsolenspiele inspirierte sie zu ihrem Debütroman „Arena“.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.09.2017
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-426-52021-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer