Review

„Okitenemuru“ ist ein Manga, an den man am besten keine Erwartungen stellt – sowohl seitens der Story als auch seitens des daraus hervorgehenden Ergebnisses. Das soll jedoch nicht negativ aufgefasst werden, denn Hitori Renda („Ousama Game“) wird sich dabei schon etwas gedacht haben, wenn sich bereits auf den ersten Seiten die abgedrehtesten Dinge abspielen.

Schon kurz nach dem Aufschlagen des Mangas einen Giraffenkopf zu sehen, der das Haupt eines Menschen zwischen seinen Kiefern zermatscht, ist schon etwas überraschend; noch dazu befindet sich das Opfer nicht in einem Zoo, sondern in einer Videospielhalle und an dem gefräßigen Tierkopf hängt ein menschlicher Körper. Mehr gibt der Manga zunächst nicht preis und erst im weiteren Verlauf scheint alles auf eine tödliche Epidemie hinauszulaufen.

So verrückt das alles auch bis dato klingen mag, so muss man sagen, dass „Okitenemuru“ Potenzial hat, sich mit diesem Konzept von einem großen Angebot an Mangas abzuheben; besonders aber innerhalb des eigenen Genres.

Auf den ersten Seiten könnte man noch denken, dass sich der Manga selbst nicht so ernst nimmt, vor allem weil auch die Rollenverteilung zunächst unklar ist. Dann kommt noch die absurde Idee eines Giraffen-Mörders dazu – und vielleicht wird es gerade deshalb etwas unterhaltsamer.
Doch der erste Band zeigt ab der Hälfte sofort, dass auch Renda sich nicht vor generischen Elementen in der Story retten kann. Das Ganze wird sehr stark überdramatisiert und auch die allgemeine Abhandlung geht nicht annähernd in eine extreme Richtung, die man bis dato noch vermutet hätte – außer vielleicht am Ende, aber auch das ist der sprichwörtlichen Rede nicht sonderlich wert.

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Spoiler

Schnell legt die Story auch an einem „Supernatural“-Charakter zu, da die Hauptperson über übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Das ist das Letzte, mit dem man bei so einer Story überhaupt rechnet und was zum Einbauen nötig gewesen wäre.
Die Fähigkeit an sich ist relativ unspektakulär und nimmt auch dem Mysterium um die Morde viel vorweg.
Betitelt werden Menschen mit dieser Begabung als „Okitenemuru“ und das ist nun wirklich keine Bezeichnung, die einem leicht von der Zunge geht, geschweige denn hängen bleibt.

Die Anmerkungen der Redaktion nach der Preview für den zweiten Band werden den Leser wahrscheinlich ein bisschen zum Schmunzeln bringen. Dort wird gesagt, dass bewusst an manchen Stellen die japanischen Schriftzeichen nicht durch deutsche ersetzt, sondern beibehalten wurden. Warum das eine Erwähnung wert ist, weiß man nicht, gibt es doch kaum betroffene Stellen, während dies in anderen Mangas sowieso schon umgesetzt wird. Und überhaupt: ganz oder gar nicht! Aber dafür ist die mehr oder weniger eigene Begründung – „Es sah einfach zu geil aus“ – einen traurigen Lacher wert.

Die Zeichnungen in „Okitenemuru“ fallen sehr ansprechend aus. Der Stil hat ein wenig etwas von Takeshi Obata und erinnert oft an dessen Kollabo-Werk „Bakuman.“. Am Anfang überzeugt besonders die Darstellung der Giraffe. Danach weisen manche Panels hier und da kleine Mankos auf – u.a. was die Proportionen angeht -, aber so etwas gibt sich normalerweise im Laufe einer Reihe.

Da „Okitenemuru“ dem Horror-Genre angehört, dürfen auch ein paar deftige Gore-Szenen nicht fehlen. Diese sind zwar rar gesät, dafür aber umso drastischer in Schwarz-Weiß umgesetzt worden.

„Okitenemuru“ fällt am Ende dann doch viel zu eingängig und wie ein bunter Mix aus verschiedenen Ansätzen aus. Rückblickend betrachtet gibt es zudem kaum nennenswerte Schockmomente. Wahrscheinlich fehlen diesem Manga einfach die Extreme und eine weniger starke Anlegung an breite Wünsche der Konsumenten.

Handlung

Ein Tag wie jeder andere in Tokio – bis wilde Gerüchte die Runde machen: Ein Typ mit einem Giraffenkopf hätte Dutzende Menschen totgebissen! Kanata und sein Freund Tokiji halten das für Schwachsinn. Doch sie werden eines Besseren belehrt …

(Quelle: Carlsen Verlag)

Details

Format: Taschenbuch
Veröffentlichung: 30.08.2016
Seitenzahl: 196
ISBN: 978-3-551-79727-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Christopher