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In einer Zeit, in der der virtuose mexikanische Regisseur Guillermo del Toro (unbedingt auch seine Filme „Pans Labyrinth“ und „Pacific Rim“ anschauen!) lautstark über einen dritten Hellboy-Film und damit ein Sequel seiner Filme „Hellboy“ und „Hellboy – Die goldene Armee“ von 2004 und 2008 nachdenkt und diesbezüglich eine Umfrage gestartet hat, kommt eine Neuauflage der Hellboy-Geschichten genau richtig. Als Fan der Leinwandabenteuer des großen roten H.B. kann man nur hoffen, dass es tatsächlich zu einem Treffen zwischen Regisseur Guillermo del Toro, seinem Hauptdarsteller Ron Perlman und Hellboy-Schöpfer Mike Mignola kommt.

Cross Cult beglückt uns derweil mit den inzwischen klassischen Hellboy-Geschichten in Form von gigantischen Kompendien („Hellboy Kompendium 1″ umfasst 448 und „Hellboy Kompendium 2“ sogar 480 Seiten).

Hellboy Kompendium 1″ erschien bereits am 29.09.2016 und beinhaltet auch direkt drei der kultigen Hardcover-Bände der Horror-Comic-Reihe von Mastermind Mike Mignola; und zwar „Saat der Zerstörung“, „Der Teufel erwacht“ und „Sarg in Ketten“. In dieser Gesamtausgabe lernt der Leser Hellboy, den weltbesten paranormalen Ermittler, kennen. Außerdem werden uns die anderen Mitglieder der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen („B.U.A.P.„) vorgestellt, nämlich vor allem: die mit pyrotechnischen Fähigkeiten ausgestattete Elizabeth „Liz“ Sherman, Abraham „Abe“ Sapien, Hellboys Ziehvater Professor Trevor Bruttenholm u.v.m.

Insbesondere in „Saat der Zerstörung“ (war größtenteils auch die Vorlage für den ersten Hellboy-Kinofilm!) erfährt man einiges über die Ursprünge des weltberühmten Ermittlers des Okkulten. So führt der Magier Rasputin im Auftrag der Nationalsozialisten ein düsteres Ritual mit dem Ziel durch, die drohende Kriegsniederlage durch ein Bündnis mit den Mächten der Finsternis im letzten Moment noch abzuwenden. Daher will er einen Dämon heraufbeschwören. Das Ritual ist auch erfolgreich, doch Hellboy, der heraufbeschworene Abgesandte der Hölle, landet in den Händen der Alliierten und schließt sich mithin den Guten an.

Im weiteren Verlauf dieser opulenten ersten Gesamtausgabe begegnen uns u.a. noch Vampire, Riesenschlangen, Froschmonster, Nazis, Homunkuli und dergleichen mehr.

Hellboy bringt es selbst prägnant auf den Punkt:

Ich hab einen spukenden Sessel gesehen und einen sprechenden Mungo, aber ich hätte ein Vermögen darauf verwettet, dass es keine Drachen gibt.

Im zweiten Kompendium der Hellboy-Serie sind die (früheren) Bände 5 bis 7 enthalten. Diese sind: „Die rechte Hand des Schicksals“, „Sieger Wurm“ und „Seltsame Orte“.

Aufgrund des gigantischen Umfangs der Kompendien möchte ich an dieser Stelle von allzu ausführlichen Inhaltsangaben Abstand nehmen. Besonders hervorzuheben ist aber die großartige Geschichte „Sieger Wurm“: Nachdem die Nazis den ersten Menschen in den Weltraum schicken konnten, machen sich 60 Jahre später Hellboy und Roger der Homunkulus auf, um die zurückkehrende Raumkapsel und ihren Passagier, den Sieger Wurm, zu bekämpfen. Nach dieser Mission quittiert Hellboy seinen Dienst bei der B.U.A.P. und reist nach Afrika… Sehr häufig handelt es sich bei den Erzählungen aus der Feder von Mike Mignola um poetisch-skurrile Kurzgeschichten.

Damit kommen wir zum Stil von Mike Mignola. Kurz gesagt: Er ist eigenwillig, bizarr und einfach großartig! Das basiert nicht zuletzt auch auf den Hintergründen und Inspirationen für seine Geschichten. Mignolas Einflüsse aus Literatur und Kunst sind allgegenwärtig. So lassen sich diese als eine Mixtur aus Sagen, Legenden, Märchen, Groschenromanen, Pulp-Literatur und anderen Phantastereien umschreiben. Daraus ergibt sich ein ganz eigener Mignola-Cocktail.

Leseprobe aus Hellboy Kompendium 2 (Copyright: Cross Cult)

Mignolas Artwork und sein reduzierter Stil stehen seiner Erzählweise in nichts nach. Der Hellboy-Schöpfer verfügt über einen ganz eigenen Stil, der sich durch eine selten anzutreffende Schlichtheit gepaart mit Ausdrucksstärke auszeichnet. In der Welt der Comics finden sich nicht an jeder Ecke Künstler, die sich durch einen ganz besonderen, eigenständigen und unverkennbaren Stil etabliert haben. Bei Mike Mignola ist man dafür aber definitiv an der richtigen Adresse. Artwork-Enthusiasten seien in diesem Kontext auch die Werke der Genies Todd McFarlane, Frank Miller und etwa Darwyn Cooke empfohlen (oder auch ganz frisch: Skottie Young). 

Auch, dass diese neuen Kompendien durchgehend in Farbe erscheinen, trägt zusätzlich zur atmosphärischen Dichte von Mignolas Geschichten bei. Meines Erachtens ist diese Inszenierung noch gelungener als die vormaligen Schwarz-Weiß-Versionen. Allein diese opulenten Gesamtausgaben in den Händen zu halten und durchzublättern macht schon enorme Freude. Als hätte man es mit riesigen horroresken Mystery-Märchenbüchern zu tun, die zur Krönung auch noch mit einem edlen roten Lesezeichenband ausgestattet sind.

Das Bonusmaterial ist ebenfalls fantastisch: Der Leser erhält u.a. neu gezeichnete Epiloge, umfangreiche Skizzen-Galerien, Cover-Galerien, redaktionelle Seiten, exklusive Vorworte und und und…

Es bleibt festzuhalten, dass sich diese Ausgaben komplett in Farbe sowohl für die Wiederentdeckung der klassischen Hellboy-Geschichten für Fans eignen, aber auch für absolute Neueinsteiger.

Zum Abschluss verschaffe ich mir noch einen starken Abgang, indem ich die Comic-Legende Alan Moore zitiere:

Hellboy ist ein Juwel von beachtlicher Größe und erstaunlichem Glanz (…) Hellboy ist die Eintrittskarte zu einer Ecke des Comicheft-Himmels, die man nie wieder verlassen möchte. Tritt ein und genieße.

Bleibt nur noch zu sagen: Kaufen, lesen, Spaß haben. Wiederholen!

Inhalt

Sagen, Horror und höllisch Hartgesottene

Im zweiten Kompendium der HELLBOY-Serie sind die Bände 5-7 enthalten. Diese sind:
Die rechte Hand des Schicksals | Sieger Wurm | Seltsame Orte

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Mike Mignola
(*16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

Mike Mignola – Homepage
Mike Mignola – Facebook
Mike Mignola – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 26.01.2017
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-95981-069-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?