Review

Wie auch schon „Hellboy 14: Hellboy und die B.U.A.P. – 1952″ widmet sich Hellboy 16: Hellboy und die B.U.A.P. 1953″ einem jungen Hellboy bei seinen anfänglichen Einsätzen für die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen.

Im Jahre 1952 reisten Hellboy und einige B.U.A.P-Agenten in ein Dorf in Brasilien, da dort eine übermenschliche Kreatur ihr Unwesen getrieben hatte. Dort bekam es Red bei seinem ersten Einsatz vor allem mit surreal-monströsen Affen und auch alten Bekannten in einer zusammenhängenden Geschichte von Mike Mignola und John Arcudi zu tun (wer es genauer wissen will, liest am besten in Hellboy 14: Hellboy und die B.U.A.P. – 1952″ nach).

In dem vorliegenden Band erleben wir die Abenteuer aus dem zweiten Berufsjahr 1953 von Agent Hellboy. Im Gegensatz zum Vorgänger haben wir es hier wieder mit einer Reihe von wundersamen Kurzgeschichten, teils mit folkloristischen Elementen, zu tun.

Hellboy und sein Ziehvater und Förderer Professor Trevor Bruttenholm, Direktor der B.U.A.P., begeben sich nach England, wo sie sich zunächst einer dämonischen abgeschlagenen Hand annehmen müssen, die ein altes Landhaus heimsucht („Die Geisterhand“).

Im weiteren Verlauf verschlägt es die beiden nach Yorkshire, wo ein hilfsbedürftiges älteres Ehepaar von Kummer und Sorgen geplagt ist:

Die Schänke steht hier seit mehr als 200 Jahren. Hieß The Whistling Pig, bis wir sie letzten Monat kauften und den Namen änderten. Kurz darauf ging der Ärger los. Zuerst waren es nur die Geräusche (…) aber es wurde schlimmer. Wir entdeckten große Klauenspuren draußen an den Wänden (…)

Das Ganze dürfte damit zu tun haben, dass sich das Paar bei der Umbenennung des Pubs für den Namen „Rawhead and Bloody Bones“ entschieden hat…

Auf ihren letzten Etappen in England, „Der Hexenbaum“ und „Das Kelpie“, werden sie außerdem mit einer gespenstischen, untoten Hexe sowie mit einem Kelpie, einem mächtigen mythologischen Pferd, konfrontiert.

Die letzten beiden Kurzgeschichten mit den Titeln „Wandernde Seelen“ sowie „Hinter den Zäunen“ führen Red zurück in die USA, wo er vor allem wieder auf seine Kollegen aus seiner Anfangszeit, die B.U.A.P-Agenten Archie Muraro, Jacob Stegner und Susan Xiang trifft. „Home, sweet home!“, könnte man meinen – aber freilich lauern auch hier wieder übernatürliche Ereignisse und gespenstische Wesen und halten Hellboy gehörig auf Trab.

Insgesamt werden dem geneigten Leser hier also sechs mal längere, mal kürzere, aber immer absolut stimmige, unterhaltsame und gegen Ende auch noch abwechslungsreiche Geschichten kredenzt.

Die ersten vier Kurzgeschichten (die obige Zusammenfassung ist chronologisch) hat Hellboy-Großmeister Mike Mignola allesamt allein geschrieben und Starzeichner Ben Stenbeck („Baltimore“, „Frankenstein Underground“) inszeniert sie gewohnt stilsicher; sein Artwork ist typisch Mignola-inspiriert und zeichnet sich durch eine schwere und harte Linienführung aus.

Insbesondere die Erzählungen aus England sind mal wieder herrlich prall gefüllt mit mythologischen und folkloristischen Anspielungen – Verweise auf einige klassische Schauer- und Gruselgeschichten sind enthalten: Das Kelpie etwa ist ein übernatürlicher Wassergeist, der im britischen, insbesondere im schottischen Volksglauben auftaucht und auch die Geschichte von (Rawhead und) Bloody Bones stammt ursprünglich aus Irland und ist ferner in Großbritannien und Nordamerika verbreitet. Typische Schauplätze sind hier etwa alte Herrenhäuser und gruselige Wälder – typisch Hellboy mag man sagen; hier geht es durchweg dämonisch und gespenstisch zu.

Leseprobe aus „Hellboy 16: Hellboy und die B.U.A.P. 1953“ (Copyright: Cross Cult)

Dagegen entfernt sich die sechste und letzte Story (ein Quäntchen) vom klassischen Horror und tendiert stärker in Richtung Action. So erzeugt vor allem der Schauplatz im sonnigen, lebendigen Kalifornien statt eines dunklen Herrenhauses oder einer unheimlichen alten Burg eine gänzlich andere Atmosphäre, als die typischen traditionelleren Hellboy-Schauergeschichten. Wenn überhaupt verstärkt dieses Nebeneinander von idyllischem amerikanischen Vorort und übernatürlichen, grässlichen Monstern aber nur die gruselige Wirkung und macht einen besonderen Reiz dieser Geschichte aus.

Zeichner ist hier Paolo Rivera, dessen Kunst allein es schon lohnenswert macht, diesen Band zu lesen; und das, obwohl er einen deutlich zarteren und detaillierten Zeichenstil wählt, als wir ihn gewohnt sind. Ferner bewirkt auch die beeindruckende Farbgebung von Dave Stewart, dass man immer wieder Panels oder ganze Seiten in dieser Kurzgeschichte findet, die den Leser zum Staunen bringen.

Verschwiegen werden soll auch nicht, dass Mignolas neuer Co-Autor Chris Roberson („iZombie“) an den letzten beiden Geschichten erstmals beteiligt war. In der vorletzten Story „Wandernde Seelen“ gelingt es dem dynamischen Duo insbesondere auch weitergehend Interesse an B.U.A.P-Agentin Susan Xiang und ihren Visionen zu wecken, die wir bereits im Vorgängerband kennenlernen durften.

Diese Geschichten aus den frühen Tagen des rothäutigen mit der gewaltigen Steinfaust zu lesen, ist abermals ein sinnliches Vergnügen. Im Anhang finden Interessierte auch noch diverse Skizzen, Sketches, Comicseiten sowie einige Cover. Spätestens jetzt sollte das Herz vor Freude hüpfen – und nicht nur das von eingefleischten Fans des Mignolaverse.

Inhalt

Hellboy und sein Mentor Bruttenholm reisen durch ganz England, um der Phantomhand, einem dämonischen Wassergeist, den Garaus zu machen. Dabei treffen sie auf die schrecklichsten Figuren der britischen Folklore, darunter Rawhead Rex und Bloody-Bones. Als er wieder zurück in den USA ist, schließt er sich wieder dem Team von 1953 an, als ein Monster, das sie schon mal bekämpft haben, zurückkehrt.

(Quelle: Cross Cult)

Autoren

Mike Mignola
(*16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

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Chris Roberson
ist ein 1970 geborener Science-Fiction Autor und Verleger aus Portland, Oregon.

(Quelle: Wikipedia)

Chris Roberson – Homepage
Chris Roberson – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 16.08.2017
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-95981-399-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?