Review

Frank Miller

Frank Miller ist eine dieser Größen der Comicszene, die auch einem breiten Publikum weltweit bekannt sind. Der Zeichner und Autor polarisiert nicht nur durch seine Werke, sondern immer wieder auch durch seine – zuweilen zweifelhaften – Aussagen. Vor allem aber hat Miller Werke geschaffen, die die Zeit überdauern werden und die schon unzählige andere Künstler zu Höchstleistungen inspiriert und motiviert haben.

Ob nun sein legendäres Meisterstück „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“, seine Neudefinition von Daredevil, die brachiale Schlacht bei den Thermopylen „300“, das hervorragend düstere „Sin City“ oder auch „Batman: Das erste Jahr“ – allesamt Klassiker des Genres.

Womöglich nicht eben so populär wie die genannten, aber dennoch berüchtigt, ist die Miniserie „Hard Boiled“ aus den Jahren 1990-1992 von Autor Frank Miller, Zeichner Geof Darrow sowie Kolorist Dave Steward.
Eine Verfilmung dieses Miller-Stoffes steht schon sehr lange in Rede, aber derweil bringt Cross Cult den Comic-Lesern hierzulande den Kult-Comic in einer luxuriösen, überformatigen Neuauflage.

Hard Boiled

Die Handlung von „Hard Boiled“ ist recht schnell erzählt. Insgesamt geht es hier allerdings um die Skizzierung eines düsteren Gesellschaftsbildes, wofür Miller eine skurrile Zukunft inszeniert.

Nixon ist Steuereintreiber und bevorzugt bei seiner Tätigkeit eine harte Gangart. Bei einer seiner typischen Verfolgungsjagden durch die verkommene Innenstadt zerlegt es den vermeintlich gewöhnlichen amerikanischen Durchschnittstyp in tausend Teile. Doch mit modernster Medizin und Technik gelingt es, den verheirateten Vater zweier Kinder komplett wiederherzustellen.

Oder doch nicht? Nixon scheint verändert und auch seine Erinnerung hat gelitten. Oder heißt der average Joe doch Carl Seltz und ist Versicherungsermittler oder heißt er doch Harry Burns?

Insbesondere eine komische alte Frau soll sein komplettes Weltbild auf den Kopf stellen. Nixon bricht auf und lässt eine Gewaltorgie sondergleichen vom Stapel …

Kritik

Was zur Hölle ist hier los? Ich dachte, ich wäre ein Durchschnittstyp!

Wer seine Comics dergestalt bevorzugt, dass man genau weiß, was man da hat, der liest womöglich eine andere Geschichte als „Hard Boiled“.

In Frank Millers düsterer Zukunftsvision steckt vor allem Kritik am „American Way of Life“ sowie auch und vor allem an der westlichen Konsumgesellschaft. Fettleibigkeit, Sex, gesellschaftlicher Verfall, Gewalt, Maß- und Schamlosigkeit sind allgegenwärtig. Vergebens sucht man jedoch Identität und Menschlichkeit.

In dieser skurrilen Zukunft finden interessierte Leser viele Elemente aus anderen Werken. So erinnert „Hard Boiled“ an Die Truman Show“ mit Jim Carrey als durchschnittlichen Versicherungsangestellten, der doch für Größeres bestimmt ist, an Falling Down – Ein ganz normaler Tag“, in dem Michael Douglas den totalen Durchschnittstypen gibt, der auf einmal abdreht, aber auch an Die totale Erinnerung – Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger um falsche Identitäten und künstliche Erinnerungen sowie an Blade Runner“ mit seinem Komplex über Androiden und Menschen und deren Gefühlswelten.

Wie man sieht: Hier steckt – trotz oberflächlich betrachtet dünner Geschichte – sehr viel drin.

Luxuriöse Neuauflage

Leseprobe aus dem Kult-Comic „Hard Boiled“ von Frank Miller und Geof Darrow. (Copyright: Cross Cult)

Auch abgesehen von dem ansprechenden und abgefahrenen Inhalt kann sich die riesige, prachtvolle Neuauflage absolut sehen lassen. Eine Bereicherung für jedes Sammler-Regal. Positiver Nebeneffekt davon ist, dass das wunderbare Artwork hier noch besser zur Geltung kommt.

Die kräftigen Farben stammen von Dave Stewart („Black Hammer 1: Vergessene Helden“), einem der erfolgreichsten und gefeiertsten Koloristen der Branche.

Die detailbesessenen Bilder sind von Zeichner Geof Darrow. Und was Darrow hier abliefert, ist derart detailverliebt, dass man manche seiner Panels minutenlang bewundern kann und trotzdem noch nicht alles entdeckt hat.

Visuell erinnert das Werk dabei nicht unerheblich an die hoffnungslose neue Welt voller unaussprechlicher Dinge in Crossed“ („Crossed Monster-Edition: Band 1“).

Fazit

Der skurrile Miller-Stoff ist ganz bestimmt nicht jedermanns Sache und vor allem nichts für zartbesaitete Leser. Für Experimentierfreudige bietet „Hard Boiled“ indes ein außergewöhnliches Leseerlebnisbrutales Schlachtfest inklusive.

Inhalt

Die luxuriöse Neuauflage des Kult-Comics von Frank Miller und Geof Darrow – in Überformat und mit neuer Farbgebung von HELLBOY-Stammkolorist Dave Steward.

Ein ganz normaler Tag für Nixon: ein kleines Massaker in der Innenstadt, seinen antiquierten Straßenhai gegen die Wand gesetzt, eine Porno-Convention gemetzelt und einen Steuerflüchtling in die Luft gejagt. Nixon ist Steuerfahnder – und er bekommt immer seinen Mann.

Frank Miller und Geof Darrow entwickeln die Geschichte eines komplett aus dem Ruder gelaufenen Mannes in einer noch sehr viel wahnsinnigeren Welt. Nixons bleigeladene Odyssee durch alle Spielarten von Unmoral und Verderbnis sind eine brutale Satire auf den „American Way of Life“.

(Quelle: Cross Cult)

Autor & Zeichner

Frank Miller (Autor)
ist ein US-amerikanischer Comicautor, Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Er ist vor allem durch seine stilbildenden Comicgeschichten bekannt.

Quelle: Wikipedia)

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Geof Darrow
Am bekanntesten […] dürften seine künstlerischen Entwürfe zum Design der Matrix-Filme sein. Aktuell schreibt und zeichnet Darrow die Serie Shaolin Cowboy, für die er 2006 mit dem EISNER AWARD als bester Autor ausgezeichnet wurde.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 12.09.2018
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-959817-88-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)