Review

Dobbs und Cifuentes beenden in „Der Krieg der Welten 2/2“ den Storybogen von H. G. Wells‘ legendärer Geschichte um die Invasion der Marsianer. Kann das Duo auch im zweiten Teil die Spannung bis zum Schluss hochhalten?

Unser hilfloser Protagonist hatte zuletzt Frau, Kind und sicheres Versteck verlassen, um aus seinem Haus verbliebene Erinnerungsstücke zu holen. Nun befindet er sich also auf den Irrungen und Wirrungen des Rückweges. Währenddessen gehen die Londoner noch ihren alltäglichen Geschäften nach. So ganz mögen sie die verrückte Story nicht glauben, dass sich Dreibein um Dreibein an die Eroberung der Erde machen. Die anrückenden Kampfmaschinen sollen sie allerdings recht schnell eines Besseren belehren.

Stück für Stück, Mensch um Mensch legen die Marsianer auch London in Schutt und Asche. Noch stärker als auf dem Land bricht Chaos und Gewalt unter den Flüchtenden aus. Tragische kleine Momente, die Dobbs zur Illustration der Schrecken wählt. Ganz am Rande: Dabei spart er wieder nicht mit unangenehmen Situationen. Dies passt allerdings im Endeffekt gut zur Story.

London leidet nun also auch unter der Belagerung. Unser Protagonist versucht sich in der Zeit wacker durchzuschlagen. Gar nicht so leicht, wenn man einen Pfarrer am Rande des Wahnsinns als Weggefährten hat. Als beide allerdings beobachten, wie die Dreibeine „Menschen ernten“, ist der Wahnsinn wirklich nicht mehr verwunderlich. Dennoch gibt der tapfere Held sein Bestes. Er überwindet seine eigenen Grenzen, lernt Ekel einer völlig neuen Dimension kennen und hält sich trotzdem tapfer.

Leseprobe aus „Der Krieg der Welten #2“ (Copyright: Splitter Verlag)

Der Mensch als Überlebenskünstler steht damit im Zentrum von Wells‘ Geschichte. Kontrastiert durch unterschiedliches Versagen, Aufgeben oder schlicht „Pech gehabt“ zeigt auch diese Interpretation des Originals, aus welchem Holz man geschnitzt sein muss, um sich in Extremsituationen durchzuschlagen. Dobbs pickt sich dabei die Rosinen der Story heraus – und natürlich die Elemente, die im Bild besonders zur Geltung kommen.

Gerade in Bezug auf die Optik legt der zweite Teil der Geschichte noch mal ein Schippchen oben drauf. Cifuentes zeigt das Leiden der Menschen schonungslos. Da fließt das Blut auch mal literweise. Während das Original auch hier etwas zurückhaltender ist, schöpft der Zeichner den Rahmen des Möglichen aus. Wie gut, dass er dennoch die Balance hält: Durch die Liebe zum Detail bleibt der Charme der Jahrhundertwende, den er seinen Bildern einhaucht, erhalten. Erwähnenswert ist schließlich noch das Design der Dreibeine und ihrer Alienrasse. Irgendwo zwischen „Alien“ und Jules Verne sind sie gleichzeitig ästhetisch und gruselig.

Ob Heldenmut schließlich belohnt wird und was genau den Invasoren zum Verhängnis wird ‑ lest es selbst. Diese Geschichte gehört zu Recht zum klassischen Sci-Fi-Kanon. Wer „Der Krieg der Welten“ nicht kennt, kann unbesorgt mit diesen beiden Bänden einsteigen. Auch hier hat das Duo, wie zu erwarten war, ganze Arbeit geleistet.

Inhalt

Splitter widmet dem Meister der Science Fiction eine sechsbändige Prachtausgabe

H.G. Wells ist, neben Jules Verne, nicht nur ein, sondern der Ahnherr und Klassiker der modernen Science-Fiction-Literatur. Einige seiner Bücher sind Schlüsselwerke des utopischen Zukunftsromans, „Der Krieg der Welten“ etwa, „Die Insel des Dr. Moreau“ und natürlich „Die Zeitmaschine“. Im Laufe der Jahrzehnte sind sie unzählige Male adaptiert, interpretiert, kopiert, zitiert und auch persifliert worden. Allein „Der Krieg der Welten“ ist ein äußerst beliebter Stoff, auch und gerade im Comic, und dürfte so oft im Stil der jeweiligen Zeit verarbeitet worden sein – von Orson Welles‘ legendärer Hörspielfassung, die 1938 in den USA angeblich für Massenpanik sorgte, bis hin zu Roland Emmerichs „Independence Day“ 1 & 2 (Tim Burtons „Mars Attacks!“ nicht zu vergessen) –, dass der eigentliche Urheber dahinter gerne vergessen wird.

Szenarist Dobbs hat sich deshalb nun daran begeben, zusammen mit einigen ausgewählten Zeichnern eine zeitgemäße Interpretation der Hauptwerke von H.G. Wells im klassischen Geist vorzulegen – neben den eingangs genannten Titeln zudem noch „Der Unsichtbare“, ein weiteres Beispiel dafür, dass die Erzählungen von Wells stets spannend sind, unterhaltsam, auch amüsant und vor allem eins: zeitlos aktuell!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Dobbs,
geboren am 12. Dezember 1972 unter dem bürgerlichen Namen Olivier Dobremel, ein ist französischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

Dobbs – Homepage
Dobbs – Facebook

Details

Format: Hardcover (Bookformat)
Veröffentlichung: 18.09.2017
Seitenzahl: 56
Band: 3 von 6
ISBN:978-3-95839-504-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer