Review

Als H.G. Wells-Fan habe ich mich ja bereits mit der Besprechung zu „Die Zeitmaschine“ geoutet. Dass die neue Splitter-Reihe zu diesem Klassiker bereits einen glanzvollen Auftakt hatte, steht somit fest. Mit dem zweiten doppelbändigen Werk zu „Der Krieg der Welten“ folgt nun ein weiteres persönliches Highlight; stellt diese Geschichte doch einen ‑ wenn nicht sogar den ‑ Klassiker der Alien-Invasions-Storys dar.

Wer den Klassiker bisher verpasst hat (und auch die schreckliche 2005er Verfilmung von Spielberg nicht kennt): Trotz aller gegenteiligen Prognosen existiert tatsächlich Leben auf dem Planeten Mars. Das muss sogar der zornige Professor Ogilvy einsehen, als er vor einer der riesigen Maschinen steht, die über Großbritannien abstürzen. Ohne große Skepsis wird das Raumschiff schnell zur Attraktion, die Groß und Klein anzieht. Statt die weiße Flagge des Professors zu akzeptieren, richten die Marsianer allerdings ein Gemetzel unter den Schaulustigen an. Nur der Freund des Professors überlebt durch einen glücklichen Zufall.

Flugs macht er sich auf den Weg, seine Frau in einer entlegenen Ortschaft in Sicherheit zu bringen. Währenddessen wird landauf, landab von den immer zahlreicher erscheinenden Dreibeinen, in denen die Außerirdischen stecken, Mensch um Mensch gegrillt. Dennoch entscheidet der hilflose Held, nochmals das sichere Versteck und seine Frau zu verlassen, um Erinnerungsstücke zu retten. Auf dem Rückweg gerät er jedoch in die Hände der Armee. Dank seines Augenzeugenberichts soll die nächste Abwehrmaßnahme erfolgreicher laufen.

So also die erste Hälfte der Story, die Dobbs klugerweise in zwei Teile gegliedert hat. Zwar liefern die Romane von Wells in ihrer Klarheit sowieso gute Vorlagen, hier wäre eine weitere Verkürzung allerdings schade gewesen. Gute Entscheidung also! Auch sonst kann man bei der Umsetzung hier nicht meckern. Die Story liest sich flüssig und lässt keine größeren Handlungsabschnitte vermissen.

Leseprobe aus „H.G. Wells – Der Krieg der Welten 1“ (Copyright: Splitter Verlag)

Während man sich bei Dobbs also auf die gute Umsetzungsarbeit verlassen kann, muss man sich bei „Der Krieg der Welten“ auf einen neuen Zeichner einstellen. Vicente Cifuentes wird vor allem Fans von Superhelden-Comics ein Begriff sein. Dieser treibt sich nämlich sonst bei Aquaman, Batgirl und Co. herum. Befürchtungen, dass H.G. Wells‘ Charaktere plötzlich zu Muskelmännern werden, braucht jetzt allerdings niemand zu haben. Cifuente trifft den frankophonen Stil ziemlich gut.

Das heißt, auch hier wirken die Zeichnungen eher realistisch. Konturen und Linien sind etwas verschnörkelt und erinnern ein wenig an Art déco – aber nur einen Hauch. Die Dreibeine der Marsianer dagegen kommen futuristisch daher. Mit den vielen Rundungen und Augen haben sie beinahe einen 70er-Jahre-Flow. Ein sehr schönes Ensemble. Sogar für die brutalen Szenen findet Cifuentes einen Weg, ohne grausame Details die Massaker „angemessen“ in Szene zu setzen.

Story top, Optik top ‑ auch hier wieder eine gelungene Zusammenarbeit, die diese Prachtausgabe mehr als verdient hat. Dementsprechend muss das Urteil lauten: Wenn du ein Sci-Fi-Fan bist, greif bei „Der Krieg der Welten“ mit gutem Gewissen zu!

Inhalt

Splitter widmet dem Meister der Science Fiction eine sechsbändige Prachtausgabe

H.G. Wells ist, neben Jules Verne, nicht nur ein, sondern der Ahnherr und Klassiker der modernen Science-Fiction-Literatur. Einige seiner Bücher sind Schlüsselwerke des utopischen Zukunftsromans, „Der Krieg der Welten“ etwa, „Die Insel des Dr. Moreau“ und natürlich „Die Zeitmaschine“. Im Laufe der Jahrzehnte sind sie unzählige Male adaptiert, interpretiert, kopiert, zitiert und auch persifliert worden. Allein „Der Krieg der Welten“ ist ein äußerst beliebter Stoff, auch und gerade im Comic, und dürfte so oft im Stil der jeweiligen Zeit verarbeitet worden sein – von Orson Welles‘ legendärer Hörspielfassung, die 1938 in den USA angeblich für Massenpanik sorgte, bis hin zu Roland Emmerichs „Independence Day“ 1 & 2 (Tim Burtons „Mars Attacks!“ nicht zu vergessen) –, dass der eigentliche Urheber dahinter gerne vergessen wird.

Szenarist Dobbs hat sich deshalb nun daran begeben, zusammen mit einigen ausgewählten Zeichnern eine zeitgemäße Interpretation der Hauptwerke von H.G. Wells im klassischen Geist vorzulegen – neben den eingangs genannten Titeln zudem noch „Der Unsichtbare“, ein weiteres Beispiel dafür, dass die Erzählungen von Wells stets spannend sind, unterhaltsam, auch amüsant und vor allem eins: zeitlos aktuell!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Dobbs,
geboren am 12. Dezember 1972 unter dem bürgerlichen Namen Olivier Dobremel, ein ist französischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover (Bookformat)
Veröffentlichung: 20.07.2017
Seitenzahl: 56
Band: 2 von 6
ISBN: 978-3-95839-503-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer