Review

Gute Freunde oder schlechte Freunde? Dieser und der (gleichzeitig als Untertitel dienenden) Frage „Was habt ihr getan?“ geht Autorin Gilly Macmillan in ihrem neuen Psychothriller „Bad Friends“ nach.

Darin stehen die beiden 15-jährigen Freunde Noah und Abdi im Mittelpunkt des Geschehens. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein und doch scheinen sie unzertrennlich – bis zu einer verhängnisvollen Nacht, dessen Geschehnisse von Detective Inspector Jim Clemo auf 416 Seiten aufgeklärt werden sollen.

Einfach macht es ihm die zunehmend komplexer werdende Handlung nicht. Zwischen jugendlicher Dummheit, Familientragödien und Flüchtlingsdramen gilt es für ihn, die Vorgänge der Nacht zu rekonstruieren und die Wahrheit herauszufinden.

Gilly Macmillan setzt in ihrem aktuellen Roman nicht nur auf aktuelles politisches Zeitgeschehen, sondern ganz deutlich auf Emotionalität. Während jedoch die dramatischen und tragischen Komponenten in ihrem Buch dominieren, rückt der Thrill des Thrillers in den Hintergrund. Die Spannung bleibt somit nur aufrecht, da den Lesern gut ausgearbeitete Hauptfiguren präsentiert werden, dessen ganz individuelle Schicksale ihre Wirkung beim Lesen nicht verfehlen. Somit fällt die Spannung zudem permanent subtil aus, verschwindet phasenweise allerdings auch ganz.

Ursache dafür ist außerdem die Hintergrundgeschichte von Detective Inspector Jim Clemo. Diese fand bereits in dem Debüt der Autorin („Toter Himmel“) ihren Anfang. Hier nun weitergeführt, trägt sie weder zum Handlungsgeschehen produktiv und notwendigerweise bei, noch hilft sie Neueinsteigern, einen besseren Zugang zur Figur zu bekommen. Die Idee dahinter, ein Detective Inspector, der mit psychischen Problemen aufgrund eines vergangenen Falls und/oder mit Beziehungskrisen zu kämpfen hat, ist noch dazu nicht neu.

Abgesehen davon, dass das Buch „Bad Friends – Was habt ihr getan?“ eher einer dramatischen Tragödie denn eines Thrillers gleicht, wenngleich es der Psychothriller-Einordnung durch die gute Herausarbeitung des Konflikts zwischen den Protagonisten durchaus gerecht wird, punktet das Werk durch die Art, wie Gilly Macmillan die Szenerien an die Leser transportiert; darunter die Wahl der Erzählperspektive aus Sicht einzelner Figuren (in diesem Fall jenen von Detective Inspector Jim Clemo sowie Noah). Diese Vorgehensweise befeuert insbesondere den emotionalen Aspekt der Handlung und bringt die Charaktere näher an den Leser.

Gilly Macmillan (Copyright: Huntley Hedworth)

Schade daher, dass die Antwort auf die Frage „Was habt ihr getan?“ letztendlich zwar plausibel, aber eher nüchtern ausfällt. Das Ende von „Bad Friends“ wirkt etwas schnell abgefertigt und wird der zuvor beschriebenen Freundschaft der beiden Hauptfiguren nicht gerecht. Darüber hinaus bleiben Fragen offen, die vermutlich in einem nächsten Buch der Autorin geklärt werden. Dies bleibt jedenfalls zu hoffen, denn andernfalls wirkt die bis dahin detailliert ausgearbeitete Handlung ein wenig unvollständig.

Alles in allem lässt „Bad Friends – Was habt ihr getan?“ die Leser den Handlungsverlauf überraschend anders mitfiebern, als von einem Thriller erwartet. Wer auf actionreiche oder spannungsgeladene Inhalte steht, wird hier fehl am Platz sein. Diejenigen, die ihre Psychothriller gerade wegen des hohen Grads an Emotionalität lieben, kommen da schon eher auf ihre Kosten.

Inhalt

Heimlich haben sie sich nachts davongeschlichen, wie Jungen das eben manchmal tun: Abdi Mahal und Noah Sadler, die beste Freunde sind, seit Abdi, der Flüchtling, Noahs Schule in Bristol besucht. Doch in dieser Nacht wird Noah bewusstlos aus dem Feeder Canal gezogen, und aus dem traumatisierten Abdi ist kein Wort herauszubekommen. Während Noah im Koma liegt und um sein Leben kämpft, soll Detective Inspector Jim Clemo möglichst taktvoll ermitteln – denn Fremdenfeindlichkeit brodelt unter der glänzenden Oberfläche der Stadt Bristol. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen, die das Leben beider Freunde und ihrer Familien zu zerstören droht?
Alles scheint davon abzuhängen, dass einer der beiden Jungen endlich spricht. Doch der eine kann es nicht. Und der andere wird es nicht tun.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Gilly Macmillan
studierte Kunst und Kunstgeschichte in Bristol und London, arbeitete für The Burlington Magazine und verschiedene Kunstgalerien sowie als Dozentin für Fotografie. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Bristol. „Toter Himmel“, ihr Debüt, hat in nicht weniger als 16 Ländern die Leser begeistert, „Perfect Girl“ landete in Großbritannien, USA und Deutschland auf den Bestsellerlisten.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 02.07.2018
Seitenzahl: 416
ISBN: 978-3-426-52258-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde