Review

1973 begann die Serie „Gespenster-Krimi“ als ein regelmäßiger Heftroman, aus dem unter anderem die berühmte „John Sinclair“-Reihe entstand. Nach verschiedenen Audioadaptionen erweckt dieses Jahr Contendo Media die Mischung aus Horror- und Thrillerelementen zum Leben.

Folge 1 mit dem vielversprechenden Namen „Mörderbäume“. Mutter Naturs Rache an der Menschheit? Die Fratze auf dem Cover springt einem jedenfalls sofort ins Auge.

Worum geht es? Journalistin Vera Lorrimer reist in die schottischen Grampian-Mountains, um das mysteriöse Verschwinden ihres Bruders aufzuklären. Es verschlägt sie in die Ortschaft Killamy und wie das nun mal mit hinterwäldlerischen Dörfern so ist, verhält sich jeder auffällig unauffällig. Und so muss Vera auf eigene Faust ermitteln und es zieht sie immer weiter in den berüchtigten „Geisterwald“ hinein …

Viele Hörspiel-Junkies werden sich in guter alter „John Sinclair“-Manier in einem einleitenden Prolog wiederfinden. Und dieser ist in „Mörderbäume“ sogar sehr gut gelungen. Die aufgebaute Spannung lässt bereits schon an diesem Punkt auf eine Menge Horror hoffen. Die Synchronisation lässt einen das Blut in den Adern gefrieren. Menschenfressende Bäume! Ich kann es kaum erwarten, dass sich der Regenwald endlich mal ein paar unschuldige Opfer zu mampfen holt!

Und dann flaut alles ab. Der Hörer wird mit den Charakteren und der Umgebung zwar ordnungsgemäß an die Story herangeführt, aber es endet alles, als Vera den „Geisterwald“ betritt. Um genau zu sein, endet der Horror. An dieser Stelle wird der Plot nämlich eine Spur zu fantastisch und traurigerweise auch zu niedlich.

Der Verlauf der Handlung hinterlässt viel zu viele Löcher in der Story. Genauso sind die Handlungen der Charaktere oft logisch gar nicht nachvollziehbar und es geht alles viel zu einfach vonstatten. Und was ist mit den betitelten Mörderbäumen? Die spielen in diesem Hörspiel ja fast nur noch eine Nebenrolle. Aber Hauptsache es kommen Nymphen und Trolle vor. Die wohl letzten Wesen, die etwas in einem HORROR-Hörspiel verloren haben.

Wirklich traurig, da die Inszenierung im Großen und Ganzen sehr gelungen ist. Synchronisation und Geräusche sorgen an vielen Stellen für eine Menge Action und beklemmende Situationen. Auch lässt man sich zwischen den Szenenwechseln eine Menge Zeit, damit der Hörer alles verarbeiten kann. Dennoch zeigen sich wieder ein paar Schwächen im Skript.

Earl Warren 2013 (Copyright: Privat / Earl Warren)

Earl Warren 2013 (Copyright: Privat / Earl Warren)

Zuerst einmal, für den unwahrscheinlichen Fall, dass es noch nicht bemerkt wurde, es ist ein Hörspiel. Das bedeutet, dem Hörer muss diese gewisse Illusion vorgegaukelt werden, er sei mittendrin statt nur dabei. Damit man sich die Szenerie bildlich besser vorstellen kann, beschreiben die Protagonisten verbal oft ihre Umgebung. Suggestion ist hier das Stichwort. „Mörderbäume“ scheitert daran. Vera beschreibt einfach zu detailreich und repetitiv, was sie gerade sieht und macht. Das wirkt so, als werfe man dem Hörer ein visuelles Bild nach dem anderen an den Kopf und würde ohne jegliche Selbsteinwirkung in jene gewaltsam hineingedrückt.

Im Falle von Vera gibt es doch so viele Möglichkeiten so etwas rüber zu bringen. Wie wäre es mit einem Aufnahmegerät, passend zu einer Journalistin, mit dem sie alles Erlebte aufzeichnet. Oder einfach alles dem omnipräsenten Erzähler überlassen.

Folge 1 von „Gespenster-Krimi“ hat wenig Gespenster und noch weniger Krimi. Zum Schluss gibt es war noch ein paar Ekelversuche, aber das war es dann auch schon. Die Synchro wirkt stellenweise zwar etwas unbeholfen, ist aber grundsätzlich solide. Zum Schluss scheitert alles an der zu platten und uninteressanten Story, die nur so dahin plätschert.

„Mörderbäume“ ist für die Serie ein zu schwacher Einstieg. Umso mehr wundert es, dass Folge 2, „Teufelstochter„, viel besser ist. Und zwar um Welten. In die durften wir auch bereits einen Blick werfen. Es gibt also noch Hoffnung für „Gespenster-Krimi“, daher seid gespannt! Denn eins sei gesagt, die nächste Folge wird alles rausreißen.

Handlung

In den schottischen Grampian-Mountains reißen die Vermisstenfälle nicht ab. Seit Jahren verschwinden dort Touristen und Reisende auf rätselhafte Weise – so auch der Bruder der Journalistin Vera Lorrimer.
Die junge Frau macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens.
Die Bewohner der kleinen Ortschaft Killamy hüten offenbar ein schreckliches Geheimnis. Als die Bäume des Geisterwalds zu mörderischem Leben erwachen, muss sich Vera dunklen Mächten stellen.

(Quelle: Contendo Media)

Autoren

Earl Warren (Walter Appel)
Walter Appel schrieb seit 1973 unter etlichen Pseudonymen wie Earl Warren und Edgar Tarbot über 900 Heftromane. Neben über hundert „Jerry Cotton“ waren darunter Romane der Serien „Kommissar X“, „Lassiter“, „Professor Zamorra“, „Dämonenkiller“ sowie Romane in diversen Western und andere Grusel-Heftromanreihen (u.a. „Vampir-Horror-Roman“, „Geister-Krimi“ & „Gespenster-Krimi“). Appel verfasste auch zahlreiche Frauenromane sowie Frauen-Grusel-Romane – Romantic Thriller – (Pseudonyme Corinna Sandberg, Linda Warren).

Earl Warren – Homepage

(Copyright: Wikipedia)

Markus Topf
studierte Germanistik in Bonn und arbeitete anschließend im Bereich der TV- und Hörspielproduktionen. Seit 2010 ist Topf freier Autor und Formatentwickler TV.

Markus Topf – Homepage

Serie

Gespenster-Krimi – Zur Spannung noch die Gänsehaut

01 Mörderbäume
02 Teufelstochter
03 Hollywood-Horror (erscheint am 13.03.2015)

Details

Gespenster-Krimi – Homepage

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 02.01.2015
Spielzeit: 86:42
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Contendo Media

Copyright Cover: Contendo Media



Über den Autor

Christopher