Review

Mit dem extradicken, ziegelsteinformatigen knapp 600 Seiten Wälzer „Geschichten aus dem Hellboy-Universum 6“ bekommen die deutschen Mignola-Fans und HELLBOY-Jünger wieder einmal reichlich Lesefutter aus dem illustren und weitverzweigten HELLBOY-Universum.

Das Mignolaverse geizt also durchaus nicht mit weiteren Geschichten. Dass Fans hier abermals schnell sein mussten, um einen Sammelband der auf 1.222 Exemplare limitierten Auflage zu ergattern, zeigt sich allein daran, dass diese zum jetzigen Zeitpunkt schon wieder verlagsvergriffen ist. Leser hatten also wieder nicht lange Zeit, zu überlegen, ob sie die benötigten 50,00 EUR aufbringen wollen oder können.

Enthalten sind hier Geschichten um den paranormalen Ermittler Edward Grey, den Witchfinder, um die Agenten der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen sowie den Fischmenschen Abe Sapien.

Den Auftakt, und das sind immerhin die ersten knapp 140 Seiten, macht der okkulte Witchfinder Edward Grey in einer Geschichte namens „Für immer verloren“ („Witchfinder Volume 2: Lost and Gone Forever“) aus der Feder von Mike Mignola und John Arcudi.
Hier verschlägt es den paranormalen Ermittler im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts in ein kleines Kaff, wo er auf der Suche nach einem Mann ist. Die Dorfbevölkerung begegnet dem Fremden aus London allerdings äußerst feindselig und verwickelt ihn in eine todbringende Auseinandersetzung. Hilfe erfährt er bei dieser skrupellosen Attacke von einem mysteriösen, grimmigen und abgeklärten Revolverhelden. Nachdem die beiden das Dorf verlassen, häufen sich die wundersamen Ereignisse aber noch. So bekommen es Grey und der Mann mit dem Colt Morgan Kaler nicht nur mit Untoten und Monstern, sondern vor allem mit einer Hexe zu tun.

Hierbei handelt es sich um eine sehr atmosphärische und stimmungsvolle Wild-West-Geschichte mit einigen mysteriösen Elementen und einer unterhaltsamen Hexenjagd. In Szene gesetzt wird das Ganze – wie für Geschichten aus dem Hellboy-Universum typisch – virtuos von Zeichner John Severin und dem einzigartigen Koloristen Dave Stewart (zuletzt zu bewundern an der Seite von Jeff Lemire und Dean Ormston in: „Black Hammer 1: Vergessene Helden“).

Wenn man etwas bemängeln möchte, dann den Umstand, dass der okkulte Witchfinder Edward Grey hier gerade im Vergleich zu seinem fremden Gefährten Morgan Kaler recht blass und kraftlos daherkommt. Jener Pistolero ist ein deutlich geheimnisumwitterterer und kantigerer Charakter als die eigentliche Hauptfigur und stellt den Meister-Geisterjäger hier und da in den Schatten. Mitunter geht das so weit, dass der Leser den Eindruck gewinnt, dass Grey ohne ihn auf dieser Mission auf verlorenem Posten gestanden hätte. Womöglich ergibt sich daraus aber sogar die Möglichkeit für künftige Morgan Kaler-Wild-West-Kracher, wer weiß.

Die weiteren Kapitel stehen dann erst einmal ganz im Zeichen der B.U.A.P.-Agenten und der Leser kommt in den Genuss der weiteren Geschichten um „BUAP: HÖLLE AUF ERDEN“ („B.P.R.D. Hell on Earth Volume 5: The Pickens County Horror and Others“, „B.P.R.D. Hell on Earth Volume 7: A Cold Day in Hell“ & „B.P.R.D. Hell on Earth Volume 8: Lake of Fire“).
Die Welt hat sich einschneidend verändert und grässliche mörderische Kreaturen treiben ihr Unwesen. Da wir es hier mit etwa 200 Seiten geballtem Inhalt zu tun haben, wollen wir uns auf eine recht schlanke Zusammenfassung beschränken.

Die Geschichten stammen von Mike Mignola und Scott Allie beziehungsweise Mignola und Arcudi. Die Zeichnungen kommen ausschließlich von brillanten Künstlern wie James Harren, Tyler CrookPeter Snejbjerg oder auch Laurence Campbell. Jedes einzelne Kapitel ist ein Augenschmaus und bietet keinerlei Anlass zu Beanstandungen. In dieser Hinsicht müssen sich die Arbeiten aus dem Mignolaverse sowieso vor keiner Konkurrenz verstecken und sind über jeden Zweifel erhaben.

Inhaltlich wird der Leser zunächst in die prähistorische Zeit zurückgeschleudert. Nachdem die B.U.A.P.-Agenten ein mysteriöses Relikt finden, kommt es zu allerhand Höhlenmenschen-Action. Außerdem werden die Agenten der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen unter der Führung von Johann Kraus von mutierten Zombies und Monstern verfolgt, während sie sich auch noch um einen kleinen Jungen kümmern müssen und der markante untote Direktor von Russlands Büro für Okkultismus und Geheimlehre Iosif Nichayko leitet eine heikle Rettungsmission. Zum Abschluss sehen wir eine Story um die feurige Liz Sherman, die sich mit einem äußerst verrückten Wissenschaftler/Arzt herumärgern muss, sich wieder mit ihren pyrokinetischen Fähigkeiten einlässt und in Aktion tritt, um schlussendlich wieder zur B.U.A.P. zurückzukehren.

Leseprobe aus den „Geschichten aus dem Hellboy-Universum 6“ (Copyright: Cross Cult)

Den Abschluss macht der intellektuelle und sympathische Fischmensch Abe Sapien mit „Abe Sapien Volume 3: Dark and Terrible and the New Race of Man“.
Abe mutiert immer weiter und befindet sich auf der Flucht vor den Agenten der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Auf seiner Reise muss er abschätzige Bemerkungen schlucken, mit dem Argwohn der Menschen leben und sich auch gegen handfeste Anfeindungen zur Wehr setzen. Dabei ist der geheimnisvolle Charakter insbesondere mit seiner schmerzlichen Selbstfindung befasst und sucht nach seiner Rolle in der Welt. Inszeniert wird das hier von den Zeichnern Sebastián und Max Fiumara, die ein wundervolles Artwork beisteuern. Insbesondere das neue, weniger menschliche Aussehen des Fischmenschen und dessen m
onströsere Anatomie ist sehr gelungen.

Insgesamt erwarten den Leser hier wieder einmal künstlerisch hervorragende und abwechslungsreiche Geschichten. Teilweise sind diese für Neueinsteiger nur noch schwer zugänglich, wie etwa jene um die Ermittlungen der B.U.A.P. und die höllischen Geschehnisse auf der Erde. Die Geschichte um den paranormalen Ermittler Edward Grey ist dagegen absolut eigenständig und somit auch einsteigerfreundlich. Insgesamt verrät man aber sicher kein großes Geheimnis, wenn man sagt, dass es ratsam ist, mit einem gewissen Gepäck an Vorwissen in das Mignolaverse zu reisen. Im Übrigen sollten Neueinsteiger den Aufbruch in diese schöne Welt nicht allein aus Respekt vor den vielen verknüpften Geschichten scheuen.

Inhalt

Im nun bereits sechsten Band der GESCHICHTEN AUS DEM HELLBOY-UNIVERSUM warten erneut fünf abgefahrene Geschichten auf die Fans von Mastermind Mike Mignola.

Der okkulte Witchfinder Edward Grey reist in den Wilden Westen des 19. Jahrhunderts, um blutrünstige Verbrecher und Zombie- Cowboys zu jagen, die B.U.A.P. ermittelt in New York, gerät in ein jahrhundertealtes magisches Ritual und Abe Sapien muss sich schrecklichen Monstern und verzweifelten Irren stellen.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Mike Mignola
(*16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover; limitiert auf 1.222 Exemplare (bereits verlagsvergriffen)
Vö-Datum: 14.02.2018
Seitenzahl: 600
ISBN: 978-3-95981-070-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?