Review

Am Ende von Nick Spencers großen und umwälzenden Event-Crossover „Secret Empire“ (Secret Empire Sonderband 3 (von 3): Schild der Hoffnung“, „Captain America – Steve Rogers 5: Der Anschlag“) hat der kosmische Würfel in Gestalt des kleinen Mädchens Kobik die Geschichte wiederhergestellt, die den Marvel-Helden genommen worden war. Darüber hinaus machte sie einigen der Marvel-Helden, die für die Zukunft eingestanden waren, ein ungewöhnliches und einmaliges Geschenk: Eine Reise durch Zeit und Raum, durch den Fluchtpunkt (Vanishing Point), einem von jedweder Chronologie losgelösten Ort.

An diesem Ort hat zwar die Zeit keine Bedeutung, aber große Einsichten können hier gewonnen werden. Und außerdem gibt besagter Vanishing Point natürlich den kreativen Autoren Jason Aaron („Der unwürdige Thor“, „Thor #2“), Cullen Bunn (Deadpool killt schon wieder das Marvel-Universum“, „Deadpool & die Söldner 2: Die Chaostruppe“), Greg Pak („World War Hulk“, „Planet Hulk“), Tom Taylor („Injustice“) sowie Kelly Thompson (Mighty Morphin: Power Rangers 3 – Pink“) die Möglichkeit, verrückte und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen.

Denn das Setting von „Generations: Treffen der Generationen 1 (von 2)“ ist eines, wo die aktuellen und modernen Inkarnationen der Marvel-Helden auf ihre legendären, ikonischen Vorgänger treffen. Das bedeutet insbesondere, dass die bunte Diversität des aktuellen Marvel-Universums auf die größtenteils von männlichen Figuren dominierte Welt der klassischen Marvel-Ikonen trifft. 

So trifft beispielsweise in „Generations: The Thunder“ / „Der Donner“ die neue mächtige Thor Jane Foster mit Mjolnir auf ihren brachialen Vorgänger, den Sohn Odins. Die Wikinger rufen in einer Schlacht im alten Ägypten nach dem Donnergott, woraufhin gleich zwei Varianten des mächtigen Thor erscheinen und zu Hilfe eilen. Hier erwartet sie kein geringerer Gegner als Apocalypse.
Jason Aaron entwirft hier eine Handlung, in der es kämpferisch zur Sache geht, die aber auch recht belanglos wirkt. Letzteres gilt allerdings für mehrere der „Generations“-Geschichten. Was das gemeinsame Abenteuer von Thor Jane Foster und Thor Odinsohn besonders lesenswert macht, ist aber die sichere Kenntnis und Beherrschung Aarons der Charaktere, deren Geschicke er nun schon so lange leitet. Außerdem wird das Ganze grandios und bildgewaltig von Mahmud Asrar inszeniert. Allein deswegen macht diese Episode schon Laune.

In einem zweiten Kapitel „Generations: The Phoenix“ / „Phoenix“ inszeniert Cullen Bunn eine Story, in der die zeitreisende junge Jean Grey auf den übermächtigen Phoenix Jean Grey trifft. Die beiden treffen wiederum auf Uatu, den Beobachter, der es der jungen Jean frei überlässt, ihre ältere Version vor der zerstörerischen, kosmischen Phoenix-Kraft zu warnen. Außerdem legt sich Phoenix mit dem Weltenverschlinger Galactus an.
Bunn entwirft hier eine der lesenswertesten Geschichten im ersten von zwei Sonderbänden mit den Helden zweier Generationen, wobei er einen interessanten Einblick in die Gefühlswelt von Jean Grey wirft. Auch hier ist das Artwork, diesmal von R.B. Silva, eine absolute Augenweide

Eines der schwächeren – meines Erachtens gar das schwächste – Kapitel bisher stammt von Hulk-Veteran Greg Pak und widmet sich einem Schlachtgeschehen, in dem der geniale junge Hulk Amadeus Cho auf den klassischen großen Grünen Dr. Bruce Banner trifft. Die beiden tauschen sich mehr oder weniger über ihr „Anger Management“ aus, aber besonders viel bleibt da beim Leser leider nicht hängen. „Generations: The Strongest“ / „Die Stärksten“ tut nicht weh, begeistert aber auch nicht. Matteo Buffagnis Bilder sind aber durchaus gelungen.

Die letzten beiden Kapitel „Generations: The Best“ / „Die Besten“ von Tom Taylor und „Generations: The Archers“ / „Die Bogenchützen“ von Kelly Thompson machen dann aber noch einmal richtig Laune und zeugen von tiefem Verständnis für die jeweiligen Figuren und die Chemie zwischen ihnen. Wolverine Laura Kinney hilft einem jüngeren Logan bei einer sehr persönlichen Mission gegen die tödlichen Ninjas der Hand, während Hawkeye Kate Bishop mitten in einem Wettbewerb der Schützen an der Seite ihres – noch albern maskierten – Mentors Hawkeye Clint Barton landet, wo sie sich unter anderem Taskmaster und Bullseye stellen müssen. So gefühlvoll und rabiat die Wolverine-Episode ist, so treffsicher mit Humor gespickt und sympathisch ist das Hawkeye-Kapitel.

Jeder, der jetzt einwirft, das klingt doch alles total episodenhaft, unzusammenhängend und unnötig, mag einen vertretbaren Standpunkt auf seiner Seite haben. Indes haben sich hier tolle Künstler für äußerst gelungene und kurzweilige Geschichten zusammengetan. Diese stehen dabei ganz im Zeichen von „Marvel Legacy“, wo – ganz wie bei DCs „Rebirth“ – die neue Generation mit der Tradition verschmolzen werden soll. Die abgeschlossenen Geschichten um Hulk, Thor, Jean Grey, Wolverine und Hawkeye machen auf jeden Fall Freude und sollen daher auch bedenkenlos empfohlen werden. Wer hier aussetzt, braucht sich aber auch keine Sorgen machen, denn um Kontinuität geht es hier ausnahmsweise nicht.

Inhalt

Die klassischen Marvel-Ikonen treffen ihre aktuellen Nachfolger!

Zwischen Zeit und Raum liegt der Vanishing Point. Hier treffen die aktuellen Inkarnationen der Helden auf ihre Vorgänger, um ein gemeinsames Abenteuer zu erleben. Thor Jane Foster trifft Thor Odinsohn, Kate Bishop den maskierten Clint Barton, Laura Kinney auf Wolverine, die junge Jean auf Phoenix, und Amadeus Cho auf Bruce Banner.

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 15.05.2018
Originalausgaben: Generations: Unworthy Thor & Mighty Thor / Phoenix & Jean Grey / Banner Hulk & Totally Awesome Hulk / Wolverine & All-New Wolverine / Hawkeye & Hawkeye
Seitenzahl: 164
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Das ist Sussudio. Ein ganz toller Song! Ein Lieblingssong von mir!" (Patrick Bateman, American Psycho)