Review

Der Weltraum, unendliche Weiten – und in den 1940ern unendlich entfernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings beginnt der Wettlauf „Wer schafft es als erster ins All?“. Genau dieser Story widmen sich Autor Toldac und Zeichner Philan in „Gefährliches Spiel“.

Teil 1 beginnt noch in den Zeiten des Krieges. Der Leser lernt Hugo Eberling kennen, einen Ingenieur, der (in dieser Story) unter Wernher von Braun an der Entwicklung der ersten Raketen beteiligt war. Allerdings verlässt Hugo die Versuchseinrichtung zur Verwunderung von Brauns. Grund für seine Entscheidung waren die Gräueltaten, die tagtäglich den Häftlingen angetan wurden. Fortan begibt sich der tatkräftige Mann in den Untergrund.

Im Widerstand hilft er nicht nur im Großen und Kleinen bei der Befreiung von Häftlingen, er lernt auch die hübsche Blondine Eva kennen. Beide verbindet nicht nur das Bedürfnis zu helfen, sondern bald schon romantische Gefühle. In einer von Bomben zerstörten Stadt schwören sie sich ewige Liebe. Den gerade gesponnenen Lebenstraum zerfetzt dann allerdings eine Granate. Allein Hugo wird von den Alliierten gerettet und in die USA gebracht.

Dort beginnt dann der Hauptpart von „Gefährliches Spiel“: Hugo soll wieder als Raketenwissenschaftler arbeiten. Dabei werden er und von Braun allerdings ausgebremst, schließlich soll die erste Rakete wirklich „100% amerikanisch“ sein. Allerdings steht diese Entwicklung noch nicht so stark im Fokus, denn mit der hübschen Lola tritt eine neue Frau in sein Leben. Schnell bemerkt Hugo verblüffende Ähnlichkeiten zu seiner verstorbenen Eva … und ein Gefühlschaos beginnt.

Gefühlschaos, das ist für diesen Auftakt das richtige Stichwort. Im Moment wirkt der Wettlauf um die erste Rakete im All eher wie ein unwichtiges Hintergrundsetting einer Dreiecksliebesgeschichte. Dazu könnte man zwar auch „Gefährliches Spiel“ sagen, aber so gemeint war das vermutlich nicht. Wer sich also auf Verschwörung und Spionage freut, muss sich mindestens bis zum zweiten Band gedulden. Nichtsdestotrotz deuten sich spannende Ansätze an. Gerade zum Ende hin werden noch schnell zwei Entwicklungen enthüllt, die der Story endlich Drive verleihen könnten.

Bis dahin muss sich der Leser mit einer recht staccato erzählten Story im Mix von Fakten und Fiktion zufriedengeben, die erst mal ganz in Ruhe ihre Protagonisten vorstellen will. In Form und Farben wurden diese von Philan und Scarlett Smulkowski gegossen. Dabei bleibt Zeichner Philan dem typisch französischen Look treu: Sehr realistisch, mit starken Konturen und ausgeprägter Mimik und Gestik unterstützt er unaufdringlich die Story. Unaufdringlich heißt in diesem Zusammenhang allerdings auch ein bisschen fade, denn so richtig wollen die Funken nicht überspringen. Dafür bleibt noch alles etwas zu banal.

Passend dazu – aber ebenfalls wenig aufregend oder dramatisch – kommt die Farbwahl von Koloristin Smulkowski dazu. Alles hat einen großzügigen Sepiaschleier verliehen bekommen. Passt auch hier zum Setting, kann den Gesamteindruck aber auch nicht mehr großartig nach oben reißen.

Und damit ist die Spionagegeschichte „Gefährliches Spiel“ am Ende für den Augenblick zwar nett, aber auch ein bisschen einfach. Alles steckt noch tief in den Anfängen. Daraus kann sich noch großartiges entwickeln, bisher ist es aber kein Verlust, diesen Comic nicht zu lesen.

Handlung

Eine Spionagegeschichte, die zur Anfangszeit der Raumfahrt spielt: Im Juni 1943 verlässt der Ingenieur Hugo Eberling das von Wernher von Braun geleitete Zentrum, in dem Hitler seine Vergeltungswaffen, die V1- und V2- Rakteten, entwickeln lässt. Eberling schließt sich dem Widerstand an, wo er auf Eva trifft und sich in sie verliebt. Im April 1945 schwören sich die beiden Treue bis in den Tod. Doch eine russische Granate macht alles zunichte. Hugo ist am Boden zerstört, als er von Evas Tod erfährt und nimmt ein Angebot aus den USA an. Dort trifft er erneut auf von Braun, der ebenfalls die Seiten gewechselt hat und nun Raketen für die Amerikaner entwickelt. Als die Russen 1957 den ersten Satelliten Sputnik starten, beginnt der Wettlauf zum Mond zwischen Russland und den USA und für Hugo beginnt ein Albtraum.

(Quelle: Panini Verlag)

Autor & Zeichner

Toldac (Autor)
(mit bürgerlichem Namen Michel Fournier) ist ein französischer Comicautor.

(Quelle: Wikipedia)

Toldac – Facebook

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 28.02.2017
Seitenzahl: 48
Storys: Jeu des Dames 1
ISBN: 978-3741602504
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer