Review

Mein Name ist Gork der Schreckliche, und ich bin ein Drache. Ich warne euch. Von allen Drachenliebesgeschichten ist meine die schrecklichste. Aber auch die romantischste. Denn in meiner schuppigen grünen Brust schlägt ein furchtbar großes und empfindsames Herz.

Diese auf dem Klappentext befindliche Vorstellung des Protagonisten höchstselbst umreißt bereits in aller Kürze den Inhalt des Romans „Gork der Schreckliche“ von Autor Gabe Hudson. Sein Werk, erschienen bei Klett Cotta, vereint Elemente der Fantasy, Science-Fiction und Romanze.

Ein etwas anderer Drache

Hudson überlässt in seinem 432 Seiten starken Buch der Hauptfigur das Wort, sodass die Leser in Ich-Erzählperspektive unvermittelt an Gorks Suche nach der richtigen Drachenlady teilhaben können.
Diese gilt es für den schuppigen Jungspund dringend zu finden, um mit ihr gemeinsam einen fremden Planeten zu erobern und diesen anschließend mit seinen Nachkommen zu bevölkern. Gelingt ihm das nicht, würde Gork versklavt werden.

Der Clou der Geschichte ist jedoch nicht nur die unterhaltsam-holprige Partnersuche. Vielmehr steht die Andersartigkeit von Gork im Fokus, was letztlich für den humorvollen Aspekt des Romans sorgen soll. Denn

Gork ist nicht wie die anderen Drachen an der Militärakademie WarWings. Er hat winzige Hörner und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Sein Spitzname ist „Weichei“ und sein WILLE ZUR MACHT-Ranking liegt bei „Kuschelbär“ – das niedrigste in seinem Jahrgang.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Voraussehbar, dass Situationskomik, Slapstick und Dialogwitz nicht lange auf sich warten lassen. Doch wenngleich Hudson all dies liefert, wirken derlei Passagen überraschenderweise selten komisch. Zünden einige Gags zu Beginn noch recht gut, holen sie die Leser zunehmend weniger ab, um für Lacher zu sorgen.
Dass der Klappentext sowie der Auszug aus der Charakterbeschreibung der Hauptfigur lustiger anmuten, als die Geschichte am Ende ausfällt, hat mehrere Ursachen. Einerseits liegt das an der schnell als eher plump empfundenen Art des Humors, der sich zudem zu rasch abnutzt. Andererseits trägt der Schreibstil des Autors langfristig nicht dazu bei.

Gork auf Repeat

Allen voran sind es diesbezüglich die ständigen Wiederholungen, die – als Stilmittel angedacht – ihre Wirkung verfehlen. Stattdessen sorgen sie dafür, dass der Inhalt von „Gork der Schreckliche“ letztlich wie eine Geschichte aus Copy-und-Paste-Abschnitten erscheint. Hebt die Erzählperspektive die Distanz zwischen Leser und Figur(en) bzw. Story auf, bringen diese Wiederholungen dem Protagonisten nur bedingt Sympathiepunkte ein. Schnell läuft Gork somit Gefahr, als nervtötender Drache wahrgenommen zu werden, während die Empathiefähigkeit der Leser mit jeder weiteren Seite auf eine harte Probe gestellt wird.

Gabe Hudson (Copyright: Gabe Hudson)

Potenzial verschenkt

Dabei ist die Grundidee hinter „Gork der Schreckliche“ eigentlich sehr gut. Schade daher, dass die Umsetzung mit der Erwartungshaltung der Leser nicht mithalten kann. Alles in allem bleibt der Inhalt recht eindimensional, die Handlung zu überschaubar und das Potenzial der Figuren wenig ausgeschöpft. Insgesamt hätte aus „Gork der Schreckliche“ daher in allen Belangen weit mehr herausgeholt werden können.

Da sich Gabe Hudson scheinbar außerdem nicht entscheiden konnte, ob „Gork der Schreckliche“ ein Kinder- respektive Jugendbuch oder ein Roman für Erwachsene sein soll, stellt das Ergebnis am Ende nur einen unbefriedigenden Kompromiss dar.

Handlung

Fun-Fantasy mit Hirn, Herz und Humor

„Mein Name ist Gork der Schreckliche, und ich bin ein Drache. Ich warne euch. Von allen Drachenliebesgeschichten ist meine die schrecklichste. Aber auch die romantischste. Denn in meiner schuppigen grünen Brust schlägt ein furchtbar großes und empfindsames Herz.“

Gork ist nicht wie die anderen Drachen an der Militärakademie WarWings. Er hat winzige Hörner und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Sein Spitzname ist »Weichei« und sein WILLE ZUR MACHT-Ranking liegt bei »Kuschelbär« – das niedrigste in seinem Jahrgang. Aber er ist wild entschlossen, sich von nichts aufhalten zu lassen, als die wichtigste Mission seines Lebens beginnt: Am Vorabend seiner Abschlussfeier, muss er einen weiblichen Drachen fragen, ob sie seine Queen sein will. Sagt sie ja, wird er mit ihr einen fremden Planeten unterwerfen und mit seinen Nachkommen bevölkern. Sagt sie nein, – dann wird Gork leider versklavt.

(Quelle: Klett Cotta)

Autor

Gabe Hudson
geboren 1974, ist ein US-Amerikanischer Schriftsteller. Bekannt wurde er mit der Storysammlung „Dear Mr. President“, für die er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde er vom Granta Magazine zu einem der zwanzigst besten jungen amerikanischen Romanautoren auserkoren. Gabe Hudson lebt in Brooklyn.

(Quelle: Klett Cotta)

Gabe Hudson – Homepage
Gabe Hudson – Twitter

Details

Format: Hardcover; gebunden mit Schutzumschlag
Vö-Datum: 30.08.2018
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3-608-96268-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Klett Cotta

Copyright Cover: Klett Cotta



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde