Review

Mit im Kopf herumschwirrendem „Where Is My Mind?“ von den Pixies öffnet man den Nachfolger des Werkes, über das man kein Wort verliert. Ob nun in Form des Romans oder des Films, Chuck Palahniuk hat mit „Fight Club“ noch Jahre danach einen starken Eindruck hinterlassen. Doch auch nach all dieser Zeit ließ ihn der Gedanke nicht los, wie seine eigens geschaffene Welt nun aussehen würde. Der Spaß musste also irgendwie weitergehen, also schnappte sich Palahniuk Zeichner Cameron Stewart und so entstand „Fight Club 2: Tyler Durden lebt“.

„Tyler Durden lebt“. Was für Emotionen bringt dieser Satz in einem hoch? Angst oder gar Euphorie? Wenn man bedenkt, mit welcher Eigendynamik sich das Phänomen Tyler Durden durch die Story Fight Clubs zog, würde möglicherweise beides zutreffen. Und diese Dynamik überträgt sich nun in diese Graphic Novel. Die Story spielt zehn Jahre nach den Ereignissen von „Projekt Chaos“, unser namenloser Protagonist ist nun mit seiner fragwürdigen Liebe Marla Singer verheiratet und beide freuen sich sogar über Nachwuchs. Dennoch hat die Vergangenheit ihre Spuren an Sebastian hinterlassen, der nun Medikamente nehmen muss, um sein anderes Ich Tyler Durden unter Verschluss zu halten …

Ja, ihr habt richtig gelesen. „Jacks grinsende Rache“ hat nun offiziell einen Namen: Sebastian. Selbst vom Autor gegeben und mit noch mehr Hintergrundinformationen zu seiner Person. Eine der Stärken der eigentlichen Story war diese Ungewissheit, in die man hineingeworfen wurde und bei der man sich aufgrund mangelnder Erklärung vieles selber denken musste. Das machte unter anderem die Atmosphäre von „Fight Club“ aus, welche nun durch eine Menge Informationen sehr stark verwässert wird. Auch teilen sich Sebastian und Tyler die Hauptrollen, was den Fokus von dem eigentlichen Protagonisten, der einst ein Sklave der IKEA-Manie war, nimmt. Allerdings muss man zugeben, dass dies eine subjektive Betrachtungsweise des Comics darstellt, welche nicht unbedingt von jedem geteilt werden muss.

Aber genug der Fanboy-Nörgelei, die nichts Neues zulassen will. Denn „Fight Club 2: Tyler Durden lebt“ ist für den restlichen Teil storymäßig und optisch ein Biest. Die Graphic Novel hat immer noch einen drückenden, undurchlässigen und exzentrischen Charakter; besonders da Sebastian ohne Tyler wieder in seinen alten Trott verfällt und auch wenn Marla äußerlich geläutert scheint, kann sie ihre alten Marotten immer noch nicht ablegen. Ein wenig verwirrend, wie das Sprengen sämtlicher Finanzgebäude die Menschen wohl doch nicht zum Nullpunkt gebracht hat, aber Tylers Anhänger sind immer noch unterwegs und sollen auch in Sebastians Leben wieder eine Rolle spielen.

Fans werden viele Elemente der originalen Vorlage wiedererkennen und ab und zu gibt es auch ein paar nette Referenzen, die einem beim Lesen mit dem „Das kenne ich doch woher“-Gedanken zurückblicken lassen. Und das in einem Maße, dass dieses Werk eben nicht wie eine Kopie wirkt.

Leseprobe von "Fight Club 2 (Band 1)" (Copyright: Splitter Verlag)

Leseprobe von „Fight Club 2 (Band 1)“ (Copyright: Splitter Verlag)

Wo wir auch schon bei den Zeichnungen gelandet sind. Bitte nicht erschrecken, aber das Frontcover spiegelt nicht den Stil wider, den man im Inneren erwarten könnte. Was für die Extremen des Comic-Stils wohl vielleicht auch etwas zu lieb gewesen wäre. Stewart versteht es, die Stimmung der Story einzufangen und sie mit visuellen Metaphern noch ein Stück heftiger an die Leser zu transportieren. Mit der kreativen Aufmachung, bei der sich beispielsweise stilfremde Objekte über die Panels verteilen und so einen zusätzlichen Effekt auf das Geschehen hinterlassen, wird das Lesevergnügen zusätzlich gesteigert. Zwischendurch gibt es auch ein paar Artworks, die berühmte Kunstwerke mit einem Augenzwinkern neu interpretieren.

Um es kurz zu machen. „Fight Club 2: Tyler Durden lebt“ liest sich wie ein Zuggleis, auf dem gleichzeitig zwei Züge aus verschiedenen Richtungen frontal aufeinander zurasen. Und das jeden Tag, weil dieses Gleis nie umgeleitet wird. Die Story hat ihre ruhigen Momente und holt im selben Augenblick wieder das typische Fight Club Feeling heraus, welches alles urplötzlich eskalieren lässt.

Zunächst war es nicht sicher, ob dieser Band einem offiziellen Nachfolger gerecht wird, da er an vielen Stellen manchmal wie überzogene Fanfiction wirkt. Aber wenn man bedenkt, dass die Szenerie gealtert ist und viele moderne Einflüsse mitgenommen wurden, scheint es so, als hätte man nur eine kurze Pause eingelegt.
Palahniuk beweist, dass er mit seiner physischen und psychischen Gewalt zu erzählen immer noch fesseln kann. Zusammen mit passender visueller Umsetzung ein Werk, das einen nicht so schnell loslassen wird.

Inhalt

Was mag 15 Jahre später aus Tyler Durden geworden sein, dessen düsteren Zukunftsprognosen von der Gegenwart so verheerend unterboten wurden? Die Frage ließ dem bekennenden Comicfan Palahniuk keine Ruhe, und so schuf er zusammen mit dem kanadischen Starzeichner und Eisner-Award-Gewinner Cameron Stewart (Superman Adventures, B.P.R.D., Batman) exklusiv diese Graphic Novel, um Tyler Durden, nach Literatur und Film, im Comic eine weitere Bühne zu geben. Tyler Durden ist zurück!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Chuck Palahniuk, bürgerlich Charles Michael Palahniuk (geb. 21. Februar 1962 in Pasco, Washington), ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er wohnt derzeit in Vancouver und ist vor allem durch sein Erstlingswerk Fight Club (1996) bekannt geworden, das von David Fincher mit Brad Pitt und Edward Norton verfilmt wurde. Sein Roman Choke (2008) wurde von Clark Gregg mit Anjelica Huston und Sam Rockwell ebenfalls verfilmt.

(Quelle: Wikipedia)

Chuck Palahniuk – Homepage

Details

Format: Hardcover / Bookformat
Vö-Datum: 01.12.2015
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-95839-171-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Christopher
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