Review

Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass wir uns „Der nasse Fisch“ von Arne Jysch aus dem Carlsen Verlag hier angeschaut haben. Mit dem beinahe 300 Seiten starken Band „Endzeit“ wollen wir uns nun abermals einem interessanten Comic aus dem deutschsprachigen Raum widmen. Jener stammt von der deutschen Comiczeichnerin und -autorin Olivia Vieweg („Huck Finn: Nach Mark Twain“, „SUBWAY TO SALLY: Storybook“, „Warum Katzen keine Diäten machen“).

Vieweg hat in Weimar an der Bauhaus-Uni Visuelle Kommunikation studiert und ihr Comic „Endzeit“ entstand im Jahre 2011 als Diplom-Arbeit. Diese Arbeit hat sie zu einer wesentlich erweiterten Fassung des ursprünglichen Comics überarbeitet, welcher dergestalt nun bei Carlsen erscheint. Außerdem wird die preisgekrönte Geschichte bereits verfilmt.

„Ach, Mensch … Ist es wirklich erst zwei Jahre her, dass alles noch normal war? (…) Zwei Jahre Apokalypse … Fühlt sich wie ein halbes Leben an, oder?“

Inhaltlich geht es in „Endzeit“ – wie so oft in Comics neuerer Zeit (z.B. „Parallel – New York, New York (Band 1)“ oder auch Rick Remenders Dystopie „Devolution“) – um die Welt nach der Apokalypse. Die Handlung ist zwei Jahre nach einer Zombie-Apokalypse angesiedelt und spielt hierzulande.

Um die Städte Weimar und Jena konnten die verbliebenen Menschen jeweils einen Schutzzaun errichten und sich derart von den Untoten abschotten. Verbunden werden die Städte durch einen Zug. Dieser ist allerdings nur zum Transport von Waren vorgesehen und für Personen verboten. Mit diesem Zug machen sich aber die beiden ungleichen Mädchen Vivi und Eva auf die Reise, die hoffen, mit diesem nach Jena zu gelangen. Als der Zug jedoch unterwegs den Geist aufgibt und weit und breit kein anderer Mensch zu sehen ist, müssen sich die beiden Protagonistinnen allein und zu Fuß auf den Weg nach Jena machen. Allerdings lauern auf diesem Weg zahllose Gefahren, die den Mädchen nach dem Leben trachten…

Der Comic von Olivia Vieweg präsentiert zwar zunächst das geradezu genretypische Setting um die Geschichte einer kleinen Gruppe Überlebender nach einer weltweiten Zombie-Apokalypse. Indes wird dieses nicht nur dadurch abgewandelt und interessanter, dass es statt in einer verwaisten und trostlosen Mega-Metropole hier in Deutschland spielt und ferner mit zwei jungen Frauen als Heldinnen aufwarten kann. Diese sind äußerst lebhaft charakterisiert und dabei grundverschieden. Während Vivi eher depressiv, naiv und ängstlich, zuweilen auch weinerlich ist, ist Eva – zumindest oberflächlich – robust und hartgesotten. Zwischen den beiden entwickelt sich eine muntere und nachvollziehbare Dynamik. Aus einer solchen Perspektive sieht man die bekannte Zombie-Apokalypse dann doch eher selten und gerade die Verbindung der jungen, zerbrechlichen Frauen mit der düsteren Zombie-Horror-Welt wirkt frisch.

Comiczeichnerin und -autorin Olivia Vieweg (Copyright: Olivia Vieweg)

Weniger gelungen als die facettenreichen Hauptfiguren ist – meines Erachtens – die Figurengebung und der persönliche Zeichenstil von Vieweg. Dieser beruht sicherlich auf unterschiedlichen Einflüssen und lässt sich als eine Mischung aus Manga-Stil, Kinderbuch-Illustration und Cartoon-Stil umschreiben. Im Ganzen wirken die reduzierten Zeichnungen jedoch sehr skizzenhaft, grob und unausgereift. Das Cover-Artwork geht zwar in eine ähnliche Richtung, ließ aber dennoch mehr erhoffen. Die Künstlerin wird schon ihre Anhängerschaft haben, aber mein Geschmack ist es nicht. Die Farbgebung wiederum gelingt durchweg stimmig und atmosphärisch.

„Endzeit“ ist am Ende des Tages ein kurzweiliges Lesevergnügen, das man trotz der beträchtlichen Seitenzahl gerne in einem Rutsch durchschmökert.

Inhalt

Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt. Die Städte Weimar und Jena haben es geschafft, einen Schutzzaun zu errichten und den Kreaturen zu trotzen. Die einzige Verbindung ist ein automatisierter, für Personen verbotener Zug.

Aber genau in dem begegnen wir Vivi und Eva, zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen, die hoffen, nach Jena zu gelangen. Doch es kommt zu einem Zwischenfall, und die beiden müssen den Rest des Wegs zu Fuß gehen. Zu Fuß durch eine Welt, in der der Tod gelernt hat zu rennen …

Olivia Viewegs preisgekrönte Geschichte wird bereits verfilmt.

(Quelle: Carlsen)

Autorin & Zeichnerin

Olivia Vieweg
hat in Weimar an der Bauhaus-Uni Visuelle Kommunikation studiert und 2011 ihr Diplom mit dem Comic „Endzeit” gemacht. Sie war Mitherausgeberin der Manga-Anthologie „Paper Theatre”, für die sie 2010 den ICOM Independent Preis erhielt. Sie illustriert auch Cartoonbücher, Romane für Jugendliche und Geschenkbücher. Ihre Comics sind u. a. im „Subway to Sally-Storybook” erschienen.
2013 veröffentlichte der Suhrkamp Verlag Olivia Viewegs „Huck Finn – Die Graphic Novel”. 2012 gewann sie das Comic-Stipendium von Egmont mit ihrem Konzept zu „Antoinette kehrt zurück”, der Comic erschien dann 2014.

(Quelle: Carlsen)

Olivia Vieweg – Homepage

Details

Format: Taschenbuch
Veröffentlichung: 20.03.2018
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-551-76169-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)