Review

New York 1942, das perfekte Setting für einen Noir-Comic? Aber sowas von! Dachten sich auch Autor Richard Marazano und Zeichner Guilhem, als sie „Die drei Geister von Tesla“ konzipierten. Der erste Band „Das štokavische Geheimnis“ legt viele Grundsteine für eine spannende Story ‑ was er jedoch nicht kann, klären wir gleich.

Unheimliches geschieht in New York (und ausnahmsweise ist es mal nicht Batman, der die Nachbarschaft sicherer macht). Während das Land im Krieg ist, schaut jeder zweimal hinter sich. Wer lange genug sucht, findet schließlich auch Mysteriöses: Beispielsweise fahndet das FBI nach Lichtern, die im East River gesichtet wurden. An anderer Stelle verschwinden Menschen im Dunkel der Nacht.

Doch den Jungen Travis interessieren weder Weltgeschehen noch urbane Mythen. Er ist ganz damit beschäftigt, sich in seinem neuen Leben einzurichten. Nach dem Tod seines Vaters im Krieg zieht er mit seiner Mutter nach New York, die in einer Fabrik den Lebensunterhalt der Familie bestreitet. Travis ist daher viel auf sich gestellt. Schnell lernt er die Jungs aus seinem Block und die ersten Gruselgeschichten aus der Nachbarschaft kennen.

Eine rankt um einen älteren Herrn, der auf dem gleichen Flur wohnt wie Travis. Warum ist dieser immer so mürrisch und geheimniskrämerisch? Durch seine Neugier wird er es herausfinden ‑ und Zeuge einer unheimlichen Transformation. Was aus der Rivalität zwischen Nikola Tesla und Thomas Edison erwächst und was das alles mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat ‑ da müssen wir wohl auf den nächsten Band warten.

Autor Richard Marazano verpackt hier Andeutungen und Stimmungen, bis die 48 Seiten pickepacke voll sind. Die Atmosphäre stimmt, aber ob die Story ihr Niveau und die Versprechungen halten kann, steht wohl erst in den nächsten Bänden.

Leseprobe aus „Die drei Geister von Tesla (Band 1)“ | Copyright: Splitter Verlag

Wer jetzt schwankt, ob er der Serie schon jetzt eine Chance geben soll, muss dringend einen Blick auf die Comic-Seiten werfen. Deren Gestaltung lässt das Pendel nämlich deutlich Richtung „Ja“ ausschlagen. Guilhem trifft den Noir-Nagel mit seinem optischen Konzept auf den Kopf. Sepiatöne ‑ das Cover hat sogar einen Golddruck spendiert bekommen! ‑, düstere Hinterhöfe, ein leicht schäbiges Stadtbild. Passt! Besonders schön gelungen sind die Maschinenelemente, welche dem Comic einen leichten Steampunk-Anstrich verleihen. Auch das Charakterdesign ist passig: kantig und unperfekt.

Bemerkenswert ist außerdem das Paneldesign, das ziemlich dynamisch daherkommt. Keine klassischen Formate, sondern ein eher amerikanischer Stil prägen diese Ausgabe. Das sorgt für Abwechslung beim Lesen und könnte noch ganz interessant werden.

Mit der Betonung auf „könnte“, denn das ist der einzige Haken an „Die drei Geister von Tesla“: Bisher gibt es wirklich wenig Handfestes, nur Vermutungen und Andeutungen. Wer unentschlossen ist, ob sich die Story in die richtige Richtung entwickelt, kann ja noch ein oder zwei Bände abwarten. Noir-, Mystery- und Science-Fiction-Fans können für einen kleinen Happen zwischendurch aber auch jetzt schon zugreifen.

Inhalt

New York, 1942. Das aktuelle Kriegsgeschehen ist zwar weit weg, aber die Stadt steht trotzdem unter Anspannung. Man fürchtet feindliche Spione, mögliche Anschläge, und mysteriöse Phänomene sorgen für Unruhe: Menschen verschwinden, auf dem Grund des East River werden wiederholt Lichter gesehen. Die Behörden jedoch, das FBI beispielsweise, wiegeln bloß ab. In diese Atmosphäre der Geheimniskrämerei und Unsicherheit gerät der junge Travis, als seine Mutter mit ihm auf der Suche nach Arbeit in die Stadt zieht. Travis ist ein guter Beobachter, und sein Interesse gilt der Forschung und Wissenschaft. So merkt er bald, dass es hier nicht bloß um Phantastereien geht, sondern wirklich etwas Großes, womöglich Monströses hinter all den unerklärlichen Geschehnissen steht.

Eine wunderbare Mischung aus Pulp, klassischer Science-Fiction und einem Hauch Steampunk – getaucht in eine vorwiegend sepiafarbene Optik.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Richard Marazano,
geboren am 27. Januar 1971, ist ein ist französischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

Richard Marazano – Facebook

Details

Format: Hardcover (Bookformat)
Veröffentlichung: 18.09.2017
Seitenzahl: 48
Band: 1 von X
ISBN:978-3-95839-561-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer