Review

Sieben Milliarden Menschen und viele waren echt blöd. Es konnte eigentlich nicht anders ausgehen. (…) wir liebten den Krieg. (…) Die Politiker debattierten lange, ehe sie – in geheimen Sitzungen natürlich – zu dem Schluss gelangten, dass des Wurzels Übel wohl Religion war. Ein Heilmittel musste her. Ein geheimes Forscherteam sollte einen viralen Wirkstoff herstellen, der jenen Teil des Gehirns lahmlegen konnte, der an Gott glaubte.

Das ist die Ausgangssituation für Rick Remenders neue Dystopie mit dem Titel „Devolution“.
Natürlich sollten die Wissenschaftler auch einen Wirkstoff entwickeln, mit dem es möglich war, den Teil des Gehirns zu schrumpfen, dem die Anfälligkeit zum Glauben zugeschrieben wurde, und sie nannten ihn DVO-8. Allerdings kam es, wie es kommen musste und DVO-8 hatte einige unschöne Nebenwirkungen: Es bewirkte nach seiner Freisetzung die sogenannten „Devolutionseffekte“ und war zudem noch ansteckend. Mit anderen Worten bedeutet das, es kam zu einer Degeneration und die evolutionäre Uhr, nicht nur für die Menschheit, sondern auch für andere Spezies, wurde zurückgedreht. Allerorts finden sich also Verfall, der Niedergang der Menschheit und der Rückschritt zum Neandertaler. In dieser endzeitlichen Welt versucht die junge Raja entschlossen das Werk ihres Vaters rückgängig zu machen, der DVO-8 mitentwickelt hat. Sie will sich nach San Francisco durchschlagen, da es dort einen Re-Evolutionswirkstoff geben soll, aber natürlich ist ihre Reise voller Gefahren, Schwierigkeiten und Enttäuschungen …

Über die letzten Arbeiten von Star-Autor Rick Remender aus dem Splitter-Verlag sind wir regelrecht ins Schwärmen geraten. Diesbezüglich möge man nur einen Blick auf unsere kürzlichen Besprechungen zu den aktuellen Bänden „Black Science Buch 4: Gotteswelt“ oder auch „Low – Ufer des sterbenden Lichts“ werfen. Nun folgt mit „Devolution“ eine neue pessimistische Zukunftsvision von dem Meister seines Fachs.

Leseprobe aus „Devolution“ (Copyright: Splitter Verlag)

Remender nutzt das vorliegende Werk, um in jeder Hinsicht über die Stränge zu schlagen. Die Sprache ist explizit vulgär, viele Figuren sind widerlich, obszön und animalisch – das harmoniert alles wunderbar mit dem präsentierten Setting und der trostlosen Welt, in der wir uns hier befinden.

Die Künstler, Zeichner Jonathan Wayshak und der Mann für die Farben Jordan Boyd, profitieren ebenfalls von dem endzeitlichen Setting und können sich gänzlich austoben. Hier gibt es alles nur Denkbare wie beispielhaft riesige, stumpfe Neandertaler, prähistorische Viecher wie Mammuts, gigantische Insekten sowie zahlreiche blutrünstige Prügelorgien. Nicht zuletzt sollen hier die ausdrucksstarken, oft verzerrten Gesichter der Menschen Erwähnung finden, die nahe an der Karikatur sind und ähnlich der Welt um sie herum einer Pervertierung gleichen. Besonders gelungen ist auch die Darstellung des Las Vegas Strips mit seinen berühmten Casinos, die hier allerdings von Pflanzen überwuchert und völlig verfallen sind.

„Devolution“ ist ganz sicher nicht derart innovativ und fantasievoll wie Rick Remenders oben genannte Titel. Er erfindet hier das Rad nicht neu und nimmt ganz typische Anleihen aus dem derzeitig omnipräsenten Genre der post-apokalyptischen Geschichten („The Walking Dead“, „Mad Max: Fury Road“ oder auch „Resident Evil“ lassen grüßen). Die Art, wie er es macht, ist indes abermals äußerst gelungen und auch der vorliegende Band verdient daher eine Leseempfehlung.

Inhalt

Das konnte nur schiefgehen. Dabei liegen die Probleme der Menschheit auf der Hand: Ressourcenvergeudung, Umweltzerstörung, Genpfuscherei. Und immer wieder Krieg, Terror, Mord und Totschlag. So kamen einige Oberschlaue mit unterentwickeltem Verantwortungsgefühl zu dem Schluss, das Problem des Menschen sei einzig der Mensch und vor allem sein Hang zu religiöser Intoleranz. Man müsse nur das dafür zuständige Hirnareal ausschalten, und alles wird gut. Wie gesagt, eine hirnrissige Idee. Innerhalb kürzester Zeit schraubt sich die menschliche Evolution zurück auf Neandertalerniveau. Rick Remender hat reichlich Gelegenheit, seinen gallig schwarzen Humor von Jonathan Wayshak und Jordan Boyd so brillant wie drastisch in Szene setzen zu lassen. Ein wahrhaft endzeitliches Vergnügen!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage
Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover (Bookformat)
Veröffentlichung: 20.07.2017
Seitenzahl: 160
Band: 1 von 1
ISBN: 978-3-95839-139-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?