Review

Anfang des Jahres sorgte „Descender – Sterne aus Blech“ bei uns für Begeisterungsstürme: Optik, Story, Action, Emotion – Jeff Lemire und Dustin Nguyen haben hier einfach auf allen Linien Bestleistungen abgeliefert. Nun endlich folgt mit „Descender – Maschinenmond“ die Fortsetzung dieser grandiosen Geschichte.

Nach einer kurzen Rückblende, sehr praktisch für alle, die in der Zwischenzeit ein bisschen den Faden verloren haben, folgt zunächst ein kleiner Storyschnörkel. Ein noch namenloser Söldner sucht am äußersten Rand bewohnbarer Planeten nach versprengten Robotern, auf deren Hauptplatinen ein Kopfgeld ausgerufen ist. Obwohl die Vernichtung dieser harmlosen Maschinen für das kleine Dorf große Not bedeutet, erledigt der junge Mann den Auftrag schnell und effektiv.

Bevor seine Identität enthüllt wird, geht es jedoch erst einmal zur spannenden Stelle zurück, an der Band 1 endete: Der kleine Tim-21 konnte zwar durch die Rettungsmannschaft der Regierung geborgen werden, bevor diese ihr Ziel erreichen konnten, wurden sie jedoch von Kopfgeldjägern des technologiefeindlichen Königs S’nok gefangen. Nach einem kurzen, aber heftigen Verhör tauchte jedoch der mysteriöse Psius, Kopf des Roboter-Widerstandes auf. Im Gepäck hatte er nicht nur jede Menge Feuerkraft, sondern auch einen Sohn: Tim-22! Erstaunen und Verwirren aufseiten des Rettungsteams sind groß, für Erklärungen bleibt allerdings keine Zeit. Psius fackelt allerdings nicht lange und ermordet König S’nok. Tim-21 ist es zu verdanken, dass Telsa und Dr. Quon die Rebellen begleiten dürfen, während der Rest des Rettungsteams auf dem Planeten zurückbleiben muss.

So sorgt Lemire nach und nach dafür, dass sich die Story immer weiter auffasert und an Komplexität gewinnt. Gleichzeitig nimmt der Kampf zwischen technischem und organischem Leben unaufhaltsam an Fahrt auf. Dabei würzt er dieses Mal seine Erzählung nicht nur mit emotionalen Komponenten, die ihre Macht vor allem aus dem Phänomen der Erinnerung speisen, sondern auch durch globale Fragen der Ethik. Was ist eigentlich das Phänomen „Leben“? Was bedeutet das Leben nach dem Tod? Wann sind wir menschlich, wann nur eine Maschine? Im Verlauf des „Maschinenmond“ taucht Tim-21 immer tiefer in die Welt der Robotergesellschaft ein und muss dort feststellen: Sogar unter seinesgleichen ist er etwas besonders. Und selbst in einem geschützten Raum herrscht eher menschliche Missgunst.

Leseprobe aus "Descender - Maschinenmond (Bd. 2)" (Copyright: Splitter Verlag)

Leseprobe aus „Descender – Maschinenmond (Bd. 2)“ (Copyright: Splitter Verlag)

Wie schon der Vorgänger endet auch Band 2 äußerst dramatisch und mit großem Cliffhanger. Und ebenso wie im Vorgänger liefert außerdem Künstlertalent Nguyen seinen Teil der Story wieder großartig ab. Auch dieses Mal bedient sich der Zeichner eines skizzenhaften Stils. Durch den Einsatz von zarten Aquarelltönen bleiben die vorausgehenden Bleistiftskizzen sichtbar, was dem Comic eine ganz besondere Ästhetik verleiht. Allerdings wirkt es im Vergleich zum ersten Band so, als wäre dieses Mal eine andere, gröbere Sorte Aquarellpapier verwendet worden. Dadurch zeichnet sich die Struktur des Papiers besonders auf den hellen Seiten noch stärker ab. Legt man beide Ausgaben direkt nebeneinander, gefällt die Vorgängerarbeit mehr. Hier gehen weniger Details verloren.

Aber trotz dieses kleinen Mankos versteht es auch „Descender – Maschinenmond“ wieder, den Leser zu verzaubern und gleichzeitig mit dramatischer Action zu fesseln.
Es bleibt dabei: Die „Descender“-Serie ist ein Must-Read für alle Sci-Fi- und Comic-Fans!

Inhalt

Als Jeff Lemire („Sweet Tooth“) sich daran machte, sein neues Science-Fiction Epos „Descender“ zu entwerfen, nahm er an, dass die Story um den einsamen, von allen Kopfgeldjägern der Galaxie verfolgten Roboterjungen TIM-21 ihn in die entferntesten Winkel des Weltalls führen würde. Stattdessen landete er in Hollywood. Denn kaum hatten er und Zeichner Dustin Nguyen ihr Projekt im letzten Sommer erstmals öffentlich in groben Zügen umrissen, gaben sich die Filmstudios bei ihnen die Klinke in die Hand. Eine Verfilmung von Sony Pictures ist bereits in Planung.

Eine bewegende Geschichte über die emotionale Zweischneidigkeit künstlicher Intelligenz, von Dustin Nguyen in atmosphärisch dichte Aquarelle umgesetzt, deren Einflüsse von Miyazaki und Otomo bis Stanley Kubrick („2001“) reichen. Und schon jetzt einer der SF-Comics des Jahres!

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire,
geboren am 21. März 1976, ist ein kanadischer Comicautor und Autor von der Essex County Trilogy, Sweet Tooth, The Nobody und The Underwater Welder. Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage
Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover (Bookformat)
Veröffentlichung: 01.09.2016
Seitenzahl: 120
Band: 2 von 4
ISBN: 978-3-95839-167-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer