Review

Gerade in den USA gehört die 1900 erschienene Erzählung „Der Zauberer von Oz“ des US-amerikanischen Autors Lyman Frank Baum mit Illustrationen von William Wallace Denslow zum Kulturgut. Ähnlich wie die Deutschen etwa mit den Märchen der Gebrüder Grimm heranwachsen, so werden die meisten US-Amerikaner mit „The Wonderful Wizard of Oz“ groß.

Maßgeblich zur Prominenz und Popularität der Geschichte trugen auch die Verfilmungen und Musicals bei. Immer wieder gibt es Vorgeschichten, Fortsetzungen sowie neue Interpretationen. In jüngster Vergangenheit gab es erst wieder das Prequel „Die fantastische Welt von Oz“ unter der Regie von Sam Raimi mit James Franco in der Titelrolle. In diese illustre Runde reiht sich auch die vorliegende Comic-Adaption des Kinderbuch-Klassikers von Autor Eric Shanower ein. Dieser hat sich lange mit der Welt von Oz beschäftigt und die bekannte Erzählung nicht erheblich gekürzt, sondern vielmehr ohne größere Änderungen für die Comic-Welt adaptiert. Da sich der Inhalt also sehr nahe an der originalen Erzählung abarbeitet, lässt sich der Inhalt wie folgt resümieren:

Zu Beginn verschlägt ein Wirbelsturm ein Farmhaus samt der kleinen Dorothy, einem jungen Mädchen aus Kansas, und ihrem winzigen Hund Toto in die fantastische Welt von Oz. Dort, im Land der Munchkins angekommen, landet das Haus auf der Bösen Hexe des Ostens, wodurch diese stirbt. Die zierliche Dorothy möchte unbedingt zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach Kansas zurück, weshalb die Gute Hexe des Nordens ihr rät, auf dem gelben Ziegelsteinweg in die Smaragdstadt zu gehen, um dort den großen Zauberer von Oz um Hilfe zu bitten. Mit den Silberschuhen der Bösen Hexe des Ostens macht sich Dorothy auf den Weg, einzig getrieben von ihrem Wunsch, wieder nach Hause zu kommen.

Auf ihrer Reise trifft die Kleine auf ihre Mitstreiter: die Vogelscheuche, den Blechmann, und den Feigen Löwen. Diese drei werden ebenfalls jeweils von einem Wunsch angetrieben, den ihnen der mächtige Zauberer von Oz erfüllen soll.

Die Vogelscheuche treibt der Wunsch:

Ob mir der große Oz wohl etwas Verstand gibt, wenn ich dich begleite? (…) ich möchte nicht, dass die Menschen mich für einen Narren halten.

Der Blechmann hingegen begehrt:

Glaubst du, Oz könnte mir ein Herz geben? (…) Ohne Herz kann man nicht lieben. Daher bin ich entschlossen, Oz zu bitten, mir eins zu geben.

Zuletzt wünscht sich der große Feige Löwe:

Meint ihr Oz könnte mir Mut geben? (…) Denn ohne etwas Mut ist mein Leben unerträglich.

Gemeinsam mit ihren skurrilen Begleitern macht sich die kleine Dorothy auf den Weg durch das wunderbare und bunte Land Oz und sie sollen zahlreiche Abenteuer erleben und auf absonderliche Wesen treffen, wie natürlich die allseits bekannten geflügelten Affen.

Falls jemand die Erzählung noch gar nicht kennt, wollen wir hier dann auch nicht mehr spoilern.

Mustergültig beweist diese Comic-Adaption, dass Marvel wahrlich das Haus der Ideen ist; Marvel Comics kann somit nicht nur Superhelden.

Wie bereits angedeutet liefert Autor Eric Shanower hier zwar keine Neuinterpretation und erfindet mit seiner Adaption dementsprechend das Rad nicht neu. Teilweise ist die Story auch etwas zu hastig erzählt, wenn auch nie störend übereilt. So bewirkt die Schnörkellosigkeit seiner Geschichte aber auch, dass man sich noch mehr auf das herausragende Artwork konzentrieren kann.

Leseprobe aus „Der Zauberer von Oz“ (Copyright: Panini Verlag)

Zeichner Skottie Young ist hierzulande vor allem auch durch seine Baby-Variant-Cover von Superhelden im Cartoon-Stil bekannt geworden. In unserer Review zum „Hellboy Kompendium 2“ haben wir diesen schon einmal im Kontext der Großen genannt und ihn Artwork-Enthusiasten gerade ob seines einzigartigen Stils empfohlen.
Skottie orientiert sich hier bei seiner Arbeit gerade nicht an den legendären Illustrationen von William Wallace Denslow, was wahrscheinlich schon toll geworden wäre, sondern er liefert
eindrucksvolle, liebevoll inszenierte, eigene Versionen der Charaktere und auch Landschaften ab. All diese altehrwürdigen Figuren erhalten hier einen frischen Anstrich mit diesem ausgefallenen Cartoon-Look. Abgerundet wird das hervorragende Artwork von den (mindestens) ebenso tollen Farben von Jean-Francois Beaulieu, die sich ganz wunderbar und harmonisch mit Skottie Youngs Arbeit vertragen. Mit dem Team Shanower/Young/Beaulieu hat Marvel Comics absolut ins Schwarze getroffen.

Während die Story womöglich für den einen oder anderen anspruchsvollen Leser zu kindgerecht und unbefleckt sein mag, sind die besonders prachtvollen künstlerischen Illustrationen für jeden Comic-Fan ein Highlight. Wer hier so richtig auf den Geschmack kommt, dem sei noch ans Herz gelegt, dass es bereits weitere Comics über das zauberhafte Land Oz bei Panini gibt.

Zuletzt sei noch ein Tipp für Skottie Young-Fans oder eigentlich jeden Comic-Fan überhaupt erlaubt: Kauft euch unbedingt „I hate Fairyland 01: Verrückt bis an ihr seliges Ende“; das ist mal eine brüllend komische und knüppelharte Variante eines modernen Märchens, die man nicht missen sollte.

Inhalt

Als ein Wirbelsturm die kleine Dorothy ins magische Land Oz verschlägt, macht sie versehentlich eine böse Hexe platt, befreit eine lebende Vogelscheuche, lernt einen feigen Löwen kennen, ölt einen Holzfäller aus Blech und wird von den Munchkins als große Zauberin gepriesen – aber eigentlich will sie nur eines wissen: Wie kommt sie wieder nach Hause?

(Quelle: Panini Verlag)

Autor & Zeichner

Eric James Shanower
(*23. Oktober 1963) ist ein amerikanischer Cartoonist.

Eric Shanower – Homepage

Skottie Young
(*03. April 1978) ist ein amerikanischer Comickünstler, Kinderbuch-Illustrator und Autor.

Skottie Young – Homepage
Skottie Young – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 23.05.2017
Seitenzahl: 188
Storys: The Wonderful Wizard of Oz 1-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?