Review

Vorliegend wollen wir uns dem „Deadpool präsentiert: Die Söldner Megaband“ widmen.

Für interessierte Fans des Söldner-Teams direkt zwei Hinweise vorab: Bei diesem üppigen 340 Seiten starken Megaband, der insgesamt 16 US-Ausgaben umfasst, handelt es sich weder um eine Zusammenfassung der bisher erschienenen drei Bände um Deadpool und seine Antihelden-Söldner („Deadpool & die Söldner 1: Für eine Handvoll Dollar“, Deadpool & die Söldner 2: Die Chaostruppe“, „Deadpool & die Söldner 3: Mittendrin und nicht dabei“), noch steht der Söldner mit der großen Klappe hier im Mittelpunkt oder kommt überhaupt besonders oft vor.

Stattdessen handelt es sich hier um drei komplette Miniserien aus Deadpools Welt in deutscher Erstveröffentlichung, bei denen die drei ehemaligen Mitglieder des Söldner-Teams Solo, Foolkiller und Slapstick im Fokus stehen. Nachdem sich diese von Deadpool abgewandt haben (siehe Deadpool & die Söldner 2: Die Chaostruppe“), sind sie wieder auf eigene Rechnung unterwegs.

Den Anfang macht die Ein-Mann-Antiterror-Einheit James Bourne alias Solo. Dieser nimmt hier einen SHIELD-Auftrag unter der Führung von „Dum Dum“ Dugan wahr und soll einen SHIELD-Agenten retten, der sich bei Waffenschmugglern eingeschleust hat, und dessen Tarnung droht aufzufliegen. Dabei geht selbstverständlich alles drunter und drüber, bis Solo schließlich im Weltall landet. Dort trifft er in einer Raumstation unter anderem auf den Anführer der Ravagers und Weltraumpiraten Yondu (Michael Rooker in „Guardians of the Galaxy“ & „Guardians of the Galaxy Vol. 2“), der schon nach kurzer Zeit seine Visage fressen möchte. Ob das für Solo gut ausgeht, müsst ihr selbst herausfinden.

Inszeniert wurde diese Miniserie von den Autoren Gerry Duggan („Uncanny Avengers 5“, „Deadpool: Der Unglücksrabe“) und Geoffrey Thorne, die dem Söldner eine kurzweilige und actiongeladene Story mit einigen lockeren Sprüchen auf den Leib geschrieben haben.
Zeichner Paco Diaz liefert hier außerdem ein wunderbares Artwork ab, das keine Sekunde danach aussieht, als läse man eine Geschichte über eine Figur aus der zweiten – oder gar dritten – Reihe. Wirklich kurzweilige Unterhaltung.

Im Anschluss lesen wir eine Miniserie über den schizophrenen Söldner Greg Salinger alias Foolkiller, der unter anderem von Autor Max Bemis und Zeichner Dalibor Talajić in Szene gesetzt wird. Der ehemalige brutale Killer teilt den Lesern hier zunächst seinen Lebenswandel mit:

Nie hätte ich mich für einen Typen mit einer Männerhandtasche gehalten. Bis vor einem Monat gehörte ich zur Arbeiterklasse, Leuten, die Cargoshorts tragen und Frauen schlagen. Nur zehn Jahre entfernt von ’ner Wampe. Jetzt bin ich nicht nur sozial akzeptabel, sondern geradezu vorzeigbar. Ich habe einen anständigen Job: Greg Salinger, Psychotherapeut.

Schon bald wird Foolkiller jedoch rückfällig und beginnt üble Typen, die seiner Meinung nach nicht therapierbar sind, ins Jenseits zu befördern – das dürfte nicht gerade dem Berufsethos entsprechen.

Sowohl mit Blick auf die Story als auch auf das Artwork fällt die Foolkiller-Miniserie von der Qualität gegenüber der vorherigen Geschichte etwas ab, bleibt aber durchaus lesenswert. Dabei erinnern einige Aspekte entfernt an „American Psycho“; freilich ohne besonders anspruchsvoll zu sein und ohne psychologische Motive oder soziale Kritik aufzuweisen. Ein kurzer Gastauftritt von Deadpool – der einzige im gesamten Megaband – trägt zwar durchaus einige Lacher bei, wäre im Prinzip aber entbehrlich gewesen und stört eher die Grundstimmung der Story.

Leseprobe aus dem „Deadpool präsentiert: Die Söldner Megaband“ (Copyright: Panini Comics)

Zum Abschluss wird den Lesern noch eine völlig abgedrehte Serie über den cartoonhaften Slapstick von Fred Van Lente („Deadpool vs. Punisher“, „Assassin’s Creed – Templars: Black Cross (Band 1)“) und Reilly Brown („Deadpool & Cable: Split Second“) kredenzt. Slapstick trifft hier nicht nur auf eine äußerst attraktive Agentin von A.R.M.O.R., einer Abteilung von S.H.I.E.L.D., sondern muss sich mit allerhand Toon-Figuren herumärgern. Dabei handelt es sich um allerlei Parodien, wie Bro-Man (statt He-Man), kleine niedliche, aber kampflustige Minotauren, die an die Schlümpfe erinnern, eine machthungrige Prinzessin, die aus dem Unternehmen mit dem Mäuse-Maskottchen stammen könnte und, und, und. Der Stil der Miniserie ist dabei äußerst gelungen und kann mit seiner Mischung aus Toon-Figuren und „echten Menschen“ absolut überzeugen.

Insgesamt sind die Serien über Foolkiller, Slapstick und Solo überraschend gut gelungen und kurzweilig geraten. Wer sich Deadpool-Abenteuer erhofft, sollte die Finger davon lassen, da jener hier kaum nennenswert vorkommt. Mag die Zielgruppe dieser Ausgabe damit auch nicht mehr so groß sein, so liegt hier doch ein üppiger und abwechslungsreicher Band vor, der sein Geld wert ist.

Inhalt

Ein Band, drei Miniserien!

Die Ein-Mann-Antiterror-Einheit Solo, der brutale Foolkiller und der cartoonhafte Slapstick aus DEADPOOL & DIE SÖLDNER sind wieder alleine unterwegs. Die Folge? Verrückte Abenteuer und knallharte Antihelden-Missionen!
Gaststars: Deadpool, Punisher, Yondu, SHIELD und Spidey.

(Quelle: Panini Comics)

Autoren

Gerry Duggan
ist ein amerikanischer Comicautor, Regisseur und Fotograf. Er lebt in Los Angeles. 

(Quelle: Wikipedia)

Gerry Duggan – Homepage
Gerry Duggan – Twitter

Fred van Lente
ist ein amerikanischer Autor, vorrangig für Comics und Graphic Novels.

Fred van Lente – Homepage
Fred van Lente – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 30.01.2018
Originalausgaben: Solo 1-5 / Foolkiller 1-5 / Slapstick 1-6
Seitenzahl: 348
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?