Review

Mit dem Relaunch des brandneuen Marvel-Universums („All-New, All-Different Marvel“) im Juli 2016, nach „Secret Wars“, starteten auch hierzulande wieder die größten Helden von Marvel – wie etwa Iron Man („Iron Man 1: Unbesiegbar!“), Spider-Man, Deadpool oder die Avengers („Avengers 1: Neue Helden“) – mit neuen Nummer-eins-Ausgaben.

Unter den noch zahlreichen weiteren Serienstarts bei Panini Comics suchten die deutschsprachigen Leser jedoch vergeblich die Daredevil: Back in Black“-Serie von Autor Charles Soule („Inhumans vs. X-Men 1“, „Inhumans vs. X-Men 2“, „Deadpool: Der Unglücksrabe“). Aufgrund dürftiger Verkaufszahlen der letzten Jahre müssen Fans des Manns ohne Furcht nämlich weitestgehend ohne jenen und seine Abenteuer in den Straßen New Yorks auskommen.

Zuletzt durften wir uns in „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ zumindest über ein Wiedersehen mit dem blinden Helden Matt Murdock freuen. Bereits hier zeigte sich Daredevil in seinem neuen, schnittigen schwarzen Kostüm (mit einigen roten Klecksen versehen) und mit seinem neuen Sidekick Blindspot an seiner Seite.

Die vorliegende Ausgabe „Daredevil: So finster die Nacht“ entstammt nun der oben bereits erwähnten „Daredevil: Back in Black“-Reihe und umfasst die US-Ausgaben „All-New All-Different Marvel Point One 1 (Daredevil: Blindspot)“ sowie insbesondere „Daredevil #8-14“. Dabei lässt sich die deutsche Veröffentlichung grob in zwei Teile unterteilen, nämlich die Storylines „Riskantes Spiel“ und „Finstere Kunst„, wobei letztere den Löwenanteil einnimmt.

Zu Beginn der Ausgabe sehen wir Matt Murdock – à laCasino Royale“ – bei einem Pokerturnier, für das er sich extra an das andere Ende der Welt, die ehemalige portugiesische Kolonie Macau („Las Vegas Asiens“), nahe Hongkong, China, begeben hat. Die Teilnahme bei diesem Turnier dient allerdings vornehmlich einem anderen Zweck, denn die Bosse von dem Casino sind Triaden-Mitglieder. Daredevil möchte sich in den Besitz eines Aktenkoffers bringen, der sich wiederum im Besitz der chinesischen Gangster befindet und welcher diverse äußerst sensible Informationen über die Gangsterbosse der New Yorker Unterwelt enthält. Unterstützung erhält der Mann ohne Furcht dabei von einem Helden, der auch schon mehrere „Schwarzes-Kostüm-Phasen“ hinter sich hat – Spider-Man.

Im Anschluss daran beginnt die Storyline Finstere Kunst„, die beim Leser das Gefühl hervorruft, dass sich die Ausgabe ihren Titel „Daredevil: So finster die Nacht“ auch wohl verdient hat. Bezirksstaatsanwalt Matt Murdock sieht sich in New York mit einem psychotischen Serienmörder namens Muse konfrontiert, der seine Opfer zu unfreiwilligen Bestandteilen seiner „Kunst“ macht. Zunächst findet Blindspot einen wahrhaft blutigen Tatort vor: Muse hat ein Blutgemälde mit dem Blut von über 100 vermissten Personen entworfen. Die Situation wird jedoch noch heikler, als man beim nächsten Mal ein knappes Dutzend Inhuman-Leichen, wie Statuen aufgestellt, vorfindet. Dieser Vorfall ruft New Attilans eigene Ermittler auf den Plan, die von Königin Medusa (nunmehr ohne royalen Titel, in: „Inhumans: Royals 1: Die Zukunft wartet nicht“) beauftragt worden sind. Alles läuft auf einen großen Showdown zwischen Blindspot, dem Mann ohne Furcht und dem Serienkiller Muse hinaus …

Vielschreiber Charles Soule liefert hier eine Ausgabe ab, die Fans des Manns ohne Furcht hochzufrieden zurücklassen dürfte. Während der Einstieg mit dem Pokerturnier und dem begehrten Aktenkoffer noch recht beliebig wirkt und allenfalls als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch herhalten kann, trumpft Soule im zweiten Abschnitt voll auf. Hier präsentiert er den Lesern eine äußerst erwachsene und intensive Crime-Story, die von vorne bis hinten zu überzeugen vermag. Der Mörder mit einer Art Gott-Komplex, der seine Opfer lediglich als Objekte wahrnimmt, um sie in makabere Kunstwerke zu verwandeln, strahlt durchgehend unberechenbare Gefahr aus. 

Das Artwork ist noch dazu ein besonderes Highlight der gesamten Ausgabe. Schon im schwächeren Casino-Teil sorgt Zeichner Goran Sudzuka („Wonder Woman“) mitunter für einen coolen „James Bond-Look“, wenn er Matt im weißen Smoking am Pokertisch inszeniert. Dazu passen auch die blassen Farben von Matt Milla, der mit seiner Arbeit das Artwork maßgeblich mitformt.

Im Abschnitt um den verrückten Killer hat jedoch nicht nur Soule seinen großen Augenblick, sondern auch Ron Garney („Wolverine“) spielt ganz groß auf. Seine abwechslungsreiche Gestaltung der Panels und des Seitenlayouts belebt die Story ungemein. Garneys dunkle und düstere Bilder erschaffen eine beklemmende Atmosphäre und setzen das Erzählte treffsicher in die 9. Kunst um.

Wer den blinden Schutzpatron vermisst hat, sollte sich „Daredevil: So finster die Nacht“ nicht entgehen lassen.

Inhalt

Staatsanwalt Matt Murdock ist bei der Stadt in Ungnade gefallen und muss nachts über Kriminelle zu Gericht sitzen. Deshalb wacht sein Sidekick Blindspot meist allein über die Straßen New Yorks. Doch als ein Serienkiller auftaucht, der seine Opfer in Kunstwerke verwandelt, wächst dem Jungen die Sache über den Kopf. Und Matt kann nichts dagegen tun.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Charles Soule
ist ein New Yorker Schriftsteller, Musiker und Rechtsanwalt. Bekannte Werke sind Daredevil, She-Hulk, der Tod von Wolverine und verschiedene Star Wars sowie Marvel Comics.

(Quelle: Wikipedia)

Charles Soule – Homepage
Charles Soule – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 13.02.2018
Originalausgaben: All-New All-Different Marvel Point One 1 (Daredevil: Blindspot) / Daredevil 8-14
Seitenzahl: 172
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)